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Terror in Barcelona 2017: IS beansprucht Anschlag für sich

Terror in Barcelona : Zwei Verdächtige festgenommen — IS reklamiert Anschlag für sich

Lieferwagen fährt in Menschenmenge

Bei einem Anschlag mit einem Lieferwagen auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas sind am Donnerstagabend nach offiziellen Angaben 13 Menschen getötet worden. Ein Lieferwagen war mit hohem Tempo in Menschen gerast.

Nach Einschätzung des Innenministeriums könnte die Zahl der Todesopfer des Anschlags in Barcelona weiter steigen. Rund 100 wurden verletzt, einige davon sehr schwer, sagte der Innenminister der katalanischen Regionalregierung, Joaquim Forn.

Zunächst hatte es lange sich widersprechende Angaben über die Zahl der Opfer gegeben. Das ZDF beruft sich auf Sicherheitskreise und meldet, unter den Opfern seien auch drei Deutsche. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür noch nicht. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte der dpa, noch sei unklar, ob Deutsche betroffen seien. Vertreter des Generalkonsulats seien vor Ort.

Die katalanischen Behörden teilten lediglich mit, dass Deutsche ebenso wie Menschen aus insgesamt 18 Nationen zu Schaden gekommen seien. Ob sie starben oder verletzt wurden, blieb offen. Die Opfer stammen dem Zivilschutz zufolge unter anderem aus Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Italien und Griechenland.

Die Polizei erklärte bereits am Nachmittag, dass es sich um einen Terroranschlag handelt. Einige Stunden nach der Tat reklamierte der sogenannte Islamische Staat die Tat über die ihm nahe stehende Nachrichtenagentur Amak für sich. Nach Angaben von Amak waren mehrere Täter an dem Anschlag beteiligt. Sie hätten mit der Operation auf Aufrufe reagiert, die Staaten der "internationalen Koalition" anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle von Amak im Internet verbreitet.

Zwei Verdächtige, die in Verbindung mit dem Angriff in Barcelona stünden, seien festgenommen worden, sagte Polizeichef Josep Lluís Trapero. Einer der beiden Männer sei ein Marokkaner, der andere komme aus der spanischen Exklave Melilla. Letzterer wurde in Alcanar im Süden Kataloniens gefasst. Der Marokkaner namens Driss Oukabir wurde in der Stadt Ripoll nördlich von Barcelona gefasst. Er habe eine Verbindung zu dem Lieferwagen, der bei dem Anschlag genutzt wurde, erklärte die Polizei.

Ein bei einer Polizeikontrolle erschossener Verdächtiger habe nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindungen zu der Tat gehabt. Er hatte nach Medienberichten versucht, eine Polizeikontrolle zu durchbrechen.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung "El Periódico de Catalunya" berichtete.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy beriet sich vor Ort mit hochrangigen Vertretern des Sicherheitsapparats. Er kündigte bei einer Pressekonferenz einen Pakt gegen den Terrorismus an. "Es ist eine globale Bedrohung und die Antwort muss global sein", sagte er laut der Zeitung "La Vanguardia". Die Regierung rief drei Trauertage aus. Am Freitag sollte auch König Felipe zu einer Gedenkminute nach Barcelona kommen.

Auf der belebten Straße im Zentrum der Stadt spielten sich nach dem Anschlag chaotische Szenen ab. Viele Menschen liefen in Panik über die Straße. U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel wurden geschlossen. Auch Geschäfte und Restaurants wurden geräumt. Die Straße war auf einer Länge von rund 300 Metern komplett gesperrt. Der Verkehr im Zentrum der Stadt brach vollständig zusammen.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot auf der berühmten Flaniermeile vor Ort und forderte die Bevölkerung auf, das Viertel zu meiden. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Betroffenheit in aller Welt

Politiker weltweit reagierten geschockt und betroffen: Die Bundesregierung zeigt sich erschüttert. "In tiefer Trauer sind wir bei den Opfern des widerwärtigen Anschlags in Barcelona", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag auf Twitter. Man stehe in Solidarität und Freundschaft an der Seite der Spanier. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekundete der spanischen Regierung ihr Beileid, wie Seibert auf Twitter schrieb.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte: "Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus." EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bekannte, die gesamte EU sei vereint in der Verteidigung des Friedens.

"Bin tief erschüttert über Nachrichten aus Barcelona. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Freunden und Angehörigen", teilte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) über Twitter mit. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach von einem "feigen Anschlag auf unsere Werte".

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Anschlag auf Twitter und versprach Spanien jede Hilfe, die notwendig sei: "Haltet durch & seid stark. Wir lieben euch", schrieb Trump.

Kremlchef Wladimir Putin bekräftigte die Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror. "Der Vorfall bestätigt einmal mehr die Notwendigkeit, dass die gesamte Weltengemeinschaft sich im kompromisslosen Kampf gegen die Kräfte des Terrors vereinigen muss", schrieb der russische Präsident an den spanischen König Felipe VI.

Immer wieder Anschläge mit Fahrzeugen

Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw auf dem Strandboulevard von Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben.

Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurden im Dezember zwölf Menschen getötet. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm.

(csi/das/rtr/dpa/afp)