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Israel: Tote bei Selbstmordanschlag in Tel Aviv

Israel : Tote bei Selbstmordanschlag in Tel Aviv

Tel Aviv (rpo). Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat sich am Montag in einem Geschäftsviertel von Tel Aviv vor einem Schnellrestaurant in die Luft gesprengt. Dabei riss er mindestens acht Israelis mit in den Tod, etwa 50 Menschen wurden verletzt.

Die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad bekannte sich zu dem Anschlag. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, die USA und die Bundesregierung verurteilten die Tat. Die regierende Hamas wies Israel die Verantwortung für den Anschlag zu. Das Attentat überschattete die Eröffnungssitzung des neuen israelischen Parlamentes. Ministerpräsident Ehud Olmert kündigte Vergeltung an.

Der Attentäter sprengte sich während des jüdischen Osterfests an einer Imbissbude des früheren Busbahnhofs von Tel Aviv in die Luft, wie das israelische Fernsehen unter Berufung auf Rettungskräfte berichtete. Er riss neun Menschen mit in den Tod. Die meisten Kunden des Stands waren Gastarbeiter. Nach Angaben von Polizei und Rettungsdiensten wurden 30 Menschen verletzt, mehrere von ihnen schwer. Der jüngste Anschlag ist der blutigste seit dem 31. August 2004, als sich zwei Selbstmordattentäter in zwei Bussen in der südisraelischen Stadt Beerscheba in die Luft sprengten und 16 Menschen töteten.

16-jähriger Attentäter

Ein vom Islamischen Dschihad veröffentlichtes Video zeigte den jugendlichen Attentäter, wie er mit Koran und Gewehr in der Hand sein Testament vorlas. Der 16-Jährige stammte aus einem Dorf nahe Dschenin im Norden des Westjordanlandes. Er gehörte nach eigenen Angaben der Zelle Luaj el Saadi an, benannt nach einem vor einigen Monaten von der israelischen Armee getöteten Führer der radikalislamischen Gruppe.

Der Anschlag sei am Tag der Gefangenen verübt worden, teilte der Islamische Dschihad in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AFP mit. Er sei eine Reaktion auf die "israelischen Massaker." Am Tag der Gefangenen bekunden die Palästinenser mit Kundgebungen ihre Solidarität mit den mehr als 9000 in Israel inhaftierten Palästinensern. Der Islamische Dschihad hatte auch die sieben letzten Selbstmordanschläge gegen israelische Ziele begangen.

Palästinenserpräsident Abbas erklärte, der Anschlag verstoße gegen den "nationalen Konsens" der Palästinenser, der Gewalt gegen Israel abzuschwören, und schade den Interessen des Volkes. Abbas appellierte erneut an die internationale Gemeinschaft, eine weitere Zuspitzung der Lage im Nahen Osten zu verhindern.

Hamas weist Israel Verantwortung zu

Die radikalislamische Hamas, die die neue Palästinenserregierung stellt, wies Israel die Verantwortung für das Attentat zu. "Diese Operation ist die natürliche Konsequenz der Aggressionen Israels", sagte ein Hamas-Sprecher der AFP. Mit der Besetzung der Palästinensergebiete, "den Verbrechen gegenüber Kindern und Frauen, den Ermordungen, den Festnahmen" trage Israel die Verantwortung für die gegenwärtige Situation.

Die israelische Regierung kündigte an, mit allen geeigneten Mitteln zurückzuschlagen. "Wir können nicht die ganze Zeit solche Anschläge verhindern", räumte Regierungschef Olmert zugleich ein.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die neue palästinensische Regierung auf, derartigen Anschlägen klar und energisch entgegenzutreten. "Das Kalkül der Terroristen darf nicht aufgehen", erklärte Steinmeier. Die US-Regierung verurteilte den Anschlag aufs Allerschärfste, wie Regierungssprecher Scott McClellan sagte. Es gebe keine Rechtfertigung für diesen "niederträchtigen Terrorakt." In diesem Sinne äußerten sich auch die Außenministerien Russlands und Frankreichs.

Überschattet von dem Anschlag trat das israelische Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Als dienstältester Parlamentarier leistete der frühere Regierungschef Schimon Peres als erster seinen Eid vor Präsident Mosche Katzav. Das neue Parlament war am 28. März in vorgezogenen Wahlen gewählt worden. Stärkste Kraft ist Kadima-Partei, deren Spitzenkandidat, Regierungschef Olmert, auch mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt ist.

Finanzhilfen für Palästinenser angekündigt

Der Anschlag in Tel Aviv dürfte die palästinensische Autonomiebehörde international noch weiter isolieren. Schon jetzt ist sie zahlungsunfähig, weil Europäische Union und USA nach der Regierungsübernahme der Hamas ihre Finanzhilfen eingestellt haben. Ein Sprecher von Präsident Abbas' Fatah-Bewegung warf der Hamas noch am Sonntag vor, für die Probleme der Palästinenser verantwortlich zu sein. "Hamas muss ihre Standpunkte so schnell wie möglich überdenken", sagte Ahmad Abderahman. So müssten die Friedensabkommen akzeptiert werden, die im Laufe des vergangenen Jahrzehnts mit Israel geschlossen wurden.

Der Iran kündigte am Sonntag eine Finanzhilfe in Höhe von 50 Millionen Dollar für die Palästinenser an. Auch Russland will die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Autonomiebehörde unterstützen. Über die Höhe der Summe wurden keine Angaben gemacht. Am Montag stellte auch Katar die Zahlung von 50 Millionen Dollar in Aussicht.

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(ap)