Kampf gegen Islamisten: Somalia ruft Nachbarländer zur Hilfe

Kampf gegen Islamisten: Somalia ruft Nachbarländer zur Hilfe

Mogadischu (RPO). Somalia hat seine Nachbarländer im Kampf gegen islamistische Rebellen um sofortige Hilfe gebeten. Die Regierung sei durch die Auseinandersetzung mit den Aufständischen ernsthaft geschwächt, sagte Parlamentspräsident Sheikh Aden Mohamed Nur am Wochenende. Äthiopien lehnte eine Truppenentsendung ab und forderte eine Entscheidung auf internationaler Ebene.

Innerhalb von 24 Stunden müssten die Nachbarländer Kenia, Dschibuti und Äthiopien sowie der Jemen Soldaten nach Somalia entsenden, sagte Nur auf einer Pressekonferenz am Samstag. "Wir stehen in diesem Land vor einer Notsituation, weil ausländische Kämpfer aus der ganzen Welt die Regierung bekämpfen." Von diesen ausländischen Rebellen gehe eine Gefahr aus, die sich auf die ganze Region ausbreiten könne, warnte Nur. Nach Angaben des Parlamentspräsidenten wird der Aufstand islamistischer Rebellen in der Hauptstadt Mogadischu von einem aus Pakistan stammenden Führer des Terrornetzwerks El-Kaida gelenkt.

Äthiopien reagierte zurückhaltend auf den Hilferuf des krisengeschüttelten Nachbarlandes und lehnte eine sofortige Entsendung von Soldaten ab. Die Regierung in Addis Abeba stehe zwar an der Seite von Somalias Präsident Sharif Sheikh Ahmed, werde aber ohne eine Entscheidung auf internationaler Ebene keine Soldaten schicken, sagte der äthiopische Informationsminister Bereket Simon der Nachrichtenagentur AFP. Bereits Ende 2006 waren äthiopische Truppen in Somalia einmarschiert, um die Regierung im Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen. Im Januar dieses Jahres wurden Streitkräfte wieder abgezogen.

In Somalia bekämpfen islamistische Rebellen die international unterstützte Regierung. Seit Anfang Mai verstärkten die Aufständischen ihre Angriffe. In der vergangenen Woche wurden drei ranghohe Regierungsvertreter und Sicherheitsvertreter getötet. Allein beim Anschlag auf Sicherheitsminister Omar Hashi Aden am Donnerstag in der Stadt Beledweyne kamen insgesamt 20 Menschen ums Leben. Ein Selbstmordattentäter war mit einem Auto in ein Hotel gerast. Es war der blutigste Anschlag sei Anfang Mai in Somalia. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Tat.

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Nach UN-Angaben wurden allein in den vergangenen sechs Wochen in Somalia rund 300 Menschen in Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen getötet, darunter viele Zivilisten. Nur Teile des ostafrikanischen Landes und Mogadischus werden noch von den Regierungstruppen kontrolliert. Rund 125.000 Menschen wurden seit Anfang Mai vor den Kämpfen vertrieben.

Auch am Wochenende flohen tausende Bewohner teilweise zu Fuß vor den Kämpfen in Mogadischu, wie AFP-Reporter berichteten. Nach Angaben von Augenzeugen standen die Rebellen nur noch drei Kilometer vom Präsidentenpalast entfernt, der von Truppen der Afrikanischen Union bewacht wird. Die im März 2007 entsandten 4300 Soldaten aus Uganda und Burundi halten zudem die Stellung an strategischen Orten wie dem Hafen und dem Flughafen der Hauptstadt, dürfen sich aber nur im Fall von direkten Angriffen mit Waffengewalt zur Wehr setzen.

(AFP)
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