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Mit Horst Köhler in Afrika: Teil 8: Mit 21 zum ersten Mal Schuhe

Mit Horst Köhler in Afrika : Teil 8: Mit 21 zum ersten Mal Schuhe

Sonntag, 9. April 2006: Heute steht die nächste und letzte Station der Afrika-Reise des Bundespräsidenten an. Nach letzten Gesprächen mit dem Premierminister und dem Präsidenten wurde Herr Köhler mit militärischen Ehren verabschiedet (was nicht so spektakulär ist wie die Begrüßung, weil alle nur rumstehen). Dann flogen wir weiter nach Botswana. Ich bin noch ein bisschen skeptisch, was ich von dem Land halten soll.

Sonntag, 9. April 2006: Heute steht die nächste und letzte Station der Afrika-Reise des Bundespräsidenten an. Nach letzten Gesprächen mit dem Premierminister und dem Präsidenten wurde Herr Köhler mit militärischen Ehren verabschiedet (was nicht so spektakulär ist wie die Begrüßung, weil alle nur rumstehen). Dann flogen wir weiter nach Botswana. Ich bin noch ein bisschen skeptisch, was ich von dem Land halten soll.

Aber erst mal zurück nach Madagaskar, wo der Bundespräsident vor der Abreise noch ein Projekt besuchte, das zwei der Schwerpunkte seiner Reise, Ausbildung und Umweltschutz, vereint: das Berufsausbildungszentrum Soltec ("Solaire et Technique"). Dort bekommen junge Leute aus besonders armen Verhältnissen eine Ausbildung und damit eine Perspektive für die Zukunft. Sie stellen Geräte erneuerbarer Energie her, zum Beispiel Solarkocher oder -öfen, als Alternative zum Kochen mit Brennholz oder Holzkohle. So tragen sie also auch zum Naturschutz bei, denn mehr als vier Fünftel der Wälder des Inselstaates sind bereits abgeholzt, der Rest ist akut gefährdet.

Während der Bundespräsident mit dem Premierminister in Klausur ging, habe ich mich mit zwei Journalisten aus Antananarivo getroffen, um noch ein bisschen mehr darüber zu erfahren, wie Präsident Ravalomanana öffentlich gesehen wird. Sie erzählten, dass es durchaus einige positive Ansätze gibt — etwa, dass er die Straßen erneuert. Auf der anderen Seite beginne er viele Projekte, die er nie zu Ende bringe. "Er weiß sehr gut, wie er der internationalen Gemeinschaft die Projekte, die er realisiert, verkauft, um gut dazustehen." Tatsächlich hat der Präsident trotz seines autokratischen Stils einen guten Stand bei den internationalen Geldgebern. — Sicher ist man auch vorwiegend deshalb skeptisch, weil sich in Afrika viele Hoffnungsträger als Enttäuschung entpuppt haben. Auf der anderen Seite gibt es durchaus Länder, die als positive Beispiele für Demokratisierung zitiert werden können, etwa Ghana oder der Senegal.

Viele Projekte zu Bildung und Umweltschutz

Auch der Bundespräsident schien angetan davon, was Ravalomanana bisher erreicht hat. Vor dem Abflug zog er jedenfalls in einer gemeinsamen Pressekonferenz eine positive Bilanz: "Seit meinem letzten Besuch vor drei Jahren (damals noch als Direktor des Internationalen Währungsfonds) hat sich viel getan in Madagaskar." Es gebe viele konkrete Projekte zu Bildung und Ausbildung, Umweltschutz und Gesundheit, die in einem guten Zustand seien. "Es ist noch viel zu tun, aber das Land ist auf einem guten Weg."

Einige interessante Details über den madegassischen Präsidenten erzählte am Flughafen noch einer von dessen deutschen Beratern: Wie erwähnt kommt Ravalomanana aus eher einfachen Verhältnissen, hat sich hochgearbeitet zum erfolgreichen Unternehmer und jetzt zum Präsidenten. Und sein Berater erzählte nun, dass Ravalomanana erst mit 21 Jahren zum ersten Mal in seinem Leben Schuhe getragen habe. Interessant fand ich auch, dass er dem Berater zufolge jeden Morgen Englisch lernt und abends früh ins Bett geht — um dann am nächsten Morgen aber auch schon gegen 5 Uhr aufzustehen…

Obwohl es eigentlich noch eine Pressekonferenz (PK) geben sollte, wurden wir in den Flieger getrieben — und zehn Minuten später wieder herausgeholt, weil die zuvor annullierte PK doch noch stattfand… Dann aber schnell zurück ins Flugzeug (der Protokoll-Chef war schon ganz nervös ob unserer Verspätung), während Herr und Frau Köhler die Ehrenparade abschritten und dann auch in die "Konrad Adenauer" kamen. Los ging's, und zweieinhalb Stunden später waren wir in Botswana.

Überall Soldaten

Bei der Ankunft dort gab es gleich ein bisschen Ärger. Bewahre — nicht zwischen den beiden Präsidenten! Nein, unsere Fotografen und Kameraleute ärgerten sich über das rabiate Vorgehen der botswanischen Sicherheitskräfte, die sie daran hinderten, die Ankunft von Herrn Köhler zu dokumentieren. — Insgesamt war das Bild, das das Militär am Flughafen abgab, ein britisch erschreckendes. Will sagen: total steif und mit Uniformen, die den britischen auffällig ähnelten. Auf der Fahrt zum Hotel stand viel Militär herum: Soldaten, wohin man schaute, alle paar Hundert Meter ein Panzer. Kein Wunder, die Streitkräfte unterstehen in Botswana direkt dem Präsidenten!

Insgesamt aber gilt Botswana als Musterland Afrikas: Es hat reiche Diamantenvorkommen, deren Erlöse dem Land zugute kommen. Aber dazu mehr, wenn wir am Dienstag die älteste Diamantenmine Botswanas in Orapa besuchen. Auf der Fahrt dahin wird man sicher auch einen Eindruck davon bekommen, wie trocken das Land ist: Drei Viertel der Gesamtfläche des Landes werden von der Kalahari-Wüste eingenommen; daher wird kaum etwas angebaut. Und obwohl Botswana um ein Drittel größer ist als Deutschland leben nur 1,7 Millionen Menschen hier. Ein Herr von der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit), einer Organisation der Entwicklungszusammenarbeit, erzählte auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel, dass Botswana in Sachen Lebensmittel nahezu vollständig von Südafrika abhängt: "Wenn die hier die Grenze zumachen, haben wir nichts mehr zu essen."

Besuch in der Kunstgalerie

Nach Ankunft in Gaborone, der Hauptstadt, blieb dem Bundespräsidenten nicht viel Muße, bevor er schon wieder los musste. Auf dem Programm stand die Kunstgalerie des Nationalmuseums, wo zeitgenössische botswanische Künstler ausstellen. Herr Köhler nahm sich viel Zeit für die Führung, setzte zwischendurch immer mal seine Brille auf, um Details auf den teils konkreten, teils abstrakten Werken besser anzusehen.

Der Besuch in der Galerie und das Interesse für die Kunst reflektieren das, was der Bundespräsident nicht müde wird zu sagen: "Die afrikanischen Kulturen sind reich, von ihnen können auch wir noch viel lernen." Daher hatte er in Mosambik das einzige professionelle Theater des Landes, das in Europa durch den schwedischen Schriftsteller Henning Mankell bekannt gewordene Teatro Avenida, besucht. Und deshalb schaut er sich in Botswana das Nationalmuseum mit seiner Kunstgalerie an, hört sich die mal traditionelle, mal sehr verjazzte Musik an, die ihm im Innenhof des Museum geboten wird, lässt sich die Instrumente erklären — und bittet um eine Zugabe.

Der Abschluss des Besuchs im Museum aber war enttäuschend: Extra für den Bundespräsidenten (und seine Delegation!!!) hatte man ein traditionelles Essen aus Botswana vorbereitet. Was es außer Sorghum (Hirse) und Fleischsoße genau gab, weiß ich nicht, denn so weit bin ich nicht zum Büffet vorgedrungen. Denn weil schon der nächste Termin drängte, ein Abendessen mit den Wirtschaftsvertretern der Delegation, stand Herr Köhler, nachdem er das Essen gekostet hatte, plötzlich auf — und damit war auch für uns (die wir noch in der Schlange standen!) das Essen vorbei, bevor es überhaupt angefangen hatte…