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Shinzo Abe: Japans Ministerpräsident erklärt Rücktritt - Gesundheitliche Gründe

Gesundheitliche Gründe : Japans Ministerpräsident Abe erklärt Rücktritt

Zuletzt hatte Shinzo Abe sich bereits mehrfach zu Untersuchungen ins Krankenhaus begeben. Nun hat der japanische Ministerpräsident auch persönlich seinen Rücktritt verkündet, weil eine Krankheit wieder aufgetreten sei.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Eine chronische Krankheit, die ihm schon viele Jahre zu schaffen mache, setze seiner Gesundheit zunehmend zu, sagte Abe am Freitag zur Begründung. „Es quält mich, dass ich meinen Posten verlassen muss, bevor ich meine Ziele erreicht habe.“

Abe setzte sich als Ministerpräsident insbesondere für eine Belebung der japanischen Wirtschaft ein. Zudem stärkte er das Militär. Er war länger Ministerpräsident des Landes als jeder seiner Vorgänger. Erst am Montag hatte er den Rekord seines Großonkels Eisaku Sato übertroffen, der von 1964 bis 1972 2798 Tage durchgehend Regierungschef gewesen war.

Die Zeit seit seinem Amtsantritt im Dezember 2012 war eine der politischen Stabilität in dem Land. In den vorangegangenen Jahren hatte es häufige Wechsel an der Regierungsspitze gegeben. Abe war erstmals bereits 2006 Ministerpräsident geworden, im folgenden Jahr aber nach einer schweren Niederlage bei der Oberhauswahl zurückgetreten. Auch damals soll sein Rücktritt aber auch gesundheitliche Gründe gehabt haben.

Sorgen wegen Abes Gesundheitszustand hatten in den vergangenen Wochen wegen nicht näher erklärten Untersuchungen in einem Krankenhaus in Tokio zugenommen. Sein zweiter dortiger Besuch am Montag verstärkte Spekulationen, dass er möglicherweise seinen Posten aufgeben müsse.

Abe leidet nach eigenen Angaben seit seiner Teenager-Zeit unter der chronischen Dickdarmentzündung Colitis Ulcerosa und wurde deswegen behandelt.

Planmäßig würde seine aktuelle Amtszeit im September nächsten Jahres enden. Es wird angenommen, dass er Regierungschef bleibt, bis ein neuer Parteichef gewählt und vom Parlament formal als Ministerpräsident bestätigt wird.

Shigeru Ishiba, ein 63-jähriger ehemaliger Außenminister, der für einen harten Kurs steht und Abes Erzrivale ist, ist in Meinungsumfragen von Medien ein Favorit für den Posten. In der Liberaldemokratischen Partei ist er allerdings weniger beliebt. Auch der ehemalige Außenminister Fumio Kishida, Verteidigungsminister Taro Kono und Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga wurden in japanischen Medien als mögliche Nachfolger genannt, ebenso Yasutoshi Nishimura, Minister für wirtschaftliche Erholung, der für die Corona-Maßnahmen zuständig ist.

Auch die Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, wird von manchen als mögliche Kandidatin für die Regierungsspitze genannt. Dafür müsste sie allerdings zuerst ins Parlament gewählt werden.

(cpas/AFP/Reuters/dpa)