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Schüsse und Feuer in Kabul: Tote bei Protesten gegen Koranverbrennung

Schüsse und Feuer in Kabul : Tote bei Protesten gegen Koranverbrennung

Bei neuen Protesten gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan sind am Mittwoch mindestens acht Demonstranten getötet worden.

Dutzende weitere wurden bei den Ausschreitungen in verschiedenen Landesteilen verletzt, wie die Behörden mitteilten. Präsident Hamid Karsai forderte die US-Armee auf, die Übergabe des Gefängnisses von Bagram an die Afghanen zu beschleunigen.

Im Bezirk Schinwar in der Provinz Parwan nördlich von Kabul starben sechs Menschen, wie eine Sprecherin der Provinzbehörden der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bei Zusammenstößen mit der Polizei seien 13 weitere Menschen verletzt worden. Die Demonstranten hätten die Beamten mit Steinen beworfen. Jeweils einen weiteren Toten gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der Hauptstadt Kabul und in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad.

Unruhen in den Städten

In Kabul setzten wütende Demonstranten nach Angaben der Polizei Fahrzeuge in Brand und griffen Geschäfte an, hunderte Afghanen lieferten sich Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Dabei wurde auch auf die Demonstranten geschossen. Vor dem US-Stützpunkt Camp Phoenix in Kabul warfen Demonstranten mit Steinen, die Soldaten schossen daraufhin in die Luft, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Von brennenden Autoreifen stieg schwarzer Rauch auf.

"Tod Amerika", riefen die Demonstranten in verschiedenen Teilen des Landes. In Dschalalabad setzten Studenten ein Bild von US-Präsident Barack Obama in Brand. Die US-Botschaft in Kabul riegelte das Botschaftsgebäude nach eigenen Angaben ab und untersagte den Mitarbeitern das Verlassen des Gebäudes. Im Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr im Norden Afghanistans gab es nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums in Berlin zunächst keine Zwischenfälle.

Bereits am Dienstag hatten tausende Afghanen den Stützpunkt Bagram attackiert, nachdem bekannt geworden war, dass US-Soldaten dort Ausgaben des Koran verbrannt hatten. In einer Stellungnahme entschuldigte sich der Oberkommandeur der Nato-geführten Afghanistantruppe ISAF, General John Allen, für den Vorfall und ordnete eine umfassende Untersuchung an. US-Verteidigungsminister Leon Panetta bedauerte die "unangemessene Behandlung" von Ausgaben des Korans.

ISAF-Sprecher Jimmie Cummings sagte der Nachrichtenagentur AFP, er könne nicht bestätigen, dass die Koran-Ausgaben von US-Soldaten verbrannt wurden. Die Untersuchungen dauerten noch an. Zwei US-Beamte, die anonym bleiben wollten, sagten, die US-Armee habe die Bücher aus dem Gefängnis von Bagram entfernt, da die Häftlinge verdächtigt würden, sich mit Hilfe der Bücher heimlich Nachrichten zukommen zu lassen.

Bei einem Treffen mit dem stellvertretenden US-Verteidigungsminister Ashton Carter forderte Karsai die USA am Mittwoch auf, die Übergabe des umstrittenen Gefängnisses, das oft als das afghanische Guantanamo bezeichnet wird, an die Afghanen zu beschleunigen. "Je schneller die Übergabe des Gefängnisses erfolgt, desto weniger Probleme und bedauernswerte Vorfälle wird es geben", sagte Karsai nach Angaben seines Büros. General Allen forderte er auf, bei der vollständigen Aufklärung des Vorfalls mitzuwirken und dafür zu sorgen, dass sich derartige Zwischenfälle nicht wiederholten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Februar 2012: Afghanen protestieren vor US-Stützpunkt gegen Koranverbrennung

(AFP)