Taliban: Gründer des Hakkani-Netzwerks in Afghanistan ist gestorben

Terrororganisation in Afghanistan : Gründer des Hakkani-Netzwerks ist laut Taliban tot

Dschalaluddin Hakkani, Gründer des Hakkani-Netzwerks, ist gestorben. Die Gruppe zählt zu den mächtigsten und gefürchtetsten in Afghanistan. Sie ist eng mit den Taliban verbündet und wurde von den USA als Terrororganisation eingestuft.

Der Islamist Dschalaluddin Hakkani ist nach Angaben der Taliban tot. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP am Dienstag, Hakkani sei am Vortag in Afghanistan nach Jahren in schlechter gesundheitlicher Verfassung gestorben. Damit bestätigten sie eine Taliban-Meldung, die am Dienstag per Whatsapp versendet wurde. Nach verschiedenen Quellen war er Ende 70.

Der Gründer und Anführer des afghanischen Hakkani-Netzwerks war seit zehn Jahren gelähmt. Seit einigen Jahren war nichts mehr von ihm gehört worden, 2015 war bereits über seinen Tod berichtet worden. Mudschahid bezeichnete Hakkani als religiösen Gelehrten und beispielhaften Krieger. Seine Ideologie und Vorgehensweise werde auch nach seinem Tod bestehen bleiben.

Hakkani gründete das Hakkani-Netzwerk in den 1970er Jahren. Es ist verantwortlich für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan. Laut deutschen Sicherheitskreisen stand es auch hinter dem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017. Damals waren mindestens 90 Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt worden.

In den 80er Jahren half Hakkanis Netzwerk dem US-Geheimdienst CIA, die Sowjets aus Afghanistan zu vertreiben. Der ehemalige US-Kongressabgeordnete Charlie Wilson nannte Hakkani einmal die „personifizierte Güte“. Hakkani besuchte sogar das Weiße Haus, als Ronald Reagan US-Präsident war. In jener Zeit entstanden auch enge Verbindungen mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI.

Später verbündete er sich mit den Taliban. Nach dem Sturz der Islamisten durch eine von den Vereinigten Staaten angeführte Allianz 2001 bekämpfte Hakkani die Truppen der USA und ihrer Partner. 2012 erklärten die Vereinigten Staaten das Hakkani-Netzwerk zu einer Terrororganisation. Heute zählt es zu den mächtigsten und gefürchtetsten Gruppen des afghanischen Aufstands.

Dschalaluddin Hakkanis Nachfolge hatte vor einigen Jahren sein Sohn Siradschuddin Hakkani übernommen, der auch stellvertretender Anführer der afghanischen Taliban ist.

(mba/dpa/rtr)
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