Südostasien: Thailand sucht Frieden mit muslimischen Rebellen

Südostasien : Thailand sucht Frieden mit muslimischen Rebellen

Von der Welt weitgehend vergessen tobt im Süden Thailands seit Jahren ein Separatistenkrieg. 5300 Menschen kamen in neun Jahren um. Jetzt redet die thailändische Regierung erstmals formell mit den Rebellen.

Tod und Terror sind in Thailands Süden an der Tagesordnung. Bomben vor Schulen, Anschläge auf Restaurants, Explosionen auf Parkplätzen - in den vergangenen neun Jahren sind in den drei überwiegend muslimischen Provinzen mehr als 5300 Menschen ums Leben gekommen. Separatisten kämpfen dort für mehr Autonomie.
Bangkok hat vergeblich mit Militärgewalt versucht, die Rebellen unterzukriegen.

An diesem Donnerstag rückt die Regierung des überwiegend buddhistisch geprägten Landes erstmals öffentlich mit den Separatisten an den Verhandlungstisch. Die Skepsis ist groß. "Die Regierung redet mit Leuten, die wir nicht einmal kennen", sagt ein Kämpfer, der für die Separatistenbewegung Runda Kumpalan Kecil (RKK) im Einsatz ist. Die Regierung einigte sich mit Hassan Taib auf die Gespräche, einen Vertreter der Separatistengruppe Barisan Revolsi Nasional-Coordinate (BRN-C). Taib ist umstritten. "Viele Leute fragen sich, ob er überhaupt Einfluss hat oder nur ein Opportunist ist, der sich wichtig tut"; sagt Matthew Wheeler von der Konfliktforschungsorganisation International Crisis Group (ICG).

Bangkok hat versucht, den spirituellen Führer der Muslime, Sapae-ing Basor, ins Boot zu holen. Der Mann gehört auch der BRN-C an und wird steckbrieflich gesucht. "Seine Leute verlangen eine Garantie, dass er nicht verhaftet wird, bevor er zustimmt", sagt Don Pathan von der Organisation Pattani Forum, die sich für die Rechte der Muslime in den Provinzen Narathiwat, Pattani und Yala einsetzt. Die Separatisten verlangen eine autonome Zone als Voraussetzung für weitere Verhandlungen. Ob Bangkok sich darauf einlässt, ist fraglich. Die Gespräche finden in Malaysia statt. Das muslimische Land hat schon bei dem Friedensabkommen auf den Philippinen zwischen der Regierung und muslimischen Rebellen vermittelt.

Auf Thailands Regierungsseite ist der gestürzte Ex-Premier Thaksin Shinawatra die treibende Kraft. Er initiierte den Kontakt mit Taib. Thaksin flüchtete vor einer Verurteilung wegen Korruption zwar ins Ausland. Er hält die Regierungszügel aber in der Hand, wie einstige Weggefährten freimütig berichten. Formell sitzt seine politisch unerfahrene Schwester Yingluck Shinawatra als Premierministerin auf dem Chefsessel.

Thaksin wird von vielen für die Gewaltwelle im Süden Thailands verantwortlich gemacht. 2004 hatte er nach einem Rebellenüberfall auf ein Waffendepot der Armee in Teilen der Provinzen Kriegsrecht verhängt und hartes Durchgreifen angeordnet. Bei einer Razzia gegen muslimische Demonstranten kamen 2004 in Tak Bai 85 Menschen ums Leben. 78 erstickten, als sie in Lastwagen gepfercht in ein Gefangenenlager gebracht wurden. Thaksin setzte zwei Jahre später eine Versöhnungskommission ein, doch wurden ihre Ideen, etwa die lokale Sprache offiziell anzuerkennen, nie umgesetzt. Thaksin wurde Monate später gestürzt.

Er wolle mit seiner Friedensmission Punkte sammeln, um seine Rückkehr nach Thailand zu ebnen, wird gemunkelt. Das mache die Friedensgespräche nicht weniger wertvoll, sagt Wheeler von der Crisis Group: "Von Politikern kann man nicht erwarten, dass sie etwas tun, ohne die politischen Lorbeeren dafür im Auge zu haben."

(dpa)
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