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Silvio Berlusconi in der Ruby-Affäre endgültig freigesprochen

"Bunga Bunga" : Gericht spricht Berlusconi im Ruby-Prozess endgültig frei

Silvio Berlusconi kann im Prozess um seine "Bunga Bunga"-Partys aufatmen: Das Oberste Gericht Italiens hat am späten Dienstagabend den Freispruch für den früheren Ministerpräsidenten im Prozess um Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauch in der sogenannten Ruby-Affäre bestätigt.

Der Kassationsgerichtshof in Rom setzte damit einen Schlussstrich unter eine Justizsaga, die das Land seit Jahren beschäftigt. Juristisches Ungemach droht dem 78-Jährigen aber weiterhin an anderer Stelle.

Im Zentrum der Affäre steht die Marokkanerin Karima al-Mahrough alias Ruby Rubacuore (Ruby Herzensbrecherin). Berlusconi soll bei ausschweifenden Partys in seiner Mailänder Villa Sex gegen Geld mit der damals noch 17-jährigen Ruby gehabt haben. Die Veranstaltungen wurden als "Bunga Bunga"-Partys bekannt - Berlusconi sprach stets von normalen Dinnerpartys mit ein paar Burlesque-Tanzeinlagen. Später soll er sein Amt als Regierungschef missbraucht haben, um Ruby aus dem Polizeigewahrsam freizubekommen. Damals behauptete er, Ruby sei eine Nichte des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak.

Im Juni 2013 wurde Berlusconi erstinstanzlich wegen der Förderung von Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Außerdem erhielt er ein lebenslanges Verbot, öffentliche Ämter zu bekleiden. Gut ein Jahr später folgte der Freispruch durch ein Berufungsgericht: Berlusconi habe zwar Sex mit Ruby gehabt, aber nicht wissen können, dass diese erst 17 Jahre alt war.

Genau das zweifelte Staatsanwalt Edoardo Scardaccione bei der Anhörung am Dienstag an. Die Story mit Mubaraks Nichte sei filmreif gewesen, sagte er. "Die ganze Welt hat hinter unserem Rücken über uns gelacht." Außerdem habe Berlusconi eine erklärte "Leidenschaft für Minderjährige" gehabt. Doch es gelang Scardaccione nicht, die Richter davon zu überzeugen, dass Berlusconi und sein Umfeld Rubys Alter sehr wohl kannten. Die Jury zog sich nach der Anhörung zurück und verkündete nach rund neun Stunden ihr Urteil. Berlusconi war dabei nicht anwesend.

Damit sind die Rechtsmittel nun ausgeschöpft und Berlusconis Freispruch ist rechtskräftig. Allerdings ist die Affäre für ihn noch nicht vollständig abgeschlossen: Derzeit laufen noch Ermittlungen wegen der mutmaßlichen Bestechung junger Frauen, die an seinen Partys teilgenommen haben sollen. Sie sollen vor Gericht gegen Geld falsche Aussagen im Ruby-Prozess gemacht haben.

Berlusconi ist außerdem angeklagt, 2006 als Oppositionsführer einen Senator aus dem linkspolitischen Lager bestochen zu haben, damit dieser sich seiner konservativen Partei anschließt und damit die amtierende Regierung schwächt. Rechtskräftig verurteilt ist er wegen Steuerbetrugs. Erst am Freitag hatte er seinen einjährigen gemeinnützigen Dienst in einem Pflegeheim für Alzheimer-Kranke beendet.

(AFP)