Putschversuch in Guinea-Bissau: Soldaten bringen Regierungschef in ihre Gewalt

Putschversuch in Guinea-Bissau : Soldaten bringen Regierungschef in ihre Gewalt

Soldaten der Streitkräfte des westafrikanischen Staates Guinea-Bissaus haben den Ministerpräsidenten des Landes, Raimundo Pereira, in ihre Gewalt gebracht. Das gab der Militärattaché der Streitkräfte, Francelino Cunha, am Freitag bekannt. Zuvor hatten Soldaten den Sitz des Ministerpräsidenten in der Hauptstadt Bissau angegriffen. Gomes galt als Favorit bei der Präsidentenstichwahl am 29. April.

Über den Verbleib des Interimspräsidenten Raimundo Pereira gab es zunächst keine Informationen. Die Streitkräfte begründeten ihr Vorgehen mit der Stationierung von 200 angolanischen Soldaten in Guinea-Bissau. Laut einer Meldung der angolanischen Nachrichtenagentur Angop sind sie einem Jahr im Rahmen eines bilateralen Militärabkommens dort stationiert.

"Das Streitkräftekommando will nicht die Macht, aber es ist zum Handeln gezwungen, sich gegen Manöver der Regierung Guinea-Bissaus zu verteidigen, die darauf zielt, die Streitkräfte (des Landes) unter Anwendung militärischer Gewalt zu beseitigen", hieß es in einem von einem unbekannten Offizier der Streitkräfte von Guinea-Bissau veröffentlichten Kommuniqué. Es wurde von der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa zitiert.

Darin wird zudem behauptet, die Regierung Guinea-Bissaus habe in einem Geheimdokument Angola beauftragt, die eigenen Streitkräfte anzugreifen. Es war nicht möglich, dafür eine unabhängige Bestätigung zu erhalten. Der angolanische Verteidigungsminister Candido Pereira Van-Dunem erklärte am Donnerstag in der angolanischen Hauptstadt Luanda, sein Land werde auch weiterhin Guniea-Bissau seine volle Unterstützung gewähren. Sein Land unterhalte sehr gute Beziehungen zu Guinea-Bissau, zitierte ihn die angolanische Nachrichtenagentur Angop.

ECOWAS kritisiert Vorgehen

Augenzeugen berichteten von chaotischen Zuständen. Etwa zwei Stunden lang seien Schüsse zu hören gewesen. Die regionale Staatengemeinschaft ECOWAS erklärte in der Nacht zum Freitag, sie verurteile "jeden Versuch eines Putsches". Der Kommissionspräsident der Gemeinschaft, Kadré Désiré Ouédraogo, sagte, die Kommission missbillige die Einmischung des Militärs in die Politik. Es handele sich um einen unverantwortlichen Akt, der den Willen der Militärs unterstreiche, Guinea-Bissau als einen gescheiterten Staat zu erhalten.

Das portugiesische Außenministerium forderte die Verantwortlichen des Coups auf, das Wohlergehen der demokratischen Autoritäten zu respektieren und die Festgenommenen freizulassen. Das deutsche Auswärtige Amt veröffentlichte zudem eine Reisewarnung für das westafrikanische Land. Die Lage sei "unübersichtlich und gefährlich", teilte das Ministerium am Freitag in Berlin mit. Daher werde bis auf Weiteres von Reisen nach Guinea-Bissau gewarnt.

Mörserfeuer in der Hauptstadt

Kurz nach dem Ausfall des Radiosenders am frühen Abend war Mörserfeuer zu hören. "Ich bin im Büro, und es wird verhindert, dass ich es verlasse", sagte der Diplomat, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP am Telefon. Die Innenstadt sei vom Militär abgeriegelt worden, die Aufenthaltsorte des Ministerpräsidenten und des Interimspräsidenten seien nicht bekannt.

Die Soldaten seien von Botschaft zu Botschaft gegangen, um zu verhindern, dass Politiker dort Zuflucht suchen könnten, sagte der Anwohner Edmond Ajoye, der im Land für eine niederländische Hilfsorganisation arbeitet. Von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr seien in der Stadt Schüsse zu hören gewesen. "Es herrschte Panik. Frauen rannten umher", sagte Ajoye. Raketen seien abgefeuert worden, und Soldaten hätten von Lastwagen aus mit ihren Gewehren geschossen.

Wahlen waren für Ende April geplant

Wie im Fall Mali stehen auch in Guinea-Bissau Wahlen unmittelbar bevor. Für den 29. April ist eine Stichwahl um die Präsidentschaft geplant. Ministerpräsident Carlos Gomes Junior soll dabei gegen den ehemaligen Präsidenten Kumba Yala antreten. Yala hatte kürzlich verkündet, er werde die Wahl boykottieren. Die vorgezogenen Wahlen waren nach dem Tod von Präsident Malam Macai Sanha im Januar notwendig geworden.

Seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1974 hat es in Guinea-Bissau immer wieder Staatsstreiche und auch einen Bürgerkrieg gegeben. Zuletzt wurde das westafrikanische Land zusätzlich durch wachsenden Kokain-Handel destabilisiert. Drogenschmuggler aus Südamerika entdeckten die unbewohnten Inseln vor der Küste des Landes vor einigen Jahren als idealen Umschlagplatz für den Transport der Drogen nach Europa.

(APD)