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Trudeau könnte bei Parlamentswahlen in Kanada Macht verlieren

Parlamentswahlen in Kanada : Trudeau könnte in Kanada Macht verlieren

Der kanadische Premierminister wird dafür kritisiert, vorgezogene Wahlen angesetzt zu haben. Der frühere US-Präsident Barack Obama und die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton halten es offenbar für möglich, dass Trudeau eine Wahlschlappe droht.

Die Kanadier entscheiden am Montag über eine Fortsetzung der Regierung von Premierminister Justin Trudeau oder dessen Ablösung durch eine konservative Regierung. Umfragen zufolge liegt die Liberale Partei von Trudeau mit der Konservativen Partei von Erin O'Toole nahezu gleichauf. Die Liberale Partei dürfte demnach die meisten Sitze bei den Parlamentswahlen bekommen, aber keine Mehrheit.

Trudeau ist darauf aus, von den kanadischen Wählern für die im Vergleich zu anderen Ländern gute Bewältigung der Coronavirus-Pandemie belohnt zu werden. Kanada zählt zu den Ländern mit den meisten gegen das Coronavirus geimpften Einwohnern.

Trudeau führte ein stabile Minderheitsregierung an. Er wollte bei den Parlamentswahlen eine Mehrheit gewinnen. Die Opposition hat dem 49-Jährigen vorgeworfen, die vorgezogenen Wahlen zu seinen eigenen Gunsten angesetzt zu haben.

Das Urteilsvermögen von Trudeau sei unglaublich schlecht gewesen, sagte ein Professor für kanadische Geschichte an der University of Toronto, Robert Bothwell.

Der Premierminister könnte die Macht an O'Toole verlieren, der nicht seinen Prominentenstatus hat. Der 47-jährige O'Toole ist Militärveteran, ein früherer Anwalt und seit neun Jahren Mitglied des kanadischen Parlaments.

Trudeau sagt, dass der Ansatz der Konservativen an die Coronavirus-Pandemie gefährlich wäre. Die Partei hat sich skeptischer zu Lockdowns und Impfvorschriften gezeigt. O'Toole hält eine Impfung für eine persönliche Entscheidung bezüglich der Gesundheit. Trudeau ist dafür, eine Impfung für Reisen mit dem Flugzeug oder Zug für Kanadier verpflichtend zu machen. Die Konservativen lehnen das ab.

„Er ist mehr daran interessiert, für die Rechte von Impfgegnern innerhalb seiner eigenen Partei einzutreten, als daran, für Menschen einzutreten, die die richtigen Dinge getan haben und zurück zur Normalität wollen“, sagte Trudeau am Freitag über O'Toole.

Bei den Parlamentswahlen könnte ein rechtsextremer Politiker womöglich Einfluss vor Augen führen. Maxime Bernier war einst bei der Konservativen Partei. Er ist inzwischen Vorsitzender der People's Party of Canada, die gegen Impfstoffe und Lockdowns ist. Umfragen zufolge könnte die Partei auf fünf bis zehn Prozent bei den Parlamentswahlen kommen. Das könnte verhindern, dass die Konservative Partei genug Unterstützung bekommt. Die Liberale Partei könnte dann an der Macht bleiben.

Der frühere US-Präsident Barack Obama und die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton äußerten bei Twitter ihre Unterstützung für Trudeau.

(lils/dpa)