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Skandalpolitiker Rob Ford: Torontos bizarrer Bürgermeister

Skandalpolitiker Rob Ford : Torontos bizarrer Bürgermeister

Rauschgift, Alkohol, sexuelle Belästigung: Die Liste von Fords Fehltritten ist lang. Aber die Kanadier werden ihn nicht los.

Es kommt nur selten vor, dass sich die großen amerikanischen Fernsehsender für ihren nördlichen Nachbarn Kanada interessieren. Derzeit allerdings überschlagen sich die US-Talkshows mit Berichten aus dem Norden, genauer gesagt aus Toronto. Dort regiert seit fast vier Jahren mit Rob Ford einer der skandalträchtigsten Bürgermeister des Kontinents — und der ist ein gefundenes Fressen für die Komödianten in den populären US-Abendshows.

"In Kanada sind wohl die Bullen los", stichelte Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel unter Anspielung auf Fords bulliges Auftreten und die Tatsache, dass der schwergewichtige Bürgermeister bei einer Ratssitzung am Montag eine Kollegin schlicht über den Haufen rannte. Comedy-Star Jay Leno nannte Ford "ein Geschenk Gottes für Komödianten", und Ex-US-Präsident George W. Bush riet Ford in der Show, einen Hausarzt aufzusuchen.

Premier von Kanada?

Viele Kanadier allerdings können über Ford nicht mehr lachen — und doch werden sie ihn nicht los. Am Montag entzog ihm der Stadtrat von Toronto wegen seiner ständigen Alkohol- und Rauschgiftexzesse und seiner unappetitlichen Entgleisungen zwar einen Großteil seiner Kompetenzen und übertrug diese dem Vize-Stadtchef. Formal aber ist Ford weiter im Amt. Mehr noch: Der 44-Jährige kündigte seine erneute Kandidatur bei den Bürgermeisterwahlen im kommenden Jahr an und sprach sogar davon, einmal Premier Kanadas werden zu wollen.

Darüber aber schütteln mittlerweile sogar einstige Weggefährten den Kopf. Regierungschef Stephen Harper etwa, früher Gast auf Fords alljährlichen Gartenpartys, sprach von einer bedenklichen Entwicklung. Arbeitsminister Jason Kenney forderte jetzt als erstes Mitglied der Regierung offen Fords Rücktritt.

Grenzen? Fast nicht zu erkennen

Tatsächlich kennt die Liste der Peinlichkeiten, Lügen und Entgleisungen Fords kaum noch Grenzen. Im Frühjahr sorgte erst ein Drogen-Video für Schlagzeilen, auf dem Ford rauchend mit einer Crack-Pfeife zu sehen sein soll. Monatelang hatte der Bürgermeister die Drogenvorwürfe kategorisch zurückgewiesen und gestand diese erst ein, als die Polizei die lange verschollen geglaubten Aufnahmen auf der Festplatte eines Kriminellen fand.

Nach langem Zögern gab Ford schließlich zu, an dem fraglichen Abend betrunken gewesen zu sein — was kein Einzelfall war. Ford soll auch betrunken Auto gefahren sein und Partys mit Alkohol und Kokain im Rathaus gefeiert haben. Zudem hat er angeblich eine Kommunalpolitikerin begrapscht und eine Mitarbeiterin sexuell belästigt. Diese Vorwürfe hat er mit dem Satz zurückgewiesen, er habe das nicht nötig, denn er habe zu Hause mit seiner Frau genug Oralsex. Immer wieder hatte er sich außerdem verächtlich über Minderheiten geäußert, den kanadischen Oppositionspolitiker Justin Trudeau etwa nannte er eine "Schwuchtel".

Damit hat Ford die Grenzen des Anstands längst überschritten, auch wenn ihm bislang kein kriminelles Vergehen nachgewiesen werden kann, was die Voraussetzung für eine Amtsenthebung wäre. In einer tumultartigen Sitzung stellten sich in dieser Woche beinahe alle Stadträte gegen ihn — ein beispielloser Vorgang in Kanada. Mit schweren verbalen Geschützen versuchte sich Ford zu wehren. Er sprach von einem Staatsstreich und zog sogar Parallelen zum ersten Golfkrieg: "Ihr habt gerade Kuwait angegriffen", sagte er und erklärte einen "offenen Krieg" bei der nächsten Wahl. Dann rannte er wie aufgestachelt die Stadträtin nieder. Das Video davon kursiert mittlerweile im Internet und ist für die meisten Kanadier ein weiterer unerträglicher Beleg von Fords Peinlichkeit.

Doch der Bürgermeister pflegt sein Image als Ekel. Er tingelt mit seinen verbalen Ausrutschern durch alle Fernsehsender. Er zeigt sich mit johlenden und betrunkenen Anhängern im Sportstadion. Sogar an einer eigenen Fernsehshow hat er sich versucht. Die wurde allerdings am Mittwoch zu später Stunde wieder abgesetzt.

(RP)