1. Politik
  2. Ausland

Anschläge in Afghanistan: SPD-Linke denkt an deutschen Ausstieg

Anschläge in Afghanistan : SPD-Linke denkt an deutschen Ausstieg

Berlin (RPO). Der tödliche Anschlag auf die deutschen Polizisten hat eine Debatte um die Zukunft des deutschen Afghanistan-Engagements ausgelöst. Die SPD-Linke fordert einen Ausstieg aus der US-geführten Anti-Terror-Mission "Operation Enduring Freedom", Terrorismusexperten wollen die Truppenstärke hingegen weiter erhöhen.

Der Vorsitzender der SPD-Linken im Parlament, Ernst Dieter Rossmann, sagte am Donnerstag im RBB-Inforadio, Deutschland solle sich darauf beschränken, Hilfe zum Wiederaufbau Afghanistans zu leisten.

"Vertretbar halte ich, dass wir Hilfe zur Selbsthilfe für eine begrenzte Zeit so geben, dass in Afghanistan eine dortige Regierung einen Mindestrahmen an staatlicher Ordnung und Sicherheit gewährleisten kann", betonte er.

Ziel von "Enduring Freedom" sei es dagegen gewesen, Terroristen zu bekämpfen. "Das kann ich sechs Jahre nach dem 11. September 2001 nicht mehr in der Form erkennen, deshalb sollten wir uns auf ISAF konzentrieren", sagte Rossmann.

ISAF-Stabschef Bruno Kasdorf sagte, eine Verstärkung der 40.000 Soldaten zählenden Unterstützungstruppe halte er für wünschenswert und wichtig. Ähnlich äußerte sich der Terrorismusforscher Rolf Tophoven. Die Polizeigewerkschaft GdP warnte vor weiteren Anschlägen.

Tophoven will ISAF-Truppen mit 200.000 Mann

Kasdorf verwies in der "Welt" auf Anschläge, die Drogenkriminalität und die Macht regionaler Clanchefs. "Wenn es ... nicht genügend Sicherheitskräfte gibt, ist die Befriedung ausgesprochen schwer und langwierig." Der Generalmajor betonte, die zusätzlichen Soldaten müssten nicht zwingend aus Deutschland kommen. Das NATO-Hauptquartier sollte entsprechende Ersuchen an alle Mitglieder des Bündnisses richten.

"Die Taliban sind besser aufgestellt als früher, das ganze Land ist mit Spähtrupps überzogen. Kein ausländischer Soldat, kein Polizist verlässt die Kasernen oder Reviere, ohne dass dies bemerkt und von Spähern an diverse Widerstandsgruppen weitergegeben wird", sagte Tophoven.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte vor weiteren Attentaten. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass das nicht der letzte Anschlag sein wird", sagte ihr Vorsitzender Konrad Freiberg dem Nachrichtensender n-tv.

Die drei als Botschaftsbewacher eingesetzten Polizisten waren am Mittwoch bei Kabul ums Leben gekommen, als ihr Fahrzeug auf einen Sprengsatz fuhr. Ein vierter Polizist wurde verletzt. Die Bundesregierung zeigte sich trotz der Bluttat entschlossen, an ihrem Engagement zum Wiederaufbau Afghanistans festzuhalten.

An der Trauerfeier für die getöteten Polizisten wird am Samstag in Berlin auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble teilnehmen, wie eine Ministeriumssprecherin der AP auf Anfrage sagte.

Hier geht es zur Infostrecke: Elf Fragen zu deutschen Soldaten, Polizisten und humanitären Helfern in Afghanistan