Streiks in Frankreich: Züge stehen still, Stau in Paris

Auch deutsche Züge betroffen : Streiks bringen Verkehr in Frankreich zum Stillstand

In Frankreich gibt es am Donnerstag Massenproteste gegen die geplante Rentenreform. Im öffentlichen Nah- und Fernverkehr herrscht weitgehend Stillstand, in Paris gibt es lange Staus.

Die meisten Züge fahren nicht, die Schulen sind geschlossen: In ganz Frankreich haben Gewerkschaften am Donnerstag zum Generalstreik wegen der geplanten Rentenreform aufgerufen. Die Protestbewegung der Gelbwesten schloss sich einer Großdemonstration in Paris an, für die vorab 6000 Einsatzkräfte von der Polizei bereitgestellt wurden. Sie kontrollierte mehr als 3000 Protestierende vor Beginn der Demo und nahm 18 Personen in Gewahrsam.

Anderswo in Frankreich marschierten Tausende Gewerkschafter in roten Westen durch Städte wie Marseille am Mittelmeer und Lille im Norden. Präsident Emmanuel Macron hält die Rentenreform für unabdingbar, um Frankreich im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähig zu halten. Die Regierung argumentiert, die 42 Rentensysteme im Land müssten angeglichen werden. Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Sektor befürchten dagegen, die Reformpläne könnten zu mehr Arbeitsjahren und Kürzungen bei der Rente führen. Die große Frage ist, wie lange der Generalstreik dauern wird. Die Gewerkschaften hoffen auf eine mindestens eine Woche lange Ausnahmesituationen, um die Regierung zu Zugeständnissen zu bewegen.

Aus dem Präsidentenpalast verlautete, Macron respektiere das Streikrecht, halte aber nach wie vor an der Reform fest, die er bereits 2017 im Wahlkampf vorgestellt habe.

In Paris waren U-Bahnen nicht in Betrieb, was den Straßenverkehr zusätzlich belastete. Viele Pendler fuhren per Rad oder E-Scooter zur Arbeit, andere blieben gleich ganz zu Hause mit den Kindern - da sich auch 78 Prozent der Lehrer in Paris am Streik beteiligen wollten.

Entlang der Demonstrationsroute wies die Polizei alle Geschäfte, Cafés und Restaurants an, zu schließen. Die Behörden verboten außerdem Proteste auf den Champs-Élysées, am Präsidentenpalast, am Parlament sowie an der Kathedrale Notre-Dame.

Derweil standen unvorbereitete Touristen am Donnerstag auf leeren Bahnsteigen - das nationale Bahnunternehmen SNCF strich neun von zehn Hochgeschwindigkeitszüge. Ein Fünftel aller Flüge sei am Boden geblieben, verkündete die Luftfahrtbehörde.

Die Arbeitsniederlegungen wirken sich nicht nur auf den Nahverkehr vor Ort aus. Die französische Bahngesellschaft SNCF strich nach eigenen Angaben 90 Prozent der TGV-Schnellzüge, auch die Deutsche Bahn warnte ihre Kunden: "An den Streiktagen finden im Fernverkehr keine Zugfahrten von und nach Frankreich statt." Sie bat Reisende, sich entsprechend auch in den kommenden Tagen online über ihre Verbindungen zu informieren.

An Pariser Sehenswürdigkeiten wie dem Louvre wurden Touristen vor Störungen durch den Streik gewarnt, etliche Reisende sagten ihre Besuchspläne ab.

Der New Yorker Tourist Ian Crossen zeigte sich frustriert über den Streik. Er habe am Flughafen zwei Stunden auf den Zug gewartet, der nicht gekommen sei. Er habe viel Geld für seinen Urlaub ausgegeben.

Der Bahnarbeiter Gilles Pierre wollte indes am Streik teilnehmen. Das aktuelle System sei zwar großzügig, aber das sei auch eine faire Entschädigungen für Mehrbelastungen, die Jobs wie seiner mit sich brächten - wie etwa das Arbeiten am Wochenende und in der Ferienzeit. Fünf Wochen bezahlter Urlaub, die staatliche Gesundheitsversorgung - dies alles sei im gesellschaftlichen Kampf von Menschen erreicht worden, die dafür finanzielle Opfer gebracht hätten. Der 41-jährige Pierre, der unter dem aktuellen System mit 52 Jahren in Rente gehen kann, fragte: „Was wollen wir für unsere Rentnerjahre? Es genießen, oder wollen wir im Krankenhaus oder im Bett liegen und nicht in der Lage sein, es zu genießen?“

Ähnlich äußerte sich Joseph Kakou, der nach einer Nachtschicht im Westen von Paris eine Stunde lang nach Hause laufen mussten, weil der öffentliche Nahverkehr stillstand. „Wir haben keinen Gefallen am Laufen, es gefällt uns nicht, zu streiken. Aber wir müssen es tun, weil wir nicht arbeiten können bis wir 90 Jahre alt sind“, sagte er der Nachrichtenagentur AP.

(jco/AP)