Südkorea: Mark Lippert wird von bewaffnetem Mann verletzt

Gesandter im Gesicht verletzt : Messerattacke auf US-Botschafter in Südkorea

Ein mit einem Messer bewaffneter Mann hat den US-Botschafter in Südkorea bei einem öffentlichen Auftritt attackiert. Der 42-jährige Gesandte Mark Lippert wurde am Donnerstagmorgen bei einer Vortragsveranstaltung in der Hauptstadt Seoul am Handgelenk und im Gesicht verletzt.

Der US-Botschafter in Südkorea, Mark Lippert, ist bei einer Messerattacke im Gesicht und am Handgelenk verletzt worden. Sein Zustand sei nach einer Operation stabil, teilte das US-Außenministerium am Donnerstag mit. Der 42-Jährige muss drei bis vier Tage im Krankenhaus bleiben. Der Angreifer, der lautstark die Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas gefordert hatte, wurde festgenommen. Die USA und Südkorea verurteilten die Attacke.

Bei dem Übergriff in einem Kulturzentrum in Seoul handelte es sich offenbar um eine politisch motivierte Tat. Der 55-jährige Angreifer skandierte der Polizei zufolge Anti-Kriegsparolen, als er überwältigt wurde. Lippert hatte erst im vergangenen Jahr das Amt des US-Botschafters in Südkorea angetreten. In Seoul gilt der Diplomat als populär. Früher diente er im Pentagon als Staatssekretär für Asien-Politik.

Ahn Yang Ok wurde Zeugin der Attacke. Der US-Botschafter habe sich vor einem Vortrag über die Friedensaussichten auf der geteilten koreanischen Halbinsel zum Frühstück niedergesetzt, als ein Mann von einem Nebentisch auf ihn zugestürmt und ihn mit einem Messer traktiert habe, sagte die Leiterin des koreanischen Lehrerverbands.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der überrascht dreinblickende Lippert auf seine blutüberströmte linke Hand starrt und seine rechte Hand über eine Schnittwunde in seiner rechten Gesichtshälfte hält.
Lippert wurde schnell zu einem Polizeiwagen gebracht und in eine Klinik gefahren. Zahlreiche Gäste stürzten sich auf den Angreifer.

Ein Polizeisprecher sagte, der Verdächtige sei schon in der Vergangenheit mit einer ähnlichen Aktion aufgefallen. 2010 habe er ein Stück Beton auf den japanischen Botschafter in Seoul geworfen.
Berichten zufolge verfehlte er aber den Diplomaten und traf stattdessen dessen Sekretärin. Wegen der Attacke wurde der Verdächtige im selben Jahr zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt wurde. Mit der Aktion hatte er gegen Japans Anspruch auf von Südkorea kontrollierte Inseln protestiert.

US-Präsident Barack Obama rief Lippert an, um ihm eine baldige Genesung zu wünschen, wie das Weiße Haus mitteilte. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye sagte, was passiert sei, sei nicht nur eine körperliche Attacke, "sondern ein Angriff auf das koreanisch-amerikanische Bündnis", der nicht geduldet werde.

Das Krankenhaus teilte mit, Lipperts Gesichtswunde sei mit 80 Stichen genäht worden. Sie sei elf Zentimeter lang und drei Zentimeter tief. Der Stich in seinen linken Arm habe Nervenbahnen verletzt, die seinen kleinen Finger und Sehnen mit seinem Daumen verbinden.

Die USA sind der engste Verbündete Südkoreas, militärische Schutzmacht und ein großer Handelspartner. Allerdings machen einige Südkoreaner die Anwesenheit von 28 500 im Süden stationierten US-Soldaten für die nicht endende Teilung verantwortlich. Diese Sicht verbreitet Nordkorea auch regelmäßig in den Staatsmedien.

(dpa)
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