So kämpfen die Frauen in der Schweiz gegen Diskriminierung

Schweiz : Ein Kampftag der Frauen

Die Schweizerinnen demonstrieren am Freitag gegen ihre wirtschaftliche Diskriminierung.

Gunilla von Hall, zweifache Mutter und Journalistin, macht mit. „Wir Frauen müssen zeigen, wie stark wir sind. Die wirtschaftliche Benachteiligung einer Hälfte der Bevölkerung muss aufhören.“ Am Freitag soll es so weit sein. Von Hall aus dem Kanton Waadt reiht sich in den „Frauen*streik“ ein, mit dem die Diskriminierung in der Berufswelt angeprangert werden soll. In allen Teilen der Schweiz wollen Frauen, und auch Männer, dem Arbeitsplatz fernbleiben. Die Kernforderung: „Gleichberechtigung. Punkt. Schluss!“

Die Demonstranten verlangen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, die Einführung von Lohnkontrollen, familienverträgliche Jobs, bessere Sozialleistungen und auch eine härtere Vorgehensweise gegen sexuelle Übergriffe in Betrieben. Aus nahezu jeder Branche werden Teilnehmerinnen erwartet. Wenn die Mobilisierung gelingt, könnten mehrere Hunderttausend Menschen demonstrieren, an Frauenparlamenten teilnehmen und Sitzblockaden errichten. Für ein Land mit 8,5 Millionen Einwohnern ein großer Erfolg. „In der Schweiz stoßen die Frauen im Beruf auf viele Barrieren“, erläutert Regula Bühlmann, Zentralsekretärin für Gleichstellung beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund.

Nach Angaben der Streik-Organisatorinnen verdienen Frauen zwischen Bodensee und Tessin in jeder Bildungsschicht weniger Geld als Männer. Je höher der Abschluss, desto größer das Lohngefälle. Das Bundesamt für Statistik belegt dies: Frauen in der Schweiz verdienen im Schnitt pro Monat 18,3 Prozent weniger als männliche Kollegen. In der kleinen Kammer des nationalen Parlaments liegt der Frauenanteil bei 15 Prozent, in der großen Kammer bei einem Drittel. Immerhin bestimmen in der siebenköpfigen Regierung drei Frauen den Kurs des Landes mit.

Dass die Männer die Frauen in der Schweiz systematisch von der Macht fernhielten, belegt ein Blick in die Geschichte. Die Schweizerinnen erhielten erst 1971 auf nationaler Ebene das Stimmrecht. Auf kantonaler Ebene war es noch schlimmer: Als letzter Kanton musste Appenzell-Innerrhoden das Wahlrecht für Frauen einführen – nach einem Beschluss des Bundesgerichts von 1990.

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