1. Politik
  2. Ausland

TikTok-App: Donald Trump will chinesische Videoplattform verbieten

„Verbannen wir aus den Vereinigten Staaten“ : Trump will chinesische Videoplattform TikTok verbieten

Schlag gegen die aufstrebende chinesische Videoplattform TikTok: US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die besonders bei jungen Menschen beliebte Smartphone-App in den USA zu verbieten.

US-Präsident Donald Trump will die internationale Videoplattform TikTok in seinem Land verbieten. „Was TikTok betrifft, so verbannen wir sie aus den USA“, sagte Trump mitreisenden Journalisten zufolge am Freitagabend (Ortszeit) in seinem Dienstflugzeug Air Force One. „Nun, ich habe diese Macht. Ich kann es mit einer Präsidentenverfügung“ oder mit einer wirtschaftlichen Notstandsermächtigung machen“, sagte er.

TikTok ist eine international sehr erfolgreiche Videoplattform des chinesischen Unternehmens ByteDance, die in 65 Sprachen auf 175 Märkten angeboten wird. Gezeigt werden vor allem kurze Spaß-Filmchen. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Bereits mehrfach hatten Vertreter der US-Regierung gewarnt, über Tiktok könnten Daten von US-Bürgern in die Hände der chinesischen Kommunistischen Partei geraten.

TikTok versichert, es gehe der Plattform um kreative Inhalte, bei der „Privatsphäre und Sicherheit“ geschützt würden. „TikTok wird nicht in China angeboten“, erklärte eine TikTok-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Die chinesische Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Nutzerdaten würden in den USA gespeichert und verarbeitet.

Wegen des Argwohns im Ausland bemüht sich ByteDance, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. In China betreibt ByteDance die zensierte Version Douyin. Nur in Hongkong war TikTok selbst aktiv, doch wurde die Plattform nach der Verkündung des umstrittenen neuen Sicherheitsgesetzes aus der Sonderverwaltungszone zurückgezogen.

Bereits Ende 2019 hatte Washington US-Militärangehörigen untersagt, die TikTok-App auf Dienst-Smartphones zu nutzen. Doch nicht nur in den USA spürt TikTok Gegenwind. In Indien, das sich mit China jüngst Grenzscharmützel lieferte, wurde die Plattform schon verboten. Das Nachbarland Pakistan sperrte die Videoplattform Bigo und warnte TikTok vor dem Angebot unmoralischer oder vulgärer Inhalte.

In den USA hat TikTok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer. Das Unternehmen habe dort 1000 Mitarbeiter und plane, weitere 10 000 Stellen zu schaffen. Die größten TikTok-Investoren kämen aus den USA, erklärt das Unternehmen. Am Freitag berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, der US-Softwarekonzern Microsoft verhandele über den Kauf des US-Geschäfts von TikTok. Trump machte allerdings den mit ihm reisenden Journalisten zufolge deutlich, dass er dagegen sei.

In den USA wurde Tiktok zuletzt durch das Committee on Foreign Investment (CFIUS) überprüft, das Geschäfte untersucht, die die nationale Sicherheit der USA betreffen. Tiktok wies bislang alle Vorwürfe über die Weitergabe von Nutzerdaten zurück. Am Freitag erklärte die in China ansässige Betreiberfirma Bytedance: "Wir sind überzeugt vom langfristigen Erfolg von Tiktok."

Tiktok-Chef Kevin Mayer hat seinerseits Transparenz versprochen und auch die Überprüfung der Algorithmen angeboten. "Wir sind nicht politisch, wir akzeptieren keine politische Werbung, wir verfolgen keine Agenda - unser einziges Ziel ist es, eine lebendige und dynamische Plattform, auf der jeder Spaß haben kann, zu bleiben", schrieb Mayer am Mittwoch im Internet. Tiktok sei offenbar "das neueste Angriffsziel" geworden. "Aber wir sind nicht der Feind."

Trump soll sich als Opfer von Tiktok-Nutzern fühlen, die laut Medienberichten seine groß angekündigte Wahlkampfveranstaltung in Tulsa boykottiert haben. Zu Tausenden sollen vor allem Jugendliche sich für die Veranstaltung registriert haben und dann bewusst nicht hingegangen sein - um für leere Ränge zu sorgen. Entsprechende Aufrufe waren auch auf Tiktok geteilt worden. Trumps Wahlkampfteam hatte angegeben, eine Million Ticketanfragen erhalten zu haben; am Ende hörten im weiten Rund gerade einmal 6200 Menschen dem Präsidenten zu.

Die chinesische Regierung kritisiert das Vorgehen Washingtons. „Die USA stellen eine Schuldvermutung auf und drohen chinesischen Unternehmen ohne Grund“, hatte Außenamtssprecher Wang Wenbin am Donnerstag in Peking erklärt. Die USA sollten allen Marktteilnehmern ein „offenes, gerechtes und nicht diskriminierendes Umfeld“ bieten.

(mja/AFP)