Trump unterstellt jüdischen Wählern der Demokraten „Illoyalität“

Streit um Einreiseverbot nach Israel : Trump unterstellt jüdischen Wählern der Demokraten „Illoyalität“

US-Präsident Donald Trump hat Juden in den USA, die für die Demokraten stimmen, Illoyalität unterstellt. Auslöser ist der Streit um das Einreiseverbot nach Israel zweier demokratischer Abgeordneter. Amerikanische Juden kritisierten die Aussagen scharf.

Der Republikaner äußerte sich am Dienstag zur Entscheidung der israelischen Regierung, den beiden demokratischen Kongressabgeordneten Ilhan Omar und Rashida Tlaib die Einreise zu verweigern. Trump verband dies mit einer Attacke auf die Demokraten: „Was ist aus der demokratischen Partei geworden? Was ist aus ihnen geworden, wenn sie diese beiden Personen verteidigen und damit über den Staat Israel stellen?“, fragte er und fügte hinzu: „Und ich denke, dass alle jüdischen Personen, die für einen Demokraten stimmen, ich denke, dass zeigt entweder eine totale Wissenslücke oder große Illoyalität.“

Dan Shapiro, ehemaliger US-Botschafter in Israel, schrieb auf Twitter zu Trumps Aussagen: „Er ist widerlich, natürlich. Aber das verdient, verspottet zu werden, mehr noch als verurteilt zu werden.“ Jedes Mal, wenn Trump spreche, führe dies zu einem höheren jüdisch-demokratischen Wähleranteil.

David Harris, Vorsitzender des American Jewish Committee in Washington, verurteilte Trumps Aussagen ebenfalls. Er bezeichnete sie in einer Mitteilung als „auf schockierende Weise spaltend und unziemlich für den Inhaber des höchsten Amtes“. Amerikanische Juden hätten wie alle anderen Amerikaner unterschiedliche politische Haltungen. „Seine Einschätzung ihres Wissens oder ihrer 'Loyalität', basierend auf ihrer Parteipräferenz, ist unpassend, unerwünscht und absolut gefährlich.“

Die beiden Demokratinnen Omar und Tlaib hatten einen politischen Besuch in Israel und in den Palästinensergebieten geplant. Israels Regierung hatte am vergangenen Donnerstag aber verkündet, die beiden würden nicht ins Land gelassen. Als Begründung nannte die Regierung, dass sich beide im US-Kongress für Gesetze zum Boykott Israels einsetzten. Die Entscheidung sorgte für große Empörung - noch dazu, weil Trump Israel zuvor unverhohlen dazu gedrängt hatte, Omar und Tlaib nicht einreisen zu lassen. Führende Demokraten kritisierten die Entscheidung Israels scharf.

Tlaib, die als Tochter palästinensischer Einwanderer in Detroit geboren wurde, stellte schließlich einen Antrag auf Familienbesuch, um ihre Großmutter im besetzten Westjordanland sehen zu können. Sie versicherte, jegliche Beschränkungen zu respektieren und während des Besuchs nicht für Boykotte Israels zu werben. Israel gewährte ihr daraufhin einen privaten Besuch. Doch kurz darauf machte Tlaib einen Rückzieher und sagte den Trip am Freitag komplett ab.

(anst/dpa)