Terroranschlag in London: Polizei sieht keine Beweise für Verbindung zu IS

Attentäter von London : Polizei sieht keine Hinweise auf eine Verbindung zum IS

Der IS reklamiert den Londoner Terroranschlag für sich. Doch nun meldet die britische Polizei: Der Angreifer Khalid Masood hatte keine direkten Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat oder der Al-Kaida. Er soll aber ein "Interesse am Dschihad" gehabt haben.

Es gebe keinerlei Hinweise, dass Masood seine Tat mit anderen abgesprochen habe, sagte der stellvertretende Leiter der britischen Anti-Terror-Behörde, Neil Basu, am Montag. Allerdings habe der Attentäter offensichtlich ein "Interesse am Dschihad" und den Taten von Extremisten gehabt.

Der 52-Jährige Masood war vergangene Woche mit einem Wagen gezielt in Passanten auf der Westminster-Brücke in London gefahren. Er tötete drei Menschen, anschließend erstach er einen Polizisten vor dem Parlament. Der Attentäter wurde von Sicherheitskräften erschossen. 50 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Der Islamische Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Basu sagte, der Angreifer habe offenbar nur andere kopiert. Seine Methoden seien wenig ausgereift gewesen und hätten in der Vorbereitung weder technisches Wissen noch viel Geld erfordert.

Gegen Masood soll bereits 2010 ermittelt worden sein. Laut einem Medienbericht standen die Untersuchungen damals im Zusammenhang mit einem geplanten Anschlag auf einen Armeestandort in Luton nördlich von London.

Unterdessen wurden weitere Details über die Vergangenheit des Attentäters bekannt. So soll ihn seine zweite Frau nur drei Monate nach ihrer Hochzeit 2004 verlassen haben. Er habe Gewalt gegen sie angewendet und sie kontrollieren wollen, sagte ein Verwandter britischen Medien.

Zwei weitere Verdächtige im Zusammenhang mit dem Anschlag waren am Montag noch in Haft. Ein 30-Jähriger wurde am Sonntag in Birmingham festgenommen, ein 58-Jähriger war bereits am Donnerstag bei Razzien in Englands zweitgrößter Stadt gefasst worden. Neun weitere Menschen, die nach dem Anschlag zeitweise festgehalten worden waren, sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Eine in Manchester gefasste Frau ist auf Kaution bis Ende März wieder frei.

Die Mutter des Angreifers erklärte, sie sei schockiert und traurig über die Taten ihres Sohnes. "Seit ich herausgefunden habe, dass mein Sohn dafür verantwortlich war, habe ich viele Tränen für die Menschen vergossen, die in diesen fürchterlichen Zwischenfall geraten sind."

(oko/ap/AFP)