Taiwan: Parlament beschließt gleichgeschlechtliche Ehen

Erstes Land in Asien : Taiwans Parlament ermöglicht gleichgeschlechtliche Ehen

Taiwan führt als erstes Land Asiens die Ehe für alle ein. Das Parlament in Taipeh beschloss, dass auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen und rechtlich anderen Ehepaaren gleichgestellt werden.

Das Land folgte damit einem Urteil des Verfassungsgerichts von 2017, das dem Parlament zwei Jahre Zeit gegeben hatte, Gesetze für gleichgeschlechtliche Ehen zu beschließen.

Die Akzeptanz für schwule und lesbische Partnerschaften in Taiwan begann in den 1990er Jahren, als die heute regierende Demokratische Fortschrittspartei sich des Themas annahm, um Taiwan in Asien als offene Gesellschaft zu propagieren. Heute ist das Land eine Demokratie mit einer lebendigen Zivilgesellschaft.

Aktivisten für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen hatten sich zwei Jahrzehnte lang für die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt.

Die taiwanische Präsidentin Tsai Ing-wen lobte bei Twitter, „am 17. Mai 2019 hat in Taiwan die Liebe gewonnen. Wir haben einen großen Schritt in Richtung echter Gleichheit unternommen und Taiwan zu einem besseren Land gemacht.“

Vor der Abstimmung hatten Tausende Menschen, darunter gleichgeschlechtliche Paare, vor dem Parlament bei Regen demonstriert. Viele trugen Schilder in Regenbogenfarben, auf denen stand: „Die Abstimmung kann nicht scheitern.“ Rund 50 Gegner der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe saßen vor dem Parlament unter einem Zelt und sprachen sich in Reden für Ehen nur zwischen Männern und Frauen aus.

Gegner haben Sorgen vor Inzest, Versicherungsbetrug und darüber zum Ausdruck gebracht, dass Kinder verwirrt sein könnten, wenn sie zwei Mütter oder zwei Väter hätten. „Dies wird viele Moralitätsprobleme verursachen“, sagte Lin Shih-min von der Aktivistengruppe Stability of Power, die das Gesetz ablehnt. „Vom Standpunkt der Kinder, sie haben das Recht, mit sowohl einer Mutter als auch einem Vater aufzuwachsen.“

Im November 2018 hatte eine Mehrheit der taiwanischen Wähler in einem Referendum die gleichgeschlechtliche Ehe abgelehnt. Abgeordnete, die den Gesetzentwurf unterstützten, sagten aber, er entspreche dem Gesetz und dem Geiste des Referendums.

Der stellvertretende Asiendirektor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Phil Robertson, forderte bei Twitter, die Entscheidung in Taiwan sollte „eine größere Bewegung in Asien“ anstoßen, „um für Gleichheit für Lesben, Schwulen, Bisexuelle und Transsexuelle und einen proaktiven Schutz ihrer Rechte durch Regierungen in der Region zu sorgen. Keine Ausreden mehr!“

China beansprucht Taiwan als eigenes Territorium. Taiwan ist aber eine selbst regierende Demokratie mit einer Gesellschaft, die sich für die Förderung von Rechten von sexuellen und ethnischen Minderheiten und anderen Benachteiligten einsetzt. Das Festlandchina, das von der Kommunistischen Partei regiert wird, ist deutlich konservativer.

(mro/dpa)
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