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Afrika-Blog: Teil 10: Diamantenreichtum

Afrika-Blog : Teil 10: Diamantenreichtum

Dienstag, 11. April 2006: Vorletzter Tag für den Bundespräsidenten in Afrika: Besuch in einer Diamantenmine. Wenn man das riesige Loch betrachtet, in dem die Arbeiter der nationalen Minengesellschaft Botswanas die Edelsteine schürfen, denkt man unwillkürlich an den Braunkohletagebau in Garzweiler. Zunächst aber hatten wir einige hundert Kilometer per Flugzeug zurückzulegen. Während der Bundespräsident per Air-Botswana-Flieger in den Norden gelangte, flogen wir in einer wackeligen Militärmaschine vor – und kamen nach ihm an.

Dienstag, 11. April 2006: Vorletzter Tag für den Bundespräsidenten in Afrika: Besuch in einer Diamantenmine. Wenn man das riesige Loch betrachtet, in dem die Arbeiter der nationalen Minengesellschaft Botswanas die Edelsteine schürfen, denkt man unwillkürlich an den Braunkohletagebau in Garzweiler. Zunächst aber hatten wir einige hundert Kilometer per Flugzeug zurückzulegen. Während der Bundespräsident per Air-Botswana-Flieger in den Norden gelangte, flogen wir in einer wackeligen Militärmaschine vor — und kamen nach ihm an.

Der Flug in der Militärmaschine war nicht unbedingt der angenehmste von all denen, die wir so hinter uns gebracht haben. Es rappelte überall, aus dem Fond kamen Geräusche, von denen ich lieber gar nicht wissen wollte, woher sie kamen. Mitten während des Fluges stand dann auf einmal der "Steward" (der gar nicht so war, wie das, woran man bei der Bezeichnung denkt!) auf und wischte mit einem nach Öl stinkenden Tuch die Decke ab: Dort hatte sich Kondenswasser abgesetzt. Hinzu kamen die Turbulenzen, bei denen ich mich fühlte, als sei unser Flieger an einem langen Faden aufgehängt und wackele wie ein Mobile hin und her. Kurzum: Ich war froh, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten!

Wenn auch die Ankunft am Flughafen in Orapa, wo die Diamantenmine ist, gleich die erste Überraschung mit sich brachte: keine Nationalhymne. — Vielleicht wurde sie gespielt, als der Präsident ankam. Denn der war ja in Gaborone nach uns losgeflogen und kam trotzdem vor uns an! — Fast fehlt sie einem. Ich kann kaum zählen, wie oft wir die Hymne in den vergangenen zehn Tagen gehört haben. Was mich anbetrifft, war es sicher öfter als in den vergangenen zehn Jahren! Ein Mitarbeiter aus dem Stab des Präsidenten zählte abends auf, allein in Mosambik sei sie mindestens elf Mal gespielt worden: Ankunft am Flughafen, Abflug, Ankunft im Parlament, Abschied, Ankunft in…

Diamanten für 25 Jahre

Vom Flughafen in Orapa ging es zur ältesten Diamantenmine des Landes. Die Geschichte der Diamanten in Botswana ist so, dass sie einem ein schadenfrohes Lächeln ins Gesicht treibt: 1966 wurde das Land von Großbritannien unabhängig — und ein Jahr später wurden die ersten Diamanten entdeckt. Und Botswana hat wirklich etwas aus diesem Reichtum gemacht bzw. hatte auch die Chance, etwas daraus zu machen: Es gab niemals Krieg um die Edelsteine, und die Erlöse, die immerhin 70 Prozent der Deviseneinnahmen und 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, kamen wirklich den Menschen im Land zugute, wurden in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur investiert.

Das Land muss seine Wirtschaft in den kommenden Jahren jedoch auf jeden Fall auf weitere Füße stellen, denn, wenn im aktuellen Tempo weitergeschürft wird, ist der Diamantenvorrat in 25 Jahren erschöpft. Im vergangenen Jahr wurden in den vier Minen des Landes 32 Millionen Karat geschürft. Damit ist Botswana einer der weltgrößten Diamantenproduzenten.

Herr Köhler ließ sich alles erklären und stellte dann — wie er eben so ist — einige, auch kritische Fragen. Anschließend ging es mit dem Bus aufs Gelände. Wir mussten alle Helme tragen, auch wenn uns nicht ganz klar war, warum. Denn auf den Kopf fallen konnte uns nichts — schließlich standen wir am oberen Rand der Schürfgrube.

Sicherheit geht über alles

Die Sicherheitsmaßnahmen, mit denen die Minengesellschaft verhindern will, dass Diamanten geklaut werden, sind immens. An jeder der Pforten auf dem ich-weiß-nicht-wie-oft-eingezäunten Gelände gilt ein anderer Pass, so dass die Zahl derer, die mit Diamanten in Kontakt kommen, sehr gering ist. Dass sich die Mitarbeiter am Ende des Arbeitstages nackt ausziehen müssen, um zu prüfen, ob sie Diamanten haben mitgehen lassen, wollte der General Manager der Minengesellschaft nicht bestätigen. Jedoch gab er zu, dass dies "zumindest, wenn ein Verdacht besteht, auch schon mal vorkommen kann". Aber, so betonte er, "natürlich würdevoll". Klar, unter dem Verdacht, etwas geklaut zu haben, nackt ausgezogen vor Wachpersonal zu stehen, ist sicher sehr würdevoll!

Nach dem Kurzbesuch in der Mine mussten wir wieder die Militärmaschine besteigen und flogen noch weiter in den Norden, nach Kasane, wo ein Besuch im Chobe-Nationalpark auf dem Programm stand. Der Blick auf die größte Salzpfanne der Welt, den inzwischen weitgehend ausgetrockneten Ursee Makgadikgadi, war gigantisch! Salzverkrustete Erdoberfläche, so weit man blickte…

Abends unternahmen wir eine Fahrt auf dem Chobe-Fluss, die gleichzeitig eine Art Safari ist, weil sich an den Ufern immer wieder Elefanten, Giraffen, natürlich viele Wasservögel und Flusspferde tummeln. Die Flussmitte ist die Grenze zu Namibia, so dass wir uns immer wieder auch für einige Augenblicke illegal in Namibia aufhielten — denn unsere Pässe hatten Mitarbeiter des Bundespräsidenten bereits auf dem Hinflug eingesammelt.

Herr Köhler, der leider auf einem zweiten Boot fuhr, das wir nur hin und wieder kreuzten, wirkte sehr gelöst, winkte uns — das Fernglas zur Tierbeobachtung in der Hand — freundlich zu. Sicher ist auch er trotz seiner Liebe zu Afrika froh, wenn die Staatsbesuche vorbei sind. Ich habe es noch nicht nachgezählt (und kann das im Moment auch nicht, weil ein Teil unseres Gepäcks schon verstaut ist), aber er hat in den vergangenen zehn Tagen sicher an die 60 Termine absolviert!