Gewalt in Syrien dauert an: Staatsanwalt und Richter erschossen

Gewalt in Syrien dauert an : Staatsanwalt und Richter erschossen

Im Nordwesten Syriens haben Bewaffnete laut einem Bericht der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana am Sonntag einen ranghohen Staatsanwalt und einen Richter getötet.

Die Täter hätten das Feuer auf ein Auto eröffnet, in dem die beiden Männer saßen. Außer dem Staatsanwalt der Provinz Idlib und dem Richter sei auch ihr Fahrer erschossen worden, alle drei seien sofort tot gewesen.

Aufständische kontrollieren Teile der Provinz, die an die Türkei grenzt. Sie ist eine der Regionen, die vom Vorgehen der Truppen der Regierung von Präsident Baschar Assad gegen Aufständische besonders betroffen ist.

Tags zuvor wurde laut Sana ein Mitglied des Stadtrats von Aleppo erschossen. Die im Norden des Landes gelegene größte syrische Stadt gilt als eines der Zentren der Anhänger von Assad, dort blieb es seit Beginn der Proteste im vergangenen März vergleichsweise ruhig. Der Stadtrat wurde in der Nähe von Aleppo getötet.

Angriffe auf Homs gehen weiter

Unterdessen setzten Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten am Sonntag den Beschuss des Viertels Baba Amr in der Stadt Homs fort. Sicherheitskräfte Assads greifen das Viertel seit dem 4. Februar an. Die Stadt ist eine der Hochburgen der Proteste gegen das Regime.

Regierungstruppen hätten auch die im Osten gelegene Stadt Suchna gestürmt, teilte das in London ansässige syrische Observatorium für Menschenrechte weiter mit. Dort hätten sie nach untergetauchten Oppositionsmitgliedern gesucht. Dabei sei eine Frau erschossen worden.

Sanktionen zeigen Wirkung

Die internationalen Sanktionen im Syrien-Konflikt lähmen nach Einschätzung eines führenden syrischen Geschäftsmanns das Land nach und nach. Das Land erhalte zwar "ziemlich viel Geld" vom Iran, sagte der Unternehmer Faisal al-Kudsi am Sonntag dem britischen Rundfunksender BBC. Dies sei aber nicht genug. Durch den Zusammenbruch des Tourismus kurz nach Beginn der Proteste Mitte März und die im November gestoppten Öllieferungen sei das Bruttoinlandsprodukt insgesamt um 45 Prozent gesunken.

Am Druck der Protestbewegung zerbröckele die amtierende Führung derzeit langsam, sagte al-Kudsi, dessen Vater Nasim al-Kudsi als syrischer Präsident zwischen 1961 und 1963 die wirtschaftliche Öffnung des Landes maßgeblich mit vorangetrieben hatte. Der Regierungsapparat sei in "Krisenherden" wie Homs, Idleb und Daraa "kaum noch vorhanden". Es gebe keine Justiz mehr und die Polizei interessiere sich nicht für Straftaten. Das ziehe die Regierung "sehr, sehr schwer" in Mitleidenschaft. Die Sanktionen träfen aber nicht nur die Führung um Präsident Baschar al-Assad, sondern das gesamte Land.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Baschar Al-Assad

(APD/AFP)
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