Tanya Chutkan führt Vorsitz Diese Richterin urteilt über Donald Trumps dritte Anklage

Washington · Sie wurde von Barack Obama ins Amt berufen: Tanya Chutkan hat bereits mehrere Urteile gegen Kapitolstürmer verhängt. Wenn der Ex-Präsident in Washington nun vor Gericht muss, wird auch er dieser Richterin gegenüberstehen.

Bundesrichterin Tanya Chutkan führt Vorsitz in dem historischen Jahrhundertprozess gegen Ex-Präsidenten Trump.

Bundesrichterin Tanya Chutkan führt Vorsitz in dem historischen Jahrhundertprozess gegen Ex-Präsidenten Trump.

Foto: dpa/Uncredited

In den vergangenen Tagen hat Richterin Chutkan kaum ein Auge zugedrückt. Sie könne nicht mehr schlafen, vertraute sie einem Anwalt an, der mit ihr über die Entscheidung des Zufallsgenerators im Erdgeschoss des Bundesgerichts im District of Columbia sprach. Dieser hatte ihr am Dienstag den Vorsitz in dem historischen Jahrhundertprozess gegen Donald Trump zugelost. „Passen Sie auf sich auf“, wünschte ihr der Kollege. „Ich versuche es“. Chutkan ahnt, was auf sie zukommt. Zumal der Ex-Präsident im Ruf steht, nicht zimperlich mit Richtern und Staatsanwälten umzugehen. Erst recht, wenn diese einer Minderheit angehören oder weiblich sind.

So hielt er 2016 in dem Betrugsprozess um die „Trump-Universität“ Richter Gonzalo Curies vor, dieser könne als „Mexikaner“ nicht fair sein. Er beschimpfte die schwarze Chefanklägerin des Bundesstaats New York, Laetitia James und deren afroamerikanische Kollegin in Atlanta, Fani Willis, die ihn bald in Georgia anklagen könnte, als „rassistisch“. Trumps Verteidiger John Lauro forderte eine Verlegung des Prozesses in das blütenweiße West Virginia, weil Trump in der amerikanischen Hauptstadt angeblich keinen fairen Prozess erwarten könne. In rechten Foren nehmen radikale Trumper neben Sondermittler Jack Smith bereits die 2014 von Barack Obama nominierte Bundesrichterin ins Visier. Beide erhielten wegen der Gefährdungslage Personenschutz.

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Thematisiert wird in der MAGA-Welt auch, ob die Juristin überhaupt Amerikanerin sei. In der Wirklichkeit besteht daran kein Zweifel. Obendrein ist die 61-jährige Chutkan hoch qualifiziert für die Aufgabe. Sie studierte an der George Washington University, bevor sie ihre Juristenausbildung an der renommierten University of Pennsylvania Law School machte. Chutkan machte sich in Washington einen Namen als Pflichtverteidigerin in Strafsachen und arbeitete für zwei private Kanzleien. Auf der Richterbank des Bundesgerichts im District of Columbia fiel sie durch Furchtlosigkeit auf.

Die bekam Trump schon einmal zu spüren, als 2021 eine Beschwerde des Ex-Präsidenten über die Herausgabe von Dokumenten an den Untersuchungsausschuss des Kongresses zum 6. Januar vor der Richterin landete. Trump wollte diese zurückhalten, um die Ermittlungen zu verzögern. Chutkan durchschaute die Taktik und entschied umgehend: „Präsidenten sind keine Könige. Und der Angeklagte ist nicht Präsident.“ Bei den Prozessen gegen Beteiligte an dem Sturm auf den Kongress fiel Chutkan unter ihren Richterkollegen durch Urteile auf, die oftmals über das geforderte Strafmaß der Staatsanwälte hinausgingen.

Alle 31 Angeklagten, mit denen sie zu tun hatten, erhielten eine Gefängnisstrafe. Bei einer Urteilsbegründung wies sie das Argument zurück, der Angeklagte habe bloß von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht. „Die Leute, die den Kongress gemobbt haben, waren da aus Ergebenheit und Loyalität zu einem Mann. Nicht der Verfassung.“

Dieser Mann wird Chutkan bald selbst gegenüberstehen. Am Donnerstag überließ sie ihrem Kollegen Moxila A. Upadhyaya die Aufgabe, den Ex-Präsidenten bei der Haftvorführung am Nachmittag über die vier Anklagepunkte, seine Rechte und Pflichten zu informieren. Spätestens wenn es um die geforderte Verlegung des Prozesses in einen anderen Bundesstaat geht, dürfte sich die Richterin zu Wort melden. Gerichtskenner erwarten einen schnellen und fairen Prozess, bei dem Chutkan keine Eskapaden des Angeklagten dulden wird. Sie verweisen auf den Prozess gegen die russische Spionin Maria Butina 2018, deren Anwälte versucht hatten, die Medien in den Fall einzuspannen.

Die Richterin verhängte daraufhin eine Schweigepflicht aller Beteiligten, die sie mit hohen Sanktionen belegte. Gut vorstellbar, dass die um den Schlaf gebrachte Richterin auch bei Donald Trump einen Albtraum auslöst.

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