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Skandal um Abbas: Was der Begriff „Holocaust“ bedeutet ​

Nach Skandal um Abbas : Was der Begriff „Holocaust“ bedeutet und warum er problematisch ist

Der Palästinenserpräsident Abbas hat das das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser als Holocaust bezeichnet und damit für einen Skandal gesorgt. Was der Begriff „Holocaust“ genau bedeutet, welche Strafen bei Leugnung des Holocausts drohen und warum es in der Vergangenheit immer wieder Kritik gab.

Holocaust ist eine Bezeichnung für die Massenvernichtung der rund sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs. Der Begriff stammt vom griechisch-lateinischen Wort „holocaustum“ ab. Es bedeutet „ganz verbrannt“ oder „Brandopfer“ und meinte ursprünglich ein Gott wohlgefälliges Opfer.

Die Verwendung dieses Begriffs aus der religiösen Sprache für die NS-Verbrechen ist nicht unumstritten. In Israel wird bis heute der eher säkulare hebräische Ausdruck „Schoah“ gebraucht. Er bedeutet „Zerstörung“ oder „Katastrophe“.

Gemäß Paragraf 130 im Strafgesetzbuch kann mit bis zu fünf Jahren Haft oder mit einer Geldstrafe bestraft werden, wer den Holocaust öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost. Eine volksverhetzende „Verharmlosung“ des NS-Völkermords an den europäischen Juden wird nach geltender Rechtsprechung angenommen, wenn der Holocaust „heruntergespielt, beschönigt oder sein wahres Gewicht verschleiert wird“. Dies gilt auch für relativierende Vergleiche, die den NS-Massenmord an den europäischen Juden in seiner Einzigartigkeit oder seinem Umfang in Frage stellen.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Kritik an israelfeindlichen Äußerungen, die die Politik Israels gegenüber den Palästinensern mit dem Holocaust verglichen haben. In Deutschland sprachen Rechtsextreme vom „Bombenholocaust“ beim Gedenken an die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg.

Eine Relativierung des Holocaust wurde auch Demonstrierenden vorgeworfen, die bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen eine Art Judenstern trugen oder sich mit Nazi-Opfern wie Anne Frank verglichen.

Auf heftige Kritik stoßen auch immer wieder Abtreibungsgegner, die von „Babycaust“ oder „Kinder-Holocaust“ sprechen, sowie Tierschützer, die Massentierhaltung mit Konzentrationslagern vergleichen.

(mzu/kna)