Trump und Tillerson: Beziehungen zu Russland auf Tiefpunkt

Kritik aus dem Weißen Haus : Beziehungen zwischen Russland und den USA auf Tiefpunkt

Der Ton zwischen den USA und Russland hat sich auch nach dem Besuch von US-Außenminister Tillerson in Moskau nicht verbessert. Über die Nato hingegen äußerte sich US-Präsident Trump inzwischen positiver.

Die Rhetorik der USA hat sich stark verändert: Präsident Donald Trump sieht die Beziehungen zu Russland auf einem Allzeit-Tief angelangt. Die USA kämen "überhaupt nicht mit Russland aus", sagte Trump am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Weißen Haus. Er hoffe darauf, die Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin verbessern zu können, aber "wir werden sehen, was passiert".

Während der ersten Wochen seiner Präsidentschaft hatte sich Trump noch wohlwollend zu Russland geäußert.

"Nato nicht mehr obsolet"

Nun revidierte US-Präsident Trump seine Kritik, die Nato sei überflüssig. Die Militärallianz sei "nicht mehr obsolet", sagte Trump bei dem Treffen mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Er würdigte die Rolle der Allianz im Kampf gegen den "Terrorismus". Stoltenberg wiederum lobte das "sehr starke Bekenntnis" der US-Regierung zur Sicherheit Europas.

Trump hatte kurz vor seinem Amtsantritt die Nato als "obsolet" bezeichnet, was große Sorgen im Kreis der Verbündeten ausgelöst hatte. Seit seinem Amtsantritt hat er sich aber bereits wiederholt zu der Allianz bekannt.

Zeiten positiver Rhetorik vorbei

Die Zeiten positiver Rhetorik gegenüber Russland scheinen jedoch nun vorbei. Es sei möglich, aber sehr unwahrscheinlich, dass die syrische Regierung eine mutmaßliche Giftgasattacke ohne das Wissen Russlands durchgeführt habe, sagte Trump und äußerte sich damit zu den Vorwürfen, die US-Militärexperten derzeit untersuchen. "Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sie es nicht wussten, aber sie konnten es sicher wissen", sagte Trump nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg in Washington.

Außenminister Rex Tillerson war am Mittwoch in Moskau mit Putin zusammengetroffen. Auch Tillerson sagte, beide Länder seien nach dem jüngsten mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Syrien an einem Tiefpunkt in ihren Beziehungen angelangt. "Es gibt eine niedrige Ebene von Vertrauen zwischen unseren beiden Staaten", sagte Tillerson. Er kündigte die Bildung von Arbeitsgruppen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen an. Zudem wollten beide Seiten die Streitpunkte mit Blick auf Syrien erörtern und über Möglichkeiten für eine Beendigung des Bürgerkriegs sprechen, sagte Tillerson.

"Vertrauen geschwächt"

Putin selbst sagte in einem Interview des staatlichen Fernsehsenders Mir, die Beziehungen zwischen Moskau und Washington hätten sich in den ersten Monaten der Präsidentschaft Trumps verschlechtert. "Es kann gesagt werden, dass die Vertrauensstufe auf Arbeitsebene, besonders auf Militärebene, nicht besser geworden, sondern höchstwahrscheinlich geschwächt worden ist", so Putin.

Vor wenigen Wochen hatte es noch Hoffnungen auf eine Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen gegeben. Trump hatte Putin im Wahlkampf wiederholt gelobt und eine historische Annäherung an Russland in Aussicht gestellt. Diese dürfte nach der jüngsten Eskalation der Lage in Syrien und den gegenseitigen Vorwürfen zwischen Russland und den USA zunächst undenkbar sein.

(juju)