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Bürgerkrieg weitet sich aus: Syrien garantiert Moskau Verzicht auf Chemiewaffen

Bürgerkrieg weitet sich aus : Syrien garantiert Moskau Verzicht auf Chemiewaffen

Der Krieg in Syrien weitet sich zunehmend auch auf die Nachbarländer aus. Neben Kämpfen an den Grenzen zur Türkei und zum Libanon wird es jetzt auch an der Grenze zum Irak brenzlig, wo sich die Freie Syrische Armee verschanzt hat. Unterdessen garantierte Syrien Moskau, auf den Einsatz von Chemiewaffen zu verzichten.

Der Syrien-Konflikt weitet sich bedrohlich auf die benachbarten Staaten aus. Zugleich wird die Not der Menschen in den Bürgerkriegsgebieten immer größer. Das Rote Kreuz forderte Kampfpausen zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung. Nach Angaben von EU und Vereinten Nationen benötigen mindestens 2,5 Millionen Syrer dringend humanitäre Hilfe.

Syrische Kampfjets im irakischen Luftraum

Am Donnerstag drang erstmals seit Beginn der Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Rebellen ein Flugzeug der syrischen Luftwaffe in den irakischen Luftraum ein. An der Grenze zum Libanon starben nach inoffiziellen Berichten vier libanesische Zivilisten. In Ankara wollte eine türkisch-amerikanische Arbeitsgruppe das Vorgehen beider Staaten im Syrien-Konflikt abstimmen.

Aus Militärkreisen in der irakischen Anbar-Provinz hieß es, das syrische Flugzeug habe sich nahe dem geschlossenen Grenzübergang Al-Kaim vier Minuten lang über irakischem Territorium aufgehalten. Der Pilot habe vermutlich Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) in dem syrischen Grenzort Al-Bukamal im Visier gehabt. Die syrischen Revolutionsgruppen berichteten von Luftangriffen mit Flugzeugen in dem Gebiet.

90 Tote bis zum Nachmittag

Hunderte Zivilisten steckten in dem Ort an der Grenze fest, meldeten irakische Medien. Die irakischen Sicherheitskräfte hatten den Grenzübergang Al-Kaim am Vortag mit Betonsperren blockiert. Begründet wurde das mit der Anwesenheit der FSA auf der syrischen Seite der Grenze.

Die Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad zählten bis zum Nachmittag 90 Tote in Syrien, darunter zehn Männer, deren Leichen im Stadtviertel Kafr Susa in Damaskus gefunden wurden. Aus diesem Stadtteil meldeten die Aktivisten am Vortag Angriffe der syrischen Armee. Die Männer seien nicht im Kampf gefallen, sondern in Gefangenschaft getötet worden, hieß es. Die heftigsten Kämpfe zwischen der syrischen Armee und den Revolutionsbrigaden wurden aus den Großstädten Damaskus und Aleppo gemeldet sowie aus den Proinzen Idlib und Deir as-Saur.

Rotes Kreuz kommt nicht mehr in die Kriegsgebiete

Hicham Hassan vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf sagte der Nachrichtenagentur dpa, seit nahezu vier Wochen seien die Helfer nicht mehr in der Lage, bestimmte Gebiete zu erreichen, etwa in Aleppo und Homs. Der Syrische Rote Halbmond, dessen Helfer vom IKRK ausgestattet werden, habe seine Operationen in vielen Teilen des Landes einstellen oder stark einschränken müssen.

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Dennoch versuchten Freiwillige weiter, zu den Notleidenden zu gelangen, so Hassan. "Humanitäre Hilfe muss die Menschen so schnell wie irgend möglich erreichen." Kampfpausen, wie sie die UN und die EU fordern, seien dafür sehr wichtig.

Die UN hat unterdessen im Laufe des Donnerstag ihre letzten Beobachter aus Damaskus abgezogen. Sie waren Teil eines vom damaligen internationalen Sondervermittler Kofi Annan ausgearbeiteten Friedensplan für Syrien. Wegen der eskalierenden Gewalt wurde ihr Mandat nicht erneuert. Annans Nachfolger, der Algerier Lakhdar Brahimi, sollte noch am Donnerstag zum UN-Hauptquartier in New York fliegen, um dort eine Woche lang über den Bürgerkrieg zu beraten.

"Schwierige Probleme" vor Ort für Journalisten

Bei der Verabschiedung des Leiters der UN-Beobachtermission äußerte sich der stellvertretende syrische Außenminister Fajsal Mekdad zum Tod der japanischen Journalistin Mika Yamamoto am Montag. Mekdad wies eine Schuld der Regierung am Tod der Frau zurück. Sie war die erste ausländische Journalistin, die seit Beginn der Kämpfe um Aleppo ums Leben kam. Rebellen erklärten, die Journalistin sei bei einer Einheit der Freien Syrischen Armee gewesen, als sie von Regierungssoldaten erschossen wurde. Mekdad wies das zurück: Yamamoto sei von "bewaffneten Gruppen" getötet worden. Der stelltvertretende Außenminister sagte außerdem, dass "jeder Journalist, der sich unverantwortlich verhält" diese "schwierigen Probleme" erwarten sollte.

Syrien garantiert Moskau keine Chemiewaffen einzusetzen

Auch nach dem Eingreifen der Armee setzten verfeindete Clans in der libanesischen Stadt Tripoli am Donnerstag ihre Kämpfe fort. Der dort seit Jahren schwelende Konflikt zwischen Sunniten und Alawiten, die in benachbarten Vierteln leben, erhielt zuletzt durch den Bürgerkrieg in Syrien neue Nahrung. Die Sunniten sympathisieren mit den syrischen Revolutionären. Die Alawiten unterstützen dagegen den alawitischen Präsidenten Assad.

Unterdessen hat das Syrien nach Angaben des russischen Syrien-Beauftragten Moskau garantiert, seine Chemiewaffen im gegenwärtigen Konflikt nicht einzusetzen. Der stellvertretende russische Außenminister Gennadi Gatilow sagte der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag, seine Regierung arbeite eng mit Damaskus zusammen, um sicherzustellen, dass das syrische Chemiewaffenarsenal an sicheren Orten verbleibe und nicht in die Hände von Terroristen falle.

US-Präsident Barack Obama hat eine militärische Intervention in Syrien für den Fall angekündigt, sollte das syrische Regime Chemiewaffen einsetzen. Gatilow erklärte, Russland teile mit den USA den Standpunkt, dass Chemiewaffen in dem Bürgerkrieg nicht eingesetzt werden dürfen.

Bewohner wehren sich gegen Bürgerkrieg

Doch mitten im Bürgerkrieg gibt es auch andere Initiativen. Die Bewohner eines Vorortes von Damaskus stemmen sich gegen ein Übergreifen de Krieges auf ihr Viertel. In einer Erklärung, die in dem rund 300.000 Einwohner zählenden Stadtteil Dscharamana in der Nacht zum Donnerstag verbreitet wurde, heißt es, die Bewaffnung der Bewohner des Viertels solle gestoppt werden. In Dscharamana leben Angehörige verschiedener Konfessionen, hauptsächlich Drusen, aber auch Angehörige der Ostkirchen, außerdem irakische Flüchtlinge, Palästinenser, Ismailiten, Alawiten und Armenier.

Hier geht es zur Infostrecke: Die wichtigsten Gruppierungen der syrischen Opposition

(dpa)