Streit um Jerusalem: Israel attackiert Gazastreifen aus der Luft

Gewalt in Nahost: Israel attackiert Gazastreifen aus der Luft

Nach den Unruhen im Heiligen Land mit Toten und Verletzten herrscht Sorge vor weiterer Gewalt: Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete traf die israelische Stadt Sderot. Kampfjets griffen die Hamas an. Trump ruft zu Mäßigung auf.

Bei israelischen Luftangriffen sind nach Angaben aus dem Gazastreifen zwei Mitglieder der radikalislamischen Hamas getötet worden. Das israelische Militär teilte mit, es habe am Samstagmorgen vier Hamas-Einrichtungen angegriffen. Es habe auf Raketenbeschuss vom Freitag reagiert, bei dem ein Geschoss in der israelischen Stadt Sderot eingeschlagen war, ohne größere Schäden oder Opfer zu verursachen. Das Militär bombardierte nach eigenen Angaben militärische Lagerhallen und Stätten für die Waffenherstellung.

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Israel gibt der Hamas für jeglichen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen die Schuld. Im Gazastreifen sind auch andere bewaffnete Gruppen angesiedelt. Die Angriffe von Freitag und Samstag erfolgten nach der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel durch US-Präsident Donald Trump.

Am Samstag lieferten sich Palästinenser im Westjordanland und entlang der Grenze zum Gazastreifen erneut Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten. Es handelte sich um den dritten und letzten von palästinensischer Seite ausgerufenen "Tags des Zorns".

Demos auch in Europa

Nach Angaben des israelischen Militärs kam es in knapp 20 Orten zu Auseinandersetzungen. In Bethlehem warfen Demonstranten Steine auf israelische Soldaten, die daraufhin Tränengas, Gummigeschosse und Blendgranaten einsetzten. Bei Unruhen in verschiedenen Orten an der Grenze zum Gazastreifen wurden 20 Personen leicht verletzt, während 4000 Demonstranten in Gaza-Stadt protestierten. Auch in Pakistan, der Türkei sowie in Rom kamen Palästinenser und ihre Unterstützer zu Kundgebungen gegen Trumps Entscheidung zusammen.

Zu der Demonstration vor der US-Botschaft in Rom kamen am Samstag auch mehrere Amerikaner. Einige Italiener kritisierten, dass der Giro d'Italia, die wichtigste Radrundfahrt des Landes, im nächsten Jahr ausgerechnet in Jerusalem beginnen soll. Viele Demonstranten hatten palästinensische Flaggen bei sich, einige riefen Parolen gegen Israel. Auf einem Schild stand geschrieben: "Jerusalem ist die ewige Hauptstadt des Staates Palästina."

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Bislang vier Tote in Palästinensergebieten

Bei Unruhen in den Palästinensergebieten wurden bislang vier Menschen getötet, Hunderte weitere wurden verletzt. Das türkische Außenministerium verurteilte das israelische Vorgehen gegen Demonstranten als "exzessiv" und "unverhältnismäßig". Präsident Recep Tayyip Erdogan rief Muslime in aller Welt auf, bei ihrer Reaktion auf Trumps Entscheidung ruhig zu bleiben. Demonstrationen sollten im Rahmen der Gesetze und der Demokratie ablaufen, sagte er am Samstag in Istanbul.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas wird US-Vizepräsident Mike Pence bei dessen Besuch in diesem Monat im Nahen Osten wegen der Jerusalem-Kontroverse nicht treffen. Das sagte Abbas' diplomatischer Berater Madschdi Chaldi am Samstag der Nachrichtenagentur AP. Abbas werde mit Pence nicht im Westjordanland zusammenkommen, "weil die Vereinigten Staaten rote Linien überschritten haben".

Die am Mittwoch bekanntgegebene Entscheidung von Trump bricht mit der bisherigen US-Politik. Israel will nach eigenen Angaben keinen Teil der Stadt abgeben, die Palästinenser wollen den von Israel annektierten östlichen Sektor als ihre künftige Hauptstadt. International sind sich Beobachter einig, dass das Schicksal der Stadt bei Verhandlungen festgelegt werden sollte.

Abbas hatte enge Beziehungen zu Washington als strategisch wichtig betrachtet, weil die USA ein Vermittler im Nahen Osten gewesen sind.
Dass er Pence die kalte Schulter zeigt, signalisiert eine deutliche Verschlechtrtung des Verhältnisses.

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(wer)