Flugaffäre um Boliviens Präsident Morales: Südamerikanische Staaten fordern Entschuldigung

Flugaffäre um Boliviens Präsident Morales : Südamerikanische Staaten fordern Entschuldigung

Präsidenten von fünf lateinamerikanischen Staaten haben bei einem Sondertreffen über die Flugaffäre um den bolivianischen Präsidenten Evo Morales eine Entschuldigung von Frankreich, Italien, Portugal und Spanien verlangt. Diese Länder hatten am Dienstag ihren Luftraum für die bolivianische Präsidentenmaschine auf dem Flug von Moskau nach La Paz gesperrt und Morales so zu einem unfreiwilligen Zwischenaufenthalt in Wien gezwungen.

In der Abschlusserklärung des Treffens in der bolivianischen Stadt Cochabamba hieß es am Donnerstag, Argentinien, Ecuador, Uruguay und Surinam würden Boliviens Beschwerde bei der UN-Menschenrechtskommission unterstützen.

Morales sagte nach seiner Odyssee im europäischen Luftraum, er erwäge die Schließung der US-Botschaft in seinem Land.

Der in Moskau im Transitbereich eines Flughafens festsitzende ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden wurde in seinem Flugzeug vermutet, nachdem Morales in der russischen Hauptstadt gesagt hatte, er würde einen Asylantrag Snowdens prüfen lassen.

Bolivien und die USA hatten erst 2011 wieder ihre diplomatischen Beziehungen aufgenommen, nachdem 2008 der US-Botschafter wegen Differenzen bei der Bekämpfung des Rauschgifthandels ausgewiesen worden war. "Wenn notwendig, werden wir die Botschaft der Vereinigten Staaten schließen", sagte er. "Wir brauchen die Botschaft der Vereinigten Staaten nicht."

"Volle Unterstützung" zugesagt

Der unplanmäßige Zwischenstopp in Wien hat in Lateinamerika Empörung ausgelöst und belastet auch die Beziehungen zu Europa. Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa sagte im Namen aller Teilnehmer, sie hätten Morales ihre "volle Unterstützung" zugesagt.

"Die Regierungen und Behörden in Europa müssen eine Geschichtsstunde nehmen und lernen, dass wir nich 500 jahre zurück sind", sagte Correa. "Das Lateinamerika des 21. Jahrhunderts ist unabhängig, würdevoll und souverän."

Die argentinische Präsidentin Christina Fernandez betonte, den Lateinamerikanern sei die Freiheit nach den Unabhängigkeitskämpfen von europäischen Kolonialmächten im 19. Jahrhundert und den von den USA im 20. Jahrhundert unterstützten autoritären Regimen ein hohes Gut.

"Das ist das Mindeste, was sie tun können"

Sie verlangte eine Entschuldigung für den Zwischenfall mit der bolivianischen Präsidentenmaschine. "Ich bitte jene, die gegen das Recht verstoßen haben, in einer ruhigen aber ernsten Weise, sich für die gemachten Fehler zu entschuldigen," sagte Fernandez. "Das ist das Mindeste, was sie tun können."

Der venezolanische Präsident Nicolas Madira protestierte gegen Versuche spanischer Diplomaten, die bolivianische Präsidentenmaschine nach Snowden zu durchsuchen. Frankreich hat sich inzwischen offiziell bei Bolivien entschuldigt.

Morales sagte: "Entschuldigungen sind nicht genug, weil der Standpunkt ist, dass internationale Abkommen respektiert werden müssen." Bolivien will die Botschafter Frankreichs, Italiens und Portugals einbestellen, um Erklärungen zu verlangen, hieß es.

(ap)
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