Sicherheitslage in Afghanistan: Sicherheitskräfte vereiteln Anschläge in Kabul

Sicherheitslage in Afghanistan: Sicherheitskräfte vereiteln Anschläge in Kabul

Die afghanischen Sicherheitskräfte haben am Donnerstag offenbar eine Serie schwerer Selbstmordattentate in Kabul vereitelt. Bei einem stundenlangen Einsatz im Osten der afghanischen Hauptstadt seien fünf Aufständische getötet und zahlreiche Waffen, Munition sowie Angriffspläne beschlagnahmt worden, teilten die Sicherheitsbehörden mit. Nach Angaben des Außenministeriums gehörten die Kämpfer dem islamistischen Haqqani-Netzwerk an.

Der Einsatz begann in der Nacht zum Donnerstag im Stadtviertel Pul-i-Scharchi, wie der Sprecher der Sicherheitsbehörden, Lutfullah Maschal, sagte. Demnach stürmten Sicherheitskräfte ein Haus in dem Bezirk, woraufhin ein mehr als sechs Stunden andauerndes Gefecht folgte. Fünf Kämpfer seien getötet worden, einer von ihnen habe seinen Sprengstoffgürtel gezündet, sagte Maschal. Das Außenministerium in Kabul bestätigte die Zahl der Toten.

Diplomatenviertel war Anschlagziel

In dem Unterschlupf beschlagnahmten die Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben Sprengstoff und Sprengstoffgürtel, Waffen, Raketen, Handgranaten, Maschinengewehre und Burkas, mit denen sich die Männer offenbar als Frauen verkleiden wollten. Entdeckt wurden Maschal zufolge außerdem drei präparierte Fahrzeuge und Karten mit eingezeichneten Zielen für mögliche Anschläge in Kabul, darunter auch das Diplomatenviertel.

Zunahme der Gewalt

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Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Monaten nach Angaben der NATO deutlich zugenommen. Im Juni gab es demnach so viele Angriffe wie seit zwei Jahren nicht mehr innerhalb eines Monats. Am 15. April hatten drei Gruppen fundamentalistischer Taliban-Kämpfer in koordinierten Attacken Ziele in Kabul angegriffen, darunter Regierungsgebäude, Botschaften und Militärstützpunkte. Daraus entwickelten sich schwere Kämpfe, die insgesamt 17 Stunden dauerten. Am Ende wurden 51 Tote gezählt, unter ihnen dutzende Angreifer.

Unterstützung durch Al-Kaida

Das Haqqani-Netzwerk ist nach seinem Gründer Dschalaluddin Haqqani benannt, der bereits in den 1980er Jahren gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan kämpfte und sich später den Taliban anschloss. Haqqani wird für zahlreiche Angriffe in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht.

Das Netzwerk soll auch mit der Terrororganisation Al-Kaida kooperieren. Die USA verdächtigen Pakistan, das Haqqani-Netzwerk zu unterstützen. Der US-Senat verabschiedete kürzlich ein Gesetz, wonach das Außenministerium das Netzwerk auf die Terrorliste der USA setzen soll.

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(AFP)
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