Putschversuch in Guinea-Bissau: Streitkräfte bringen Hauptstadt unter Kontrolle

Putschversuch in Guinea-Bissau : Streitkräfte bringen Hauptstadt unter Kontrolle

Die Streitkräfte von Guinea-Bissau haben am Donnerstagabend offenbar das Zentrum der Hauptstadt des westafrikanischen Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Das Haus des Ministerpräsidenten Carlos Gomes Junior in Bissau wurde nach Angaben aus Militärkreisen mit Granaten beschossen.

Zum Verbleib des Ministerpräsidenten und des Präsidenten Raimundo Pereira wurden keine Angaben gemacht.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Zuständen. Etwa zwei Stunden lang seien Schüsse zu hören gewesen. Die regionale Staatengemeinschaft ECOWAS erklärte in der Nacht zum Freitag, sie verurteile "jeden Versuch eines Putsches".

Der Kommissionspräsident der Gemeinschaft, Kadré Désiré Ouédraogo, sagte, die Kommission missbillige die Einmischung des Militärs in die Politik. Es handele sich um einen unverantwortlichen Akt, der den Willen der Militärs unterstreiche, Guinea-Bissau als einen gescheiterten Staat zu erhalten.

Ob die Aktionen des Militärs tatsächlich ein Putschversuch waren, blieb zunächst unklar. Allerdings folgte das Vorgehen dem Muster bei früheren Staatsstreichen in der Region. Vor den Schüssen fiel wie bei anderen Umstürzen auch in der Hauptstadt Bissau das Radiosignal aus. In Mali übernahmen meuternde Soldaten im vergangenen Monat das Staatsfernsehen, nachdem sie den Präsidentenpalast gestürmt hatten.
Vor den Kameras verkündeten sie ihre Machtübernahme.

Mörserfeuer in der Hauptstadt

Kurz nach dem Ausfall des Radiosenders am frühen Abend war Mörserfeuer zu hören. "Ich bin im Büro, und es wird verhindert, dass ich es verlasse", sagte der Diplomat, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP am Telefon. Die Innenstadt sei vom Militär abgeriegelt worden, die Aufenthaltsorte des Ministerpräsidenten und des Interimspräsidenten seien nicht bekannt.

Die Soldaten seien von Botschaft zu Botschaft gegangen, um zu verhindern, dass Politiker dort Zuflucht suchen könnten, sagte der Anwohner Edmond Ajoye, der im Land für eine niederländische Hilfsorganisation arbeitet.

Von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr seien in der Stadt Schüsse zu hören gewesen. "Es herrschte Panik. Frauen rannten umher", sagte Ajoye. Raketen seien abgefeuert worden, und Soldaten hätten von Lastwagen aus mit ihren Gewehren geschossen.

Wahlen waren für Ende April geplant

Wie im Fall Mali stehen auch in Guinea-Bissau Wahlen unmittelbar bevor. Für den 29. April ist eine Stichwahl um die Präsidentschaft geplant. Ministerpräsident Carlos Gomes Junior soll dabei gegen den ehemaligen Präsidenten Kumba Yala antreten.

Yala hatte kürzlich verkündet, er werde die Wahl boykottieren. Die vorgezogenen Wahlen waren nach dem Tod von Präsident Malam Macai Sanha im Januar notwendig geworden. Seither wuchs die Angst vor einem Coup.

Seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1974 hat es in Guinea-Bissau immer wieder Staatsstreiche und auch einen Bürgerkrieg gegeben. Zuletzt wurde das westafrikanische Land zusätzlich durch wachsenden Kokain-Handel destabilisiert.

Drogenschmuggler aus Südamerika entdeckten die unbewohnten Inseln vor der Küste des Landes vor einigen Jahren als idealen Umschlagplatz für den Transport der Drogen nach Europa. Die Drogenschmuggler haben nach Angaben von Experten auch Schlüsselpersonen in der Regierung und beim Militär bestochen und sich damit großen Einfluss erkauft.

(APD)