Sudans Militär will „wichtige“ Erklärung abgeben

Anhaltende Proteste : Sudans Militär will „wichtige“ Erklärung abgeben

Seit 30 Jahren ist Al-Baschir im Sudan an der Macht - jetzt könnte dies zu Ende gehen. Gespannt warten die Sudanesen auf eine Mitteilung des Militärs. Doch die Menschen auf den Straßen feiern jetzt schon.

Drei Jahrzehnte lang war Omar al-Baschir (75) autoritärer Staatschef im Sudan, jetzt zeichnet sich womöglich ein Machtwechsel ab. Die staatlichen Sender kündigten am Donnerstagmorgen eine „wichtige“ Mitteilung der Streitkräfte an. Noch mehrer Stunden danach ließ diese weiter auf sich warten. Die Ankündigung weckte Erwartungen, dass das Militär die Proteste gegen Al-Baschir und die Rücktrittsforderungen ansprechen wird und einen möglichen Machtwechsel ankündigt. Als Beleg dafür wurde auch angeführt, dass der Langzeitpräsident sich den ganzen Tag über nicht äußerte.

Etliche Sudanesen gingen schon davon aus, dass Al-Baschir nicht mehr im Amt ist. Tausende Menschen gingen am Donnerstag auf die Straße und feierten, wie ein dpa-Reporter berichtete. Etlich liefen demnach mit der Flagge Sudans durch die Straßen oder riefen Parolen wie, „endlich werden wir das Al-Baschir-Regime los“. Tausende Menschen strömten auf den Platz vor der Zentrale der Streitkräfte in Khartum, auf dem Demonstranten seit Samstag mit einer Sitzblockade protestierten.

Die Lage war am Donnerstagmittag noch unklar. Auch wo sich der 75-jährige Al-Baschir aufhielt war unklar. Nach unbestätigten Informationen soll er entweder unter Hausarrest stehen oder sich auf den Weg nach Saudi-Arabien gemacht haben.

Seit Monaten demonstrieren Zehntausende gegen den Langzeitpräsidenten, der das Land im Nordosten Afrikas seit 1989 mit harter Hand regiert. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch die schwere Wirtschaftskrise, in der sich das Land seit Jahren befindet - vor allem wegen der Abspaltung des ölreichen Südsudans 2011. Ende vergangenen Jahres kürzte die Regierung dann Benzin- und Brotpreise. Tausende protestierten dagegen in mehreren Städten.

Doch die Proteste richteten sich zunehmend gegen den 75 Jahre alten Präsidenten selbst. Al-Baschir versuchte zunächst gegenzusteuern: Im Februar verhängte er einen Ausnahmezustand, löste seine Regierung und die der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Dies entschärfte die Lage aber nicht.

Die Proteste spitzten sich seit dem Wochenende zu, Tausende Menschen versammelten sich täglich zu einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte, die auch gleichzeitig die Residenz von Al-Baschir ist. Sicherheitskräfte gingen teilweise mit scharfer Munition vor und töteten einem Ärzteverband zufolge mindestens 21 Menschen. Dabei stellten sich Angaben aus Khartum zufolge auch Teile der Streitkräfte auf die Seite der Demonstranten und lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften.

Der Sudan ist einem UN-Index zufolge eines der 25 ärmsten Länder der Welt. Bis zur Abspaltung des Südsudans war die Wirtschaft stark vom Öl abhängig, dies machte der Weltbank zufolge die Hälfte der Staatseinnahmen und 95 Prozent der Exporte aus. Doch 2011 verlor der Sudan die meisten Ölfelder. In diesem Jahr wird laut des Internationalen Währungsfonds IWF mit einem Wirtschaftswachstum von -2,3 Prozent gerechnet. In dem Land, das etwa fünf Mal größer ist als Deutschland, leben rund 41 Millionen Menschen.

(zim/dpa)
Mehr von RP ONLINE