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Ex-Präsident von Liberia schuldig gesprochen: Taylor, Verstümmelungen und Blutdiamanten

Ex-Präsident von Liberia schuldig gesprochen : Taylor, Verstümmelungen und Blutdiamanten

Charles Taylor ist schuldig, so hat es das UN-Sondergericht in Den Haag befunden. Schuldig der Kriegsverbrechen während des Bürgerkrieges in Sierra Leone. Zehntausende Menschen starben damals oder wurden verstümmelt. Es ist ein Prozess, der in Erinnerung bleiben wird.

Der Ex-Präsident von Liberia war stets im Anzug vor Gericht erschienen. Er machte immer wieder deutlich, was er von dem 2007 eröffneten Prozess hielt: Alles Lügen, eine Kampagne gegen ihn. Und er sei unschuldig. Das sah das UN-Sondergericht anders, das Strafmaß allerdings muss noch festgelegt werden.

Für die Opfer jedoch dürfte schon dieser Tag ein Stück weit Gerechtigkeit bringen. Viele der Überlebenden erinnern sich noch heute an die Grausamkeiten, die die Rebellentruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" (Ruf) zwischen 1991und 2002 in Sierra Leone verübt hatte. Taylor selbst wurde vorgeworfen, einer der Hauptverantwortlichen für die Gräueltaten der Rebellen zu sein. Er soll die RUF mit Waffen unterstützt haben und dafür mit Blutdiamanten bezahlt worden sein.

50.000 Seiten mit Zeugenaussagen

Die Rebellen selbst zogen tötend und verstümmelnd durch Sierra Leone. Sie hackten Menschen Arme und Beine ab, schnitten ihnen die Nasen ab. Selbst Kinder wurden nicht verschont. 50.000 Seiten mit Zeugenaussagen kamen am Ende vor Gericht zusammen. Taylor war dort in elf Punkten angeklagt, darunter Mord, Vergewaltigung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Rekrutierung von Kindersoldaten.

Einer, der damals als Kind von der RUF entführt wurde, ließ sich auch den Prozess in Den Haag nicht entgehen: Der 29-jährige Momoh Fayia. Er habe, so schilderte es der britische "Telegraph", zwar nicht für die Rebellen kämpfen müssen oder wurde mit Drogen vollgepumpt., doch er sei "gnadenlos verprügelt" worden. Er habe schwere gestohlene Waren für die Rebellen transportieren müssen. Und er sei mit dem Zeichen der RUF tätowiert worden.

Es ist nur ein Schicksal von zehntausenden zum Teil weitaus grausameren, die sich in den Jahren des Bürgerkrieges ereigneten. Und Taylor machte offenbar dabei mit. Laut einem früheren Mitarbeiter soll er eine menschliche Leber gegessen haben. Auch heißt es, er habe das Blut eines eigens erschossenen Bauern getrunken, bevor er in den Kampf zog. Seine Mitkämpfer soll er dazu aufgefordert haben, die Herzen der Menschen zu essen, die sie töteten.

Campbell und die Blutdiamanten

Vielen in Erinnerung bleiben wird von dem Sondertribunal aber der Auftritt jener Zeugin, von der man sich erhoffte, dass sie Taylor schwer belasten werde: Topmodel Naomi Campbell. Sie war als Zeugin vorgeladen, weil sie laut US-Schauspielerin Mia Farrow einen Blutdiamanten von Taylor erhalten haben soll.

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Das Model hatte zunächst eine Aussage abgelehnt, sie dann aber doch getätigt. Sie sprach davon, wie sie nach einem Abendessen in Südafrika "sehr kleine, schmutzig aussehende Steine" erhalten habe. Von Blutdiamanten oder Liberia habe sie damals noch nie etwas gehört, so die Zeugin. Auch konnte sie nicht hundertprozentig bestätigen, ob das "Geschenk" tatsächlich von Charles Taylor gekommen war. Es habe keine Erklärung, keine Notiz zu den Steinen gegeben.

Taylors Ziel war es damals, die Kontrolle über die Diamantenminen des Nachbarlandes zu erlangen, auch deshalb unterstützte er die Rebellen. Mit den Blutdiamanten schließlich konnte er seinen eigenen Krieg finanzieren. Gekämpft hatte er schon zuvor in Liberia während des Aufstandes gegen den Präsidenten. Auch damals sollen seine Truppen massiv gemordet haben. Doch für diese Taten musste sich der spätere Präsident nicht in Den Haag verantworten, für die Verbrechen in Sierra Leone aber droht ihm nun eine lange Haftstrafe.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Grauen des Bürgerkrieges von Sierra Leone

(das)