Trump attackiert Baltimore – CNN-Moderator kämpft mit den Tränen

Neue Rassismus-Vorwürfe : Nach Trumps Attacke auf Baltimore – CNN-Moderator bricht in Tränen aus

US-Präsident Trump hat in einer Attacke gegen einen Abgeordneten dessen Wahlbezirk Baltimore als „von Ratten verseucht“ bezeichnet. Ein CNN-Moderator aus Baltimore kämpfte mit den Tränen, als er von Trumps Tirade gegen seine Heimatstadt berichtete.

Nachdem der US-Präsident auf Twitter über die US-amerikanische Stadt Baltimore hergezogen war, werden neue Rassismus-Vorwürfe laut. In einer Livesendung wehrte sich CNN-Moderator Victor Blackwell gegen die Tirade. Baltimore sei ein „widerliches“, „von Ratten und Nagetieren befallenes Durcheinander“, hatte Trump am Samstag auf Twitter geschrieben. Moderator Blackwell, der selbst in der Stadt an der Ostküste der USA aufgewachsen ist, zeigte sich sichtlich aufgewühlt.

„Kein menschliches Wesen würde dort je leben wollen“, las Blackwell zunächst aus den Tweets des US-Präsidenten vor. Mitten im Beitrag rang der Moderator des CNN-Newsroom dann sekundenlang um Fassung. Als er schließlich weitersprach, wandte er sich direkt an US-Präsident Trump: „Wissen Sie, wer dort gelebt hat, Mr. President?“, sagte Blackwell mit Tränen in den Augen. „Ich. Seit dem Tag, an dem ich geboren wurde, bis zu dem Tag, als ich wegzog, um zu studieren. Und viele Menschen, die mir etwas bedeuten, leben immer noch dort.“

Natürlich gebe es Herausforderungen, so der 38-Jährige. Aber die Menschen dort seien stolz auf ihre Gemeinde. „Sie geloben Treue gegenüber der amerikanischen Flagge, genauso wie die Menschen, die in Bezirken von Abgeordneten leben, die Sie unterstützen. Sie sind ebenfalls Amerikaner“, schloss Blackwell.

Mit seinem Tweet über Baltimore wetterte Trump gegen den Abgeordneten Elijah Cummings, der zuvor die Zustände in Abschiebehaft-Anstalten nahe der mexikanischen Grenze kritisiert hatte. Der 68 Jahre alte Cummings ist ein lautstarker Kritiker des Präsidenten. Als Vorsitzender des Kontrollausschusses treibt Cummings zudem mehrere Untersuchungen gegen Trump und dessen Regierung voran. Er repräsentiert Marylands siebten Kongressbezirk im Abgeordnetenhaus – ein Bezirk, in dem mehrheitlich Afroamerikaner leben.

Trump schrieb weiterhin, in Baltimore seien die Zustände „viel schlimmer“ und „gefährlicher“ als an der Grenze. Cummings Bezirk sei der „Schlimmste“ der gesamten USA. Die Stadt sei „abstoßend, ein „von Ratten und Nagern verseuchtes Durcheinander“.

CNN-Moderator Blackwell wies während der Sendung auf Parallelen in der Wortwahl Trumps zu vergangenen Tweets hin. „‚Verseucht’, sagt er“, zitiert Blackwell den Präsidenten. Dieses Wort werde normalerweise im Zusammenhang mit Ratten und Nagern verwendet. Trump habe es jedoch bereits häufig benutzt, um Abgeordnete zu kritisieren. Und Blackwell fährt fort: „Er [Trump] hat tausende Menschen beleidigt, viele unterschiedliche Menschen. Aber wenn er das Wort „verseucht“ benutzt, geht es immer um Schwarze oder andere Menschen mit Migrationshintergrund.“

Auch die ranghöchste Demokratin Nancy Pelosi sprach von einer rassistischen Attacke. Die Zeitung „Baltimore Sun“ veröffentlichte indes einen Leitartikel, der mit den Worten überschrieben war: „Besser ein paar Ratten in der Nachbarschaft, als eine zu sein“.

Trump wies die Rassismusvorwürfe am Sonntag von sich. „Es ist nichts rassistisch daran, auszusprechen, was die meisten Menschen ohnehin wissen: Dass Elijah Cummings einen furchtbaren Job für die Menschen in seinem Bezirk und Baltimore gemacht hat“, schrieb er auf Twitter.

Erst vor wenigen Wochen hatten Trumps Äußerungen auf Twitter für Kontroversen gesorgt: So hatte er vier Demokratinnen aufgefordert, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzukehren. „Warum gehen sie nicht zurück und helfen dabei, die total kaputten und kriminellen Orte in Ordnung zu bringen, von denen sie gekommen sind.“ Trump nannte zwar keine Namen, es wurde jedoch deutlich, welche Gruppe von Demokratinnen er meinte. Die Demokraten verurteilten die Äußerungen des Präsidenten als rassistisch.

Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib, Ayanna Pressley und Ilhan Omar, die aus Einwandererfamilien kommen, aber alle – bis auf Omar – in den USA geboren wurden, gaben daraufhin eine gemeinsame Pressekonferenz, um sich gegen die herablassenden Äußerungen zu wehren. Ilhan Omar, die seit Januar Teil des Repräsentantenhauses ist, sagte, das sei eine eklatant rassistische Attacke“ gegen die vier Abgeordneten. „Das ist die Agenda weißer Nationalisten.“

Im Repräsentantenhaus veranlassten die Demokraten daraufhin die Abstimmung über eine Resolution, die die „rassistischen Kommentare“ des US-Präsidenten verurteilen sollte. Die Demokraten stimmten geschlossen dafür – vier Republikaner und ein unabhängiger Abgeordneter ebenfalls. Er trage keinen Funken Rassismus in sich, schrieb Trump daraufhin auf Twitter. Als seine Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina „Schickt sie zurück“ skandierten, verteidigte er die Menge als „unglaubliche Patrioten“.

(mit Agenturmaterial der dpa)

(anst)