Nach Angriffen in London und Paris: Sorge vor Extremistentaten wächst

Nach Angriffen in London und Paris : Sorge vor Extremistentaten wächst

Nach den Angriffen auf Soldaten in London und Paris steigt die Furcht vor Anschlägen einzelner Attentäter in Europa. Frankreichs Präsident François Hollande sagte zwar, es gebe derzeit keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Messerattacke in Paris am Samstagabend, bei der ein Soldat schwer verletzt wurde, und dem tödlichen Angriff vom Mittwoch in London. Die britische Regierung will jedoch eine ranghohe Extremismus-Arbeitsgruppe einsetzen.

Der 23-jährige französische Soldat wurde im Pariser Westen angegriffen. Er gehörte einer Militär-Polizei-Patrouille an. Gegen 17.50 Uhr wurde der Mann im Bereich des Untergrundbahnhofs von La Défense laut Staatsanwaltschaft mit einer "Stichwaffe" attackiert. Um welche Art von Messer es sich handelte, blieb zunächst unklar.

Hollande sagte, die Identität des Angreifers und die genauen Umstände der Messerattacke seien noch unbekannt. Es würden jedoch alle Spuren verfolgt. Innenminister Manuel Valls zog Parallelen zwischen beiden Attacken. Unter anderem "die plötzliche Gewalt des Angriffs" sei ähnlich.

Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte am Samstag: "Man hat einen Soldaten töten wollen, weil er ein Soldat ist." Er und Valls würden den "unerbittlichen Kampf gegen den Terrorismus" fortsetzen.
Der Zustand des im Nacken verletzten Soldaten war am Sonntag stabil.

Nach ersten unbestätigten Ermittlungsergebnissen war der Angreifer etwa 1,90 Meter groß, Bartträger und mit einem schwarzen Pullover und einer schwarzen Hose bekleidet. Er war am Sonntag weiter flüchtig. Die Staatsanwaltschaft eröffnete eine Terrorermittlung. Die Ermittler werteten Material mehrerer Videokameras aus.

In London wurden nach dem Mord vom Mittwoch drei weitere Verdächtige festgenommen. Zwei 24 und 28 Jahre alte Männer seien am Samstag in einem Haus in der britischen Hauptstadt gefasst worden, ein 21 Jahre alter Mann auf der Straße, erklärte Scotland Yard. Im Südosten Londons durchsuchte die Polizei vier Wohnungen.

Die britischen Sicherheitsdienste geraten nach dem Soldatenmord zunehmend unter Druck. Für neuen Zündstoff sorgten dabei am Samstag Berichte, dass der Inlandsgeheimdienst MI5 den mutmaßlichen Täter habe rekrutieren wollen. Die Berichte bezogen sich auf Aussagen eines angeblichen Freunds von Michael Adebolajo.

Der MI5 habe Adebolajo nach einer Reise nach Kenia als Informanten anzuwerben versucht, sagte Abu Nusaybah, der eigenen Angaben zufolge den 28-jährigen mutmaßlichen Täter seit dem Jahr 2002 kannte. Adebolajo sei in Kenia festgenommen und in Haft misshandelt worden.

Bei seiner Rückkehr sei Adebolajo vom MI5 befragt und zur Arbeit für den Dienst gedrängt worden, sagte Nusaybah weiter. Wie die BBC mitteilte, wurde er unmittelbar nach dem Interview festgenommen. Kenias Regierung bestätigte, Adebolajo sei im Jahr 2010 unter falschen Namen festgenommen und nach London überstellt worden.

Die britische Regierung kündigte angesichts des Drucks die Einsetzung einer Arbeitsgruppe an, die sich mit dem Extremismus im Land befassen solle. Ihr sollen mehrere Minister und die Chefs der Sicherheitsbehörden angehören. Innenministerin Theresa May brachte zudem ins Gespräch, die Antiterrorgesetzgebung zu verschärfen.

(AFP/csi)
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