Brexit-Äußerungen : Trumps Ausfall

Noch vor seiner Landung hat Trump den Bürgermeister von London beleidigt und den Briten den gefährlichen Rat gegeben, die EU ohne Deal zu verlassen. Seine narzisstische Persönlichkeit wird zur Gefahr.

Von der „special relationship“, der besonderen Beziehung, die Großbritannien und die USA einmal hatten, ist nicht viel geblieben, mag die Queen auch tapfer lächeln. Der US-Präsident war noch nicht auf der Insel gelandet, da hatte er bereits Londons Bürgermeister Khan per Twitter attackiert und alle Briten per Interview brüskiert, die um einen Ausweg aus der verfahrenen Brexit-Lage ringen. Donald Trump empfahl den Briten, einfach ohne Abkommen aus der Europäischen Union auszusteigen, wenn diese nicht nach der Pfeife der Brexiteers tanzt. Und er empfahl, ausgerechnet den Brandstifter Boris Johnson zum neuen Premierminister zu machen.

Hier zeigt sich Trumps narzisstische Persönlichkeit, hinter der Minderwertigkeitskomplexe sitzen: Wer wie Khan den US-Präsidenten kritisiert, wird aggressiv beleidigt. Konflikte werden nicht in Verhandlungen gelöst, sondern brachial beendet. Dass ein No-Deal-Brexit den britischen Verbrauchern am meisten schadet wie auch der Zollstreit am stärksten die US-Verbraucher trifft, interessiert Trump nicht. Ihn interessiert auch nicht, dass seine Empfehlung für Johnson diesem mehr schaden als nutzen dürfte - solche Ratschläge sind gerade im Mutterland der Demokratie unpopulär.

Trump denkt Politik nicht vom Ende her, sondern nur in Kategorien von Schlag und Gegenschlag, von Siegern und Besiegten. Den Handelskrieg mit China hat er damit bereits eskalieren lassen. Es bleibt nur zu hoffen, dass seine Zeit um ist, bevor auch die geopolitischen Spannungen eskalieren.

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