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Sozialdemokrat Zoran Milanovic gewinnt Präsidentenwahl in Kroatien

53 Prozent der Stimmen : Sozialdemokrat Milanovic gewinnt Präsidentenwahl in Kroatien

Die Amtsinhaberin Grabar-Kitarovic inszenierte sich als Landesmutter. Der Herausforderer der Linken ist für seine barsche Art berüchtigt - und warb für sich als „Präsident mit Charakter“. Das scheint die Mehrheit der Kroaten stärker überzeugt zu haben.

Der Sozialdemokrat Zoran Milanovic hat die Präsidentenwahl in Kroatien deutlicher als erwartet gewonnen. Mit knapp 53 Prozent der Stimmen bezwang er die amtierende konservative Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, wie die kroatische Wahlkommission am Sonntagabend nach Auszählung fast aller Stimmen in Zagreb mitteilte. Die Amtsinhaberin vereinte etwas mehr als 47 Prozent der Wähler auf sich. Damit lag sie um 106 000 Stimmen hinter Milanovic. In den letzten Umfragen hatte der Sieger einen Vorsprung von lediglich einem Prozentpunkt.

Milanovic wandte sich am späten Sonntagabend im Zagreber Hauptquartier seines Wahlkampfstabes an seine Anhänger. „Zoki! Zoki!“-Rufe - als Koseform des Vornamens Zoran - unterbrachen seine dennoch merklich unpathetische Ansprache. „Ich beanspruche keine Macht, mit mir wird es keine Intrigen und geheimen Abmachungen geben“, erklärte er. In seinem neuen Amt betrachte er die politischen Parteien als gleichrangig, „denn wir haben eine parlamentarische Demokratie“. Alles andere würde nur in Willkür und Tyrannei führen. Maßstab seines Handelns seien allein die Verfassung und die Gesetze.

EU-Ratspräsident Charles Michel gratulierte Milanovic via Twitter zu seinem Sieg. „Ich glaube, dass Kroatien zur künftigen Entwicklung der Europäischen Union beitragen wird.“ Dies gelte insbesondere für die jüngst angelaufene EU-Ratspräsidentschaft des Landes.

Milanovic hatte bereits die erste Runde der Präsidentenwahl vor zwei Wochen mit 29,6 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Grabar-Kitarovic hatte 26,7 Prozent der Wähler auf sich vereint. Die amtierende Präsidentin hoffte aber noch auf Stimmen aus der Anhängerschaft des ultra-rechten Volksliedmusikers Miroslav Skoro. Er war in der ersten Runde mit 24,4 Prozent der Stimmen als Drittplatzierter relativ knapp ausgeschieden.

Im Wahlkampf spielten Themen wie die ineffiziente Regierungsführung und massive Auswanderung eine große Rolle. Grabar-Kitarovic war mit dem Bonus der amtierenden Präsidentin ins Rennen gegangen. Kritiker bemängelten jedoch, sie mache nicht einzuhaltende Versprechungen und biedere sich an.

Auf internationaler Ebene hatte Grabar-Kitarovic durch ihre Kuss-Attacken nach dem Fußball-WM-Finale 2018 in Moskau Aufsehen erregt. Frankreich hatte damals den Außenseiter Kroatien besiegt. Mit dem Trikot der kroatischen Nationalmannschaft bekleidet, hatte die Präsidentin aus Zagreb zuerst ihren französischen Amtskollegen Emmanuel Macron und dann alle Spieler auf dem Feld und die Schiedsrichter abgeküsst.

Milanovic wiederum versprach „Normalität“ angesichts der von der politischen Rechten geführten „Scheindebatten“ über die Landesgeschichte. Kroatien müsse den Krieg gegen Serbien, der dem Land von 1991 bis 1995 Tod und Verwüstung, aber auch die Unabhängigkeit gebracht hatte, endlich hinter sich lassen. Sich selbst stellte er in der Kampagne als „Präsidenten mit Charakter“ für ein „Land mit Haltung“ dar.

Das Staatsoberhaupt hat in Kroatien vor allem zeremonielle Befugnisse, da die Regierungsgeschäfte vom Ministerpräsidenten geführt werden. Dennoch galt die Wahl auch als Indikator für die Stärke des rechten und des linken Lagers vor den Parlamentswahlen voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte.

Die relativ deutliche Niederlage von Grabar-Kitarovic dürfte in der konservativen Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) Nervosität und Richtungsdebatten auslösen. Die abgewählte Präsidentin kommt aus der HDZ, die Partei hatte sie im Wahlkampf offiziell unterstützt. Die SDP (Sozialdemokratische Partei Kroatiens) hatte sich hinter Milanovic gestellt. Sein Sieg kommt auch der Partei zugute.

Das jüngste EU-Mitgliedsland übernahm zur Jahreswende den Ratsvorsitz in der Europäischen Union. Kroatien ist seit 2013 in der EU. Die Feierlichkeiten zum Antritt des EU-Ratsvorsitzes wird in dieser Woche Grabar-Kitarovic zelebrieren. Ihr Nachfolger wird erst im Februar den Amtseid ablegen.

(zim/dpa)