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Syrien: Hunderte IS-Kämpfer sterben bei Luftangriffen in Kobane

Erfolg im Kampf gegen Islamisten : Hunderte IS-Kämpfer sterben bei Luftangriffen in Kobane

Die USA verkünden erste größere Erfolge im Kampf gegen den Terror: Die Militärallianz im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) hat bei Luftangriffen auf die syrische Kurdenstadt Kobane mehrere hundert Kämpfer der Dschihadistengruppe getötet.

Dennoch bestehe weiterhin die Gefahr, dass die Stadt gänzlich in die Hände der Extremisten falle, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Mittwoch. Kurdenpräsident Massud Barsani rief den Westen zu mehr Hilfe im Kampf gegen den IS auf. "Wir gehen davon aus, dass wir in und rund um Kobane einige hundert IS-Kämpfer getötet haben", sagte Kirby auf einer Pressekonferenz. Demnach verließ die Mehrheit der Zivilbevölkerung mittlerweile die umkämpfte Stadt an der Grenze zur Türkei. Nur noch wenige hundert Zivilisten seien in Kobane. Auf Arabisch heißt die Stadt Ain al-Arab.

Trotz des Vorgehens gegen den IS könne die Stadt aber nach wie vor von den Extremisten erobert werden. "Kobane kann zweifellos noch immer fallen", sagte Kirby. "Der IS hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er die Stadt übernehmen will." Deshalb würden weiterhin Kämpfer in die Region geflogen. Sollte die Stadt fallen, sei das ein "Rückschlag" im internationalen Vorgehen gegen die Miliz.

Ein Kurdenvertreter hat einen Teilrückzug der Dschihadisten aus Kobane bestätigt. Die US-geführte internationale Koalition habe den IS "in den vergangenen Tagen effektiver bekämpft", sagte Idriss Nassen am Donnerstag per Telefon aus der belagerten Stadt der Nachrichtenagentur AFP. Die Extremisten kontrollierten inzwischen nur noch "weniger als 20 Prozent" der Kurdenstadt direkt an der türkischen Grenze.

Der Kampf um Kobane ist für die Dschihadisten mittlerweile zu einem Symbol für ihren Vormarsch geworden - wenn sie die Stadt übernehmen, haben sie damit auch Zugriff auf einen Teil der türkischen Grenze. Es müsse zudem damit gerechnet werden, dass die IS-Kämpfer noch andere Städte, Dörfer und Gebiete einnehmen, sagte Kirby. Daher drohe ein langer Kampf gegen die Organisation. Im benachbarten Irak bedroht der IS zudem die Hauptstadt Bagdad. Die Stadt sei allerdings "derzeit nicht unmittelbar bedroht".

IS-Vormarsch im Irak

Der Koordinator der von den USA angeführten Koalition, der US-General im Ruhestand John Allen, sprach von einem "beträchtlichen" Geländegewinn der IS-Miliz im Irak. Bei den Luftangriffen auf die IS-Hochburgen im Irak und in Syrien gebe es allerdings "weder Sieger noch Besiegte", sagte Allen in Washington. Das Pentagon bezeichnet den Einsatz mittlerweile als "Operation Inherent Resolve" (etwa: Operation natürliche Entschlossenheit).

Kurdenpräsident Barsani forderte unterdessen mehr Unterstützung des Westens. Die internationale Gemeinschaft müsse die Unterstützung maximieren, damit Kobane "nicht bald komplett" vom IS kontrolliert werde, sagte er der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. Im Gespräch mit der Zeitung warnte er vor einem Massaker in der Stadt. Der IS kenne "keine Werte" und habe "keinen Respekt für die Menschheit".

Die Kurden benötigten zudem "mehr hoch entwickelte Waffen", sagte Barsani der Zeitung. "Wir brauchen Panzer, Artillerie, gepanzerte Mannschaftswagen und Antipanzerraketen." Deutschland unterstützt die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Irak mit Waffen.

Kauder schließt Unterstützung der PKK nicht aus

Derweil schließt Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) im Kampf gegen den IS eine Unterstützung der kurdischen Arbeiterpartei PKK nicht mehr aus. "Ich weiß, welche Probleme die Türkei mit der PKK hat, aber zuzuschauen, wie die IS wichtige Grenzstädte einnimmt und sich immer mehr zu einer Bedrohung der weltweiten Sicherheit entwickelt, kann nicht die Lösung sein", sagte Kauder Spiegel Online laut Vorabbericht. "Die Unterstützung von weiteren Gruppen schließe ich nicht aus. Aber das ginge sicher nicht gegen die Türkei, sondern nur mit ihr. Das gilt auch für eine Unterstützung der PKK."

Bislang unterstützt Deutschland die kurdischen Peschmerga-Kämpfer mit Waffen, um den Vormarsch der IS-Kämpfer im Nordirak zu unterstützen. Lieferungen an die PKK, die in Deutschland verboten ist und von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft wird, wurden bislang ausgeschlossen. Das türkische Militär hatte zuletzt PKK-Stellungen im Osten des Landes angegriffen. Die Kurden werfen der Regierung in Ankara vor, der Kurden-Stadt Kobani an der syrisch-türkischen Grenze im Kampf gegen den IS nicht beizustehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der dramatische Kampf um Kobane

(AFP/REU)