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Syrien: Zahl der Toten steigt nach mutmaßlichem Giftgas-Angriff auf 72

Bürgerkrieg in Syrien : Zahl der Toten steigt nach mutmaßlichem Giftgasangriff auf 72

Ein mutmaßlicher Giftgasangriff in der syrischen Provinz Idlib sorgt für internationales Entsetzen. Unter den Toten sollen 20 Kinder sein. Donald Trump gibt Obama eine Mitschuld an den Taten in Syrien.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte, stieg die Zahl der Todesopfer inzwischen auf mindestens 72. Unter den Toten sind demnach 20 Kinder und 17 Frauen. Bislang war von 58 Toten die Rede gewesen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle gibt es auch noch Vermisste. Sie vermutet daher, dass die Opferzahl weiter steigen könnte. Am Dienstag war die Stadt Chan Scheichun angegriffen worden.

Syrien: Zahl der Toten steigt nach mutmaßlichem Giftgas-Angriff auf 72
Foto: dpa, julie rogers hjb

Russland hat die syrischen Regierungstruppen für den Luftangriff auf die im Nordwesten des Landes verantwortlich gemacht. Die syrische Luftwaffe habe bei dem Angriff ein von Rebellen genutztes Lager mit Giftstoffen getroffen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch mit. Aus "objektiven Daten" der russischen Luftraumkontrolle gehe hervor, dass ein "großes Lager von Terroristen" in der Nähe der Stadt bombardiert worden sei. Dort seien "Giftstoffe" gelagert worden.

Syrien: Zahl der Toten steigt nach mutmaßlichem Giftgas-Angriff auf 72
Foto: afp

Die Rebellen machten die Streitkräfte von Machthaber Baschar al-Assad für den Angriff verantwortlich. Die syrische Armee wies jegliche Verantwortung "kategorisch" zurück. Sie habe niemals Giftgas eingesetzt und werde dies auch künftig nicht tun. Vielmehr seien "terroristische Gruppen" verantwortlich.

US-Präsident Donald Trump ließ in einem Statement mitteilen, dass der mutmaßliche Giftgasangriff von der zivilisierten Welt nicht ignoriert werden könne. "Diese abscheulichen Taten des Bashar al-Assad-Regimes sind eine Folge der Schwäche und Unentschlossenheit der vergangenen Regierung", sagte Trump. Obama habe 2012 angekündigt, eine rote Linie gegen den Gebrauch von Chemiewaffen zu setzen, und dann habe er nichts getan.

Zuvor hatte bereits US-Außenminister Rex Tillerson Russland und den Iran aufgefordert, ihren Einfluss auf Assad geltend zu machen. "Es ist klar, wie Assad operiert: mit brutaler, unverfrorener Barbarei", erklärte der US-Außenminister am Dienstag in Washington.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat Russland aufgefordert, der geplanten UN-Resolution zum mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien zuzustimmen. "Wir appellieren an Russland, dieser Resolution zuzustimmen, den Fall zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", sagte er am Mittwoch zum Auftakt einer internationalen Konferenz zum Syrien-Konflikt in Brüssel. Es sei richtig, dass sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an diesem Mittwoch mit dem Thema befassen wolle.

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Mit der von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachten Resolution soll das syrische Regime aufgefordert werden, Informationen zur Aufklärung des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes am Dienstag zu liefern.

Nach UN-Untersuchungen haben im Syrien-Konflikt sowohl die Regierung als auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bereits Giftgas eingesetzt. Moskau unterstützt die Assad-Regierung militärisch im Kampf gegen die Aufständischen In Syrien.

Die Beobachtungsstelle, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

(rent/AFP)