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Afrika-Blog: Teil 9: Wie Aids ein Land im Griff hat

Afrika-Blog : Teil 9: Wie Aids ein Land im Griff hat

Montag, 10. April 2006 Erstaunlich, aber wahr: Weil der Bundespräsident heute Morgen vor allem Termine hatte, an denen die Presse nicht teilnehmen durfte, ging es für uns erst um 11.15 Uhr los. Mit einem ersten Resümee der Begegnung der beiden Präsidenten, Köhler und Festus Mogae. Am Nachmittag besuchte Herr Köhler dann ein Krankenhaus, wo er sich über Aids in Botswana informierte. Denn das Land hat die höchste Aidsrate der Welt.

Montag, 10. April 2006 Erstaunlich, aber wahr: Weil der Bundespräsident heute Morgen vor allem Termine hatte, an denen die Presse nicht teilnehmen durfte, ging es für uns erst um 11.15 Uhr los. Mit einem ersten Resümee der Begegnung der beiden Präsidenten, Köhler und Festus Mogae. Am Nachmittag besuchte Herr Köhler dann ein Krankenhaus, wo er sich über Aids in Botswana informierte. Denn das Land hat die höchste Aidsrate der Welt.

Etwa 36 Prozent der Bevölkerung Botswanas sind mit dem HI-Virus infiziert. 60.000 Aidskranke werden kostenlos mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, die die Immunschwächekrankheit zwar nicht heilen, aber lindern. 30.000 mehr würden die Medikamente brauchen, doch scheitert die Behandlung an fehlendem Geld, Personalmangel und daran, dass viele der Kranken schlecht erreichbar sind. Die hohe Aidsrate schwächt die Wirtschaft, weil Arbeitskräfte sterben. Doch die Regierung unternimmt große Anstrengungen gegen Aids, und Präsident Mogae engagiert sich publikumswirksam. So ließ er sich zum Beispiel vor laufenden Fernsehkameras Blut abzapfen.

Versuche, die Epidemie einzudämmen

Die hohe Aidsrate und ihre Bekämpfung sind einer der Schwerpunkte des Bundespräsidenten-Besuchs in dem 1,7-Millionen-Einwohner-Staat. Daher stand der Besuch in der Klinik auf dem Programm, die das größte Aids-Behandlungslabor beheimatet. Dort stellten Ärzte, Experten und die Gesundheitsministerin dem Bundespräsidenten die Strategien des Landes vor, mit denen sie versuchen, die Epidemie einzudämmen.

Auf die Frage des Bundespräsidenten, was Deutschland tun könnte, um Botswana im Kampf gegen Aids zu unterstützen, hätte die Gesundheitsministerin nach eigenen Worten am liebsten einen ganzen Weihnachts-Wunschzettel abgegeben. Jedoch spielt Geld erst zweitrangig eine Rolle. Wichtiger sind gut ausgebildete Krankenschwestern und Ärzte bzw. die Möglichkeit, Personal auszubilden, sowie Hilfe bei der Logistik.

Beim anschließenden Rundgang durch das Krankenhaus stellte sich dann aber heraus, dass — wie in anderen Ländern — die Aufklärungskampagnen der Regierung nichts daran ändern, dass die Menschen Angst vor Stigmatisierung haben. Im Test-Zentrum beispielsweise, wo erst beraten und dann getestet wird, versteckten viele ihre Gesichter hinter den Händen, als sie die Kameras sahen, die den Bundespräsidenten begleiteten.

Demokratisch mit einer Partei

In der Mittagspause unterhielt sich Herr Köhler mit Künstlern, die gestern im Nationalmuseum nicht anwesend sein konnten, ihn aber gern sprechen wollten. Vielleicht, da er sich ja für Kunst und Kultur interessiert, kommt dabei ja mal eine Ausstellung im Bundespräsidialamt herum. :-) Am Nachmittag führte der Bundespräsident Wirtschaftsgespräche, bei denen wir wieder nicht dabei sein durften. Obwohl gerade die spannend gewesen wären — zu den Beziehungen der Europäischen Union mit der SADC, der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika, der 14 Staaten angehören. Aber keine Chance!

Botswana ist übrigens politisch gesehen wirklich interessant: Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1966 haben neun Wahlen stattgefunden — und nie haben die Botswaner eine andere Partei gewählt als die Botswana Democratic Party. Dennoch gilt das Land als demokratisch. Obwohl mir persönlich, ich schrieb es schon, die Präsenz des Militärs auf den Straßen unangenehm auffällt. Jedoch wurde mir auf meine Frage hin beschieden, dass das mit dem Staatsbesuch zusammenhängt und sonst nicht so ist.

Leider sind wir diesmal im Hotel so isoliert, dass es schwierig ist, Leute von hier kennen zu lernen. Mein einziger "afrikanischer Kontakt" ist derzeit ein Journalist, den ich am ersten Abend in der Nationalgalerie getroffen habe und nun bei den Terminen wiedersehe. Da er morgen mit uns in die Diamantenmine fährt, werde ich ihn da noch mal ordentlich löchern!