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Tel Aviv-Jaffa und Waffenruhe: Israel verlängert Angriffspause um vier Stunden

130 Tote seit Waffenruhe geborgen : Israel verlängert Angriffspause um vier Stunden

Israel hat eine zwölfstündige Feuerpause im Konflikt mit der militant-islamischen Hamas im Gazastreifen um vier Stunden verlängert. Die humanitäre Waffenruhe würde demnach um 23.00 Uhr MESZ enden, berichteten israelische Medien am Samstagabend unter Berufung auf Regierungsbeamte.

Eine mehrstündige Feuerpause im Gazastreifen hat am Samstag das ganze Ausmaß der Gewalt zwischen Israel und der palästinensischen Hamas-Bewegung sichtbar werden lassen: Mindestens 130 Tote wurden binnen weniger Stunden von den palästinensischen Rettungsdiensten aus den Trümmern geborgen. Nach einem Appell der in Paris versammelten Außenminister von sieben Ländern verlängerte Israel die Waffenruhe am Abend um vier Stunden bis Mitternacht.

Durch die zwischen Israel und der Hamas vereinbarte humanitäre Feuerpause konnten Rettungskräfte im Gazastreifen erstmals in Gebiete vordringen, die zuvor wegen des heftigen Beschusses durch die israelische Armee tagelang unzugänglich waren. Vielerorts bot sich ein Bild der Zerstörung: Ganze Wohnblocks waren dem Erdboden gleichgemacht, in Beit Hanun im Norden des Küstengebiets wurde auch ein Krankenhaus schwer beschädigt.

Seit Beginn der israelischen Offensive vor knapp drei Wochen kamen nach neuesten Angaben der palästinensischen Rettungskräfte mehr als tausend Palästinenser ums Leben. Der Großteil von ihnen waren Zivilisten, darunter auch viele Kinder. Kurz vor Beginn der Waffenruhe wurden in Chan Junis bei einem Luftangriff noch einmal 22 Palästinenser getötet, darunter 16 Mitglieder einer einzigen Familie. Anwohner sprachen von Verwüstungen wie nach einem "Erdbeben der Stärke zehn". Auf israelischer Seite wurden kurz vor der Waffenruhe am Morgen drei weitere Soldaten bei Gefechten im Gazastreifen getötet.

Die Opferzahl erhöhte sich damit auf 40 Soldaten und drei Zivilisten. Im Westjordanland wurden bei Protesten gegen Israel zwei palästinensische Jugendliche von israelischen Soldaten erschossen. Viele Palästinenser im Gazastreifen nutzten die Feuerpause am Samstag, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen.

Bei einer Konferenz in Paris forderten die Außenminister der USA, Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, Italiens, Katars und der Türkei gemeinsam ein Ende des Blutvergießens. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte die Hoffnung, aus der Feuerpause "einen dauerhaften Waffenstillstand zu machen". Es scheine, dass "dieser dritte Gaza-Krieg mit noch größerer Härte geführt wird als die beiden vorangehenden 2008 und 2012".

Gastgeber Laurent Fabius sagte nach dem Treffen in Paris: "Wir rufen alle Parteien auf, die humanitäre Waffenruhe um zunächst 24 Stunden zu verlängern." Das israelische Sicherheitskabinett unter Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Freitagabend einen Vorschlag von US-Außenminister John Kerry für eine sofortige mehrtägige Feuerpause abgelehnt.

Allerdings stimmte es einer zwölfstündigen humanitären Waffenruhe ab Samstagfrüh zu, die eigentlich um 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) ausgelaufen wäre. Kurz vor Ende der Frist erklärte dann am Abend ein Armeesprecher, die Waffenruhe werde um vier Stunden bis Mitternacht (23.00 Uhr MESZ) verlängert. Geheimdienstminister Juval Steinitz sagte im Fernsehen zur Begründung, Israel wolle mit seinen Angriffen die Hamas treffen, nicht die palästinensische Zivilbevölkerung.

Eine "humanitäre Katastrophe" solle verhindert werden. Laut dem Militärradio sollte am späten Abend das Sicherheitskabinett zu einer erneuten Sitzung zusammenkommen. Die Hamas reagierte zunächst weder auf den Appell der Außenminister noch auf die Verlängerung der Feuerpause durch Israel.

(dpa, deu)