Streit um Jerusalem: Tote und Verletzte bei blutigen Unruhen im Heiligen Land

Streit um Jerusalem: Ein Toter und 480 Verletzte bei blutigen Unruhen in Israel

Brennende US-Flaggen, brennende Reifen, Steinwürfe auf israelische Soldaten - der aufgestaute Frust der Palästinenser hat sich nach den Freitagsgebeten in Jerusalem, im Westjordanland und im Gazastreifen entladen.

Ein 30-jähriger Palästinenser starb am Nachmittag bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften. Mindestens 760 Menschen wurden verletzt, 261 davon erleiden Schusswunden, die Mehrheit durch Gummimantelgeschosse. US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch in einem historischen Alleingang Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt.

"Die Waffe des Widerstands wird ein Gesetz für die Befreiung Palästinas bleiben, die Befreiung Jerusalems und der Al-Aksa-Moschee", sagt Achmad Bahar, ein führender Vertreter der radikal-islamischen Hamas, während der Freitagsgebete. Hamas-Chef, Ismail Hanija, hatte für Freitag zum Beginn eines neuen Palästinenseraufstands (Intifada) aufgerufen.

Am Samstag jährt sich der Beginn der ersten Intifada zum 30. Mal. Von 1987 bis 1993 verloren etwa 2200 Palästinenser und 200 Israelis ihr Leben. Bei der "Al-Aksa-Intifada" von 2000 bis 2005 wurden 3500 Palästinenser getötet, mehr als 1000 Israelis starben bei Anschlägen von Palästinensern.

Der sensibelste Punkt im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist der Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt. Er ist Juden wie Muslimen heilig. Der Felsendom und die Al-Aksa-Moschee auf dem Hügel bilden das drittwichtigste islamische Heiligtum. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist die wichtigste religiöse Stätte für Juden weltweit.

Möglichkeiten für Gewalt sind begrenzt

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Jerusalem-Experte Daniel Seidemann erwartet trotz des Aufrufs zur nächsten Intifada keine neue Welle der Gewalt im Heiligen Land. "Ich denke, die apokalyptische Vision einer Explosion ist übertrieben", sagt Seidemann. "Israel hat die Sicherheitskontrolle über Ost-Jerusalem und das Westjordanland, die Möglichkeiten für Gewalt sind begrenzt." Allerdings seien Vorhersagen immer schwierig. Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen griffen die israelischen Streitkräfte am Donnerstagabend Stützpunkte der dort herrschenden Hamas an.

Mit dem Einbruch der Dunkelheit und sinkenden Temperaturen schien sich die Lage am Freitag bereits etwas zu beruhigen. Die Proteste klangen langsam ab. "Palästinenser haben alles versucht, von Flugzeugentführungen über Militäraktionen, friedlichen Aktionen, Verhandlungen, Sicherheitskooperationen mit Amerika", sagt der Palästinenser Achmed Budiri, 39, auf dem Weg zur Al-Aksa-Moschee. "Sie haben alles versucht, aber am Ende des Tages hat nichts zu einem palästinensischen unabhängigen Staat geführt."

Israel hatte 1967 während des Sechs-Tage-Kriegs unter anderem das Westjordanland und den arabischen Ostteil Jerusalems erobert. Das Westjordanland kontrolliert es bis heute, Ost-Jerusalem hat Israel annektiert. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt, was international nicht anerkannt wird.

Die Palästinenser sehen dagegen in Ost-Jerusalem die künftige Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates, der das Westjordanland und den Gazastreifen umfasst. Allerdings leben schon heute in Ost-Jerusalem und im Westjordanland mehr als 600.000 jüdische Siedler - weitere 6000 Wohnungen will Israel laut Medienberichten nun in Ost-Jerusalem bauen. Es wäre der erste große Entwicklungsplan dort seit 20 Jahren, schreibt die "Times of Israel".

Jerusalem-Experte Seidemann sieht das Problem mit Trumps Entscheidung darin, dass der US-Präsident damit den Palästinensern einen entscheidenden Verhandlungsposten genommen habe. "Die Palästinenser sind bereits in einer schwächeren Position, jetzt sind sie noch schwächer", sagt Seidemann. "Die Destabilisierung wirkt auf lange Sicht, wenn die Menschen alle Hoffnung verlieren, dann steigt das Potenzial für Gewalt."

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(felt)