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Taliban: Evakuierungen in Afghanistan müssen bis Monatsende abgeschlossen werden

Kramp-Karrenbauer will Vereinbarung : Taliban schließen Verlängerung des Evakuierungseinsatzes aus

Die Taliban wollen keine Verlängerung der Evakuierungsflüge aus Afghanistan über das Monatsende hinaus. Am Chaos am Flughafen Kabul seien die USA schuld, sagen sie. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will eine Evakuierungs-Vereinbarung mit den Taliban.

Die militant-islamistischen Taliban bestehen darauf, dass die Rettungsmission westlicher Staaten aus Afghanistan bis Ende des Monats abgeschlossen ist. „Wir wollen, dass alle Ausländer bis zum 31. August evakuiert werden“, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Dienstag in seiner zweiten Pressekonferenz seit der Machtübernahme der Islamisten. Der Sprecher wandte sich zugleich dagegen, dass nun viele gebildete Afghanen und Fachkräte das Land verließen. Man brauche diese, um Afghanistan wieder aufzubauen.

Drohungen für den Fall, dass die USA oder andere Länder ihre Evakuierungen nicht bis Ende August abschließen sollten, sprach Mudschahid allerdings nicht aus. Verbündete der USA wie Deutschland oder Großbritannien dringen darauf, den Einsatz der US-Truppen über den 31. August hinaus noch eine Weile zu verlängern, damit weitere Evakuierungsflüge durchgeführt werden können. Für das Chaos am Flughafen machte Mudschahid die USA verantwortlich. Das Gedränge sei gefährlich und Menschen könnten ihr Leben verlieren.

Auf Berichte angesprochen, der Vize-Chef der Taliban Mullah Abdul Ghani Baradar habe CIA-Chef William Burns getroffen, sagte Mudschahid, er könne dies nicht bestätigen. Er könne nur sagen, dass die politische Führung der Taliban Treffen mit Repräsentanten verschiedener Botschaften abgehalten habe, darunter auch Vertretern der US-Botschaft.

Der afghanischen Bevölkerung versprach Mudschahid, dass Banken, Regierungsinstitutionen, Schulen und Universitäten demnächst wieder öffnen würden. Man garantiere den Beamten der Ministerien ihre Sicherheit, sie hätten nichts zu befürchten. Für weibliche Angestellte der Behörden arbeite man noch an genauen Regeln. Sie könnten erst an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, wenn diese Regeln stünden, würden aber bis dahin weiter bezahlt.

Zuletzt hatten sich Frauen im öffentlichen wie im privaten Sektor darüber beschwert, dass Taliban-Kämpfer sie nicht mehr zu ihren Arbeitsstellen ließen und sie nach Hause schickten.

Mudschahid erklärte zudem, Medien im Land könnten weiter frei arbeiten. Die meisten würden ihre Arbeit bereits normal weiterführen, andere hätten ihre Aktivitäten noch nicht wieder aufgenommen. Man werde Kämpfer in der Nähe von Medieneinrichtungen abziehen. Allerdings gibt es auch von Journalisten Berichte, sie seien von Taliban-Kämpfern bei ihrer Arbeit gestört oder belästigt worden.

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Die Pandschir-Frage – die Provinz Pandschir ist die einzige, die bisher nicht unter Kontrolle der Taliban steht – sei zu 80 Prozent gelöst, sagte Mudschahid. Man wolle nicht kämpfen, sondern sich politisch einigen.

Deutschlands Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich für eine Evakuierungs-Vereinbarung mit den Taliban für die Zeit nach der laufenden Bundeswehr-Mission ausgesprochen – unabhängig davon, wie lange diese noch läuft. Damit solle gewährleistet werden, dass auch dann noch ehemalige Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien ausgeflogen werden könnten, die zurzeit gar nicht zum Flughafen Kabul kommen könnten, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin. „Wir brauchen auf jeden Fall auch in der Sache sicheres Geleit eine Lösung und eine Vereinbarung mit den Taliban, die über die eigentliche Evakuierungsmission hinausgeht.“

Die Bundeswehr hat bisher rund 3800 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Wie lange der Einsatz noch dauert, hängt davon ab, wann die US-Streitkräfte sich aus Afghanistan zurückziehen. Bisher ist der 31. August geplant. Mehrere europäische Länder drängen die USA aber zu einer Verlängerung.

(bora/dpa)