Syrien: Rebellen und Regierung vereinbaren Gewaltverzicht

Süden von Syrien : Rebellen und Regierung vereinbaren Gewaltverzicht

Aufatmen in Syriens Süden: Regierungstruppen haben Berichten zufolge mit Rebellen einen Gewaltverzicht in der Region Daraa vereinbart und einen wichtigen Grenzübergang nach Jordanien unter ihre Kontrolle gebracht.

Der Grenzübergang Nassib sei am Freitagnachmittag erobert worden, berichtete die staatliche Agentur Sana. Zuvor hatten Rebellen mitgeteilt, sich mit russischen Vermittlern darauf geeinigt zu haben, die Gewalt in der umkämpften Region Daraa zu beenden und den Grenzübergang aufzugeben.

Der Rebellensprecher Ibrahim Dschabawi sagte, russische Militärpolizei werde entlang der syrisch-jordanischen Grenze stationiert, auch in Nassib. Die Rebellen würden einen Teil ihrer schweren Waffen als Gegenleistung des Abzugs von Regierungstruppen aus einigen Dörfern abgeben. Aufständische, die das Abkommen ablehnten, würden in von Rebellen kontrollierte Gebiete im Norden des Bürgerkriegslandes gebracht.

Nassib wieder unter Regierungskontrolle

Rebellen hatten Nassib 2015 unter ihre Kontrolle gebracht und damit eine wichtige Handelsroute zwischen Syrien, Jordanien, dem Libanon und den ölreichen Golfstaaten unterbrochen und syrische Exporte behindert.

Laut Sana wurde in Nassib die syrische Flagge gehisst. Die Vereinbarung folgte auf eine von russischen Luftangriffen unterstützte Offensive der Regierungstruppen.

Syrischen Staatsmedien zufolge haben die Regierungstruppen seit Beginn der Offensive am 19. Juni die meisten Städte und Dörfer im Osten der südlichen Provinz Daraa unter ihre Kontrolle gebracht. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien teilte mit, die Regierungstruppen hätten 70 Prozent der Provinz erobert, in der 2011 der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann.

Schätzungen zufolge wurden 330.000 Menschen durch die mit großer Härte geführte Offensive zu Flüchtlingen. 159 Zivilisten wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle getötet.

Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben ein Ziel in Syrien getroffen. Zuvor sei eine Granate von dort innerhalb der Pufferzone an der Grenze zwischen den beiden Staaten eingeschlagen. Die Granate sei im Zuge des Konflikts zwischen dem syrischen Militär und Rebellen abgefeuert worden.

OPCW findet Chlorgas-Spuren in Duma

Derweil haben die Ermittler der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) im syrischen Duma Spuren von Chlorgas entdeckt. Das geht aus einem Zwischenbericht der Experten hervor, wie die OPCW am Freitag in Den Haag mitteilte. Bei einem Angriff im April in Duma waren rund 40 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden.
Spuren von Nervengas hätten die Experten aber nicht gefunden, teilte die OPCW mit. Wann der endgültige Bericht vorgelegt wird, ist noch nicht bekannt. Chlorgas gilt als Kampfstoff, der die Lunge schädigt.

Der Westen hatte die syrische Regierung für den Angriff verantwortlich gemacht. Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten auf den mutmaßlichen Angriff mit Chemiewaffen mit Luftangriffen reagiert. Syrien und Russland wiesen die Vorwürfe dagegen zurück.

(felt/ap/dpa)
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