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Tom Steyer: Der Milliardär, der gegen den Klimawandel kämpft

Tom Steyer will US-Präsident werden : Der Milliardär, der gegen den Klimawandel kämpft

Tom Steyer, einst Hedgefonds-Manager, ist seit Jahren ein Großspender der US-Demokraten. Nun geht er selbst an den Start des Rennens um die Präsidentschaft und will Donald Trump ablösen.

Sollte Tom Steyer das Rennen machen, wäre er auf den ersten, flüchtigen Blick eine Art Donald Trump in den Farben der Demokraten. Ein Milliardär, der Ansprüche aufs Oval Office anmeldet. Ein Seiteneinsteiger aus der Geschäftswelt, der sich gegen die etablierten Politiker des Kandidatenpulks durchgesetzt hätte, falls er denn tatsächlich bis ins Finale gegen Trump zieht.

Das Drehbuch beflügelt die Fantasie. Ob es allerdings ein auch nur halbwegs realistisches ist, wird man im Laufe der nächsten Monate sehen, wenn der einstige Hedgefonds-Manager bei einer Serie anstehender Fernsehdebatten zeigen muss, ob er der gnadenlosen Härte des politischen Wettbewerbs gewachsen ist. Im Januar hatte Steyer seine Chancen noch als so bescheiden eingeschätzt, dass er auf eine Bewerbung verzichtete. Nach einem Testlauf in Iowa, wo nach alter Tradition die Vorwahlen beginnen, erklärte er, sich wie schon zuvor auf die Rolle des Förderers im Hintergrund beschränken zu wollen. Nun folgt ein Rückzieher vom Rückzieher: Am Dienstag warf der 62-Jährige seinen Hut in den Ring. Er wolle sich, sagte er zur Begründung, gegen eine Entwicklung stemmen, bei der eine „feindliche Übernahme unserer Demokratie“ drohe – durch Konzerne, die das System manipulierten und durchsetzen könnten, was immer sie wollten.

Damit reiht er sich ein in ein Feld, das mit 24 Aspiranten schon jetzt alle Rekorde bricht. Der erste, der kalifornische Kongressabgeordnete Eric Swalwell, hat wegen offensichtlicher Chancenlosigkeit bereits das Handtuch geworfen. Mit Elizabeth Warren, Kamala Harris, Bernie Sanders und Pete Buttigieg hat sich ein Quartett herauskristallisiert, das es wohl am ehesten mit Joe Biden aufnehmen kann, dem scheinbar klaren Favoriten, der auf der Debattenbühne zuletzt allerdings eklatante Schwächen erkennen ließ.

Dass nun auch noch Steyer Anlauf nimmt, kommt überraschend. Offenbar wittert er seine Chance, da zum einen Biden Federn lässt und zum anderen keine charismatische Ausnahmefigur vom Format eines Barack Obama dem Duell ihren Stempel aufdrückt. Zudem ist das Thema Klimawandel auch im amerikanischen Diskurs immer mehr in den Mittelpunkt gerückt, und auch das hofft sich der Aktivist mit Milliardenvermögen zunutze machen zu können. Dem Kampf gegen die Erderwärmung hat er sich schon verschrieben, als er zum ersten Mal die Rolle des Mäzens spielte. 2004 war das: John Kerry forderte den Amtsinhaber George W. Bush heraus, während Steyer den Senator nach Kräften unterstützte.

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Der gebürtige New Yorker, dessen Vater als Kläger an den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen teilnahm, war Banker bei Morgan Stanley und Goldman Sachs, ehe er sein eigenes Investmenthaus, Farallon Capital Management, gründete. Das Magazin „Forbes“ schätzt sein Vermögen auf 1,6 Milliarden Dollar. Eine Zeit lang investierte sein Fonds übrigens auch kräftig in fossile Brennstoffe, woran ihn seine innerparteilichen Widersacher bestimmt noch erinnern werden.

Wenn man so will, übernimmt Steyer den Part, den eigentlich Howard Schultz auszufüllen gedachte, der Unternehmer, der aus einem Kaffeehaus in Seattle eine Weltmarke machte. Schultz war drauf und dran, seine Kandidatur zu verkünden, bevor er nach einer Rückenoperation entschied, seine Kräfte zu schonen. Auch Michael Bloomberg, der frühere New Yorker Bürgermeister, reich geworden durch einen Finanzdienstleistungskonzern, wurde eine Zeit lang gehandelt, ohne dass den Spekulationen etwas Konkretes gefolgt wäre.

Was Steyer von Schultz wie Bloomberg unterscheidet, ist die Tatsache, dass er sich vom Start weg auf die Strukturen breit vernetzter Graswurzelbewegungen stützen kann. Einst trommelte er zum Widerstand gegen die Pipeline Keystone XL, durch die Öl von den kanadischen Teersandfeldern zu den Raffinerien am Golf von Mexiko gepumpt werden sollte. Um den Protest in geordnete Bahnen zu lenken, gründete er „Next Generation Climate“, eine Organisation, deren Namen er später in „Next Generation America“ änderte. Und nachdem Trump die Wahl gewonnen hatte, rief er „Need to Impeach“ ins Leben, eine Initiative, die sich die Amtsenthebung des Präsidenten auf die Fahnen schrieb. Rund acht Millionen E-Mail-Adressen von Sympathisanten hat die Gruppe bis heute verzeichnet – ein Fundament, auf dem Tom Steyer aufzubauen hofft.