Südkorea beschlagnahmt Schiff "Lighthouse Winmore" wegen Öl-Handels mit Nordkorea

Verstoß gegen UN-Sanktionen: Südkorea beschlagnahmt Schiff wegen Öl-Handels mit Nordkorea

Südkorea hält ein Schiff aus Hongkong fest - es soll heimlich Mineralölprodukte an ein nordkoreanisches Schiff geliefert haben. Das wäre ein Verstoß gegen UN-Sanktionen. Diesen Verdacht gibt es auch gegen russische Tanker.

Die "Lighthouse Winmore" sei beschlagnahmt und inspiziert worden, als sie am 24. November erneut den Hafen von Yeosu in Südkorea angefahren habe, berichteten südkoreanische Sender am Freitag. Im Oktober seien von dem Schiff schätzungsweise 600 Tonnen Mineralölerzeugnisse auf ein Schiff aus Nordkorea umgeladen worden. Ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul bestätigte die Berichte.

Eine UN-Resolution verbietet den Handel mit Nordkorea von Schiff zu Schiff. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte die entsprechende Verbotsresolution im September verabschiedet. Das wichtigste UN-Gremium reagierte damit auf den sechsten - und bisher stärksten - Atomtest Nordkoreas wenige Tage zuvor.

Die unter der Flagge Hongkongs fahrende "Lighthouse Winmore" wurde den Berichten zufolge von der taiwanesischen Firma Billions Bunker Group gechartert. Am 11. Oktober sei das Schiff in Yeosu gewesen, um japanische Ölerzeugnisse aufzunehmen. Als Ziel des Schiffes sei Taiwan angegeben worden. Stattdessen seien die Ölprodukte jedoch in internationalen Gewässern auf das nordkoreanische Schiff "Sam Jong 2" sowie drei weitere Schiffe umgeladen worden.

Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll die "Lighthouse Winmore" etwa sechs Monate in Südkorea bleiben, bevor sie das Land wieder verlassen kann.

Verdacht gegen russische Tanker

Russische Tanker haben Insidern zufolge in den vergangenen Monaten mindestens dreimal Nordkorea mit Treibstoffen versorgt. Dabei hätten die Schiffe auf hoher See ihre Ladung an nordkoreanische Tanker übergeben, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus hochrangigen westeuropäischen Sicherheitskreisen.

Der Verkauf von Öl oder Ölprodukten aus Russland verstoße gegen UN-Sanktionen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der russische Staat an den Transfers beteiligt gewesen sei, sagte einer der Insider. Das russische Außenministerium und der russische Zoll lehnten eine Stellungnahme am Mittwoch ab. Der Eigentümer eines der Schiffe, das verdächtigt wird, Öl nach Nordkorea geschmuggelt zu haben, wies derartige Aktivitäten zurück.

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Reuters konnte die Informationen nicht unabhängig bestätigen. Die beiden Insider beriefen sich auf Geheimdienstinformationen und Satellitenbilder der Schiffe, die von den russischen Pazifikhäfen ausgelaufen seien. Nähere Angaben machten sie aus Geheimhaltungsgründen nicht. Aus Satellitendaten, die über Reuters erhältlich sind, gehen jedoch ungewöhnliche Aktivitäten bei einigen der Schiffe vor, die von den Insidern genannt wurden. So schalteten die Tanker ihre Transponder ab, welche üblicherweise die genaue Position bekanntgeben.

Nordkorea wirft USA Erpressung vor

Nordkorea kündigte eine Fortsetzung seines Atomwaffenprogramms an. Das Land werde niemals seine Atomwaffen aufgeben, solange die USA und deren Verbündete ihre "Erpressung und Kriegsübungen" in der Nähe Nordkoreas fortsetzten, hieß es am Samstag in einem Artikel der Staatsagentur KCNA.

Nordkorea habe Schritte unternommen, um angesichts der anhaltenden "atomaren Bedrohung und Erpressung und Kriegsübungen" der USA und ihrer "Vasallen" die "Fähigkeiten zur Selbstverteidigung und zu Präventivschlägen mit atomarer Kraft zu stärken", hieß es in dem KCNA-Artikel über die nordkoranischen Atomwaffen- und Raketentests im Jahr 2017. Nordkorea hat sich schon mehrfach ähnlich geäußert.

"Als verantwortungsbewusster Atomwaffenstaat wird die DVRK den historischen Trend zum einzigen Weg der Unabhängigkeit anführen", schrieb KCNA. DVRK steht für Demokratische Volksrepublik Korea, die offizielle Bezeichnung des Landes.

Nordkorea führte im September seinen bislang stärksten Atomtest durch und testete im Juli und November insgesamt drei Interkontinentalraketen. Angesichts von Befürchtungen, dass es eventuell bald zu spät sein könnte, um das Atomprogramm zu stoppen oder zurückzuschrauben, hat die internationale Gemeinschaft mit Sanktionen auf die Tests reagiert.

(wer)