„Starren Sie mich nieder?“ Trump-Zeuge missachtet immer wieder Einspruch

New York · Ärger beim Schweigegeld-Prozess gegen Trump: Ein Zeuge, der selbst Jurist ist, muss belehrt werden, was nach einem Einspruch erlaubt ist und was nicht. Das war nicht das Einzige, was der Richter monierte.

Gerichtszeichnung vom Schweigegeldprozess gegen Donald Trump am Montag: Richter Juan Merchan (l.) weist den Zeugen Robert Costello zurecht.

Gerichtszeichnung vom Schweigegeldprozess gegen Donald Trump am Montag: Richter Juan Merchan (l.) weist den Zeugen Robert Costello zurecht.

Foto: AP/Elizabeth Williams

Beim Prozess gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar sollte der einstige rechtliche Berater des Hauptbelastungszeugen Michael Cohen dessen Glaubwürdigkeit untergraben - könnte sich durch sein Verhalten aber eher selbst geschadet haben. Während des Prozesstags am Montag in New York platzte Richter Juan Merchan der Kragen. Bei der Befragung des Entlastungszeugen Robert Costello schien dieser die Entscheidungen Merchans infrage zu stellen. Costello ließ während seiner Befragung wiederholt Nebenbemerkungen fallen und sprach weiter, obwohl Merchan zuvor den Einsprüchen der Staatsanwaltschaft stattgegeben hatte.

Der Richter belehrte den Zeugen - Costello ist selbst Jurist - dass dieser in solchen Fällen nicht antworten dürfe. Zu einem stattgegebenen Einspruch sagte Costello dann vernehmlich „Jeesh“ - übersetzbar etwa mit „Herrgottnochmal“. Zudem bezeichnete Costello - ein früherer Bundesstaatsanwalt in New York - die Abläufe als „lächerlich“. In der Folge ließ Merchan die Geschworenen aus dem Saal bringen. Als die Geschworenen den Raum verlassen hatten, sagte der Richter zu dem Trump-Verbündeten Costello: „Ich möchte in meinem Gerichtssaal über den richtigen Anstand sprechen“. Er verbitte sich Kommentare zu seinen Entscheidungen. „Wenn Ihnen meine Entscheidungen nicht gefallen, sagen Sie nicht „Jeez“ (...) Sie werfen mit keinen Seitenblick zu, und Sie verdrehen nicht Ihre Augen.“

Als Costello den Richter während der weiteren Befragung fortwährend finster anschaute, platzte es aus Merchan hörbar verärgert heraus: „Starren Sie mich nieder?“ Er ließ daraufhin den gesamten Saal räumen. Nach wenigen Minuten durften Journalistinnen und Journalisten sowie Beobachterinnen und Beobachter den Saal wieder betreten, die Befragung wurde fortgesetzt.

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Laut dem Protokoll sagte der Richter, als keine Pressevertreter im Raum waren, zu Costello: „Ich weise Sie darauf hin, dass Ihr Verhalten herablassend ist. Wenn Sie noch einmal versuchen, mich niederzustarren, werde ich Sie aus dem Zeugenstand entfernen.“

Im Prozess geht es um den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Trump habe seine Aussichten auf einen Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 2016 durch die Zahlung von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin Daniels verbessern wollen und den Geldfluss danach falsch verbucht. Obwohl die - von keiner Seite bestrittene - Zahlung selbst nicht illegal war, soll der heute 77-jährige Republikaner bei der Erstattung des Betrages an seinen damaligen persönlichen Anwalt Michael Cohen Unterlagen manipuliert haben, um den wahren Grund der Transaktion zu verbergen. Deshalb handle es sich um illegale Wahlkampf-Finanzierung. Trump, der im November erneut US-Präsident werden will, hat auf nicht schuldig plädiert.

Ein Reporter, der quasi täglich über das Verfahren berichtet, bezeichnete den Trump-Prozess als beste Reality-Show aller Zeiten. Auch Cohens Aussagen der vergangenen vier Sitzungstage waren denkwürdig. In seinen Einlassungen gegenüber der Staatsanwaltschaft beschrieb er im Detail, wie er über Jahre als Trumps rücksichtsloser „Pitbull“ rechtliche Probleme für seinen Boss aus dem Weg räumte, Personen unter Druck setzte, Lügen verbreitete - und schließlich öffentliche Berichte über Sexskandale Trumps unterdrückte, damit dieser 2016 die Wahl gegen Hillary Clinton gewinnen und ins Weiße Haus einziehen konnte.

Unterdessen ist ein Ende des Prozesses in Sicht. Der Richter sagte, dass er die Schlussplädoyers für Dienstag kommender Woche erwarte. Danach würden die zwölf Geschworenen zur Beratung zusammenkommen und ein Urteil fällen. Offiziell gibt es dafür kein Zeitlimit, für gewöhnlich beraten Jurys aber einige Stunden bis einige Tage.

(peng/dpa)
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