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Krise in der Ost-Ukraine: Separatisten sprechen von Rückeroberungen

Krise in der Ost-Ukraine : Separatisten sprechen von Rückeroberungen

Während die russsische Führung in Moskau Berichte als "absurd" bezeichnete, wonach ein russischer Kampfjet einen ukrainischen Militärbomber abgeschossen haben soll, berichten pro-russische Separatisten nach dem Vorrücken der Regierungstruppen in der Ost-Ukraine nun ihrerseits von Kampferfolgen und Landgewinnen.

In den Gebieten Lugansk und Donezk seien einzelne Stadtteile und Ortschaften wieder unter Kontrolle der Aufständischen, teilten die pro-russischen Kräfte am Donnerstag mit. Die Regierungstruppen seien zurückgedrängt worden.Eine Bestätigung dafür gab es in Kiew nicht.

Nach Angaben der prowestlichen Führung in Kiew schoss Russland einen ukrainischen Kampfjet vom Typ Suchoi SU-25 über dem Konfliktgebiet im Osten der Ukraine ab. Das teilte der Sprecher des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung, Andrej Lyssenko, in Kiew mit. Ein russisches Militärflugzeug habe von russischer Seite am Mittwoch (16.
Juli) um 19 Uhr (18 Uhr MESZ) die Rakete abgefeuert. Der Pilot der getroffenen Maschine habe sich mit einem Schleudersitz retten können. Eine Bestätigung für den Vorfall gab es von anderer Quelle nicht. Es blieb zudem unklar, weshalb der angebliche Abschuss erst mit eintägiger Verspätung gemeldet wurde.

Moskau: "Wir waren das nicht"

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin hat die Vorwürfe der Armeeführung in Kiew zurückgewiesen, Russland habe über der Ostukraine eine Militärmaschine des Nachbarlandes abgeschossen. "Wir haben das nicht getan", sagte er am Donnerstag am Sitz der Vereinten Nationen.

Bei den Kämpfen in der Ostukraine habe es erneut zahlreiche Tote und Verletzte gegeben, teilten beide Seiten mit. Konkrete Zahlen lagen zunächst nicht vor. "Wir wissen, dass es Verluste gibt. Die Kämpfe dauern an. Unsere Leute halten sich.Aber es ist sehr schwer", sagte Andrej Lyssenko vom Rat für Nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine.

In Moskau kündigte der Donezker Separatistenführer Denis Puschilin an, dass die pro-russischen Kräfte in Kürze auch Slawjansk zurückerobern wollten. Die Aufständischen hatten die von ihnen über Wochen kontrollierte Hochburg am 6.Juli überraschend aufgegeben, um sich nach Donezk zurückzuziehen.

Die pro-russische Kräften teilten auch mit, dass der Kommandeur einer ukrainischen Schützenpanzerbrigade im Konflikt desertiert sei und Tausende Soldaten zurückgelassen habe. Die Separatisten hatten die Regierungstruppen nach eigener Darstellung zuvor umzingelt. Die Soldaten würden massenhaft die Waffen strecken und nach Russland fliehen, hieß es.

Das Innenministerium in Kiew rief die Bürger in Donezk und Lugansk erstmals auf, sich selbst gegen die Aufständischen zur Wehr zu setzen. Es verwundere ihn, dass sich in einer Millionenstadt wie Donezk, in der "starke Männer, Bergarbeiter, mutige Menschen" leben, niemand den bewaffneten Eindringlingen entgegenstelle, sagte Berater Sorjan Schkirjak.

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Mit Blick auf die neuen Sanktionen der USA gegen Russland warnte Russlands Präsident Wladimir Putin vor einem "Bumerang"-Effekt der Strafmaßnahmen, die am Ende auch US-Unternehmen schaden würden. Das Außenministerium in Moskau sprach von einem "primitiven Versuch der Rache" dafür, dass sich die Ereignisse in der Ukraine nicht nach dem Willen Washingtons entwickelten.

Die USA wollten Russland die Schuld an dem Bürgerkrieg geben, der seine Ursache in einer tiefen innerukrainischen Krise habe. Die Strategie der USA und ihrer "Kiewer Klienten", die Lage mit Gewalt zu befrieden, sei gescheitert, teilte das Außenamt mit. Russland behalte sich das Recht auf Gegenmaßnahmen vor. Der russische Regierungschef und frühere Präsident Dmitri Medwedew warnte vor einem Rückfall in die Zeiten des Kalten Krieges mit neuen Rüstungsinitiativen.

Die verschärften Sanktionen der USA und der EU gegen Russland trafen den Aktienmarkt in Moskau hart. Der RTS-Interfax-Börsenindex fiel am Donnerstag in der Spitze um bis zu 3,7 Prozent und lag damit auf dem tiefsten Stand seit Anfang Juni. Die Staatsanleihen des Landes gerieten ebenfalls unter Druck. Der Rubel verlor gegenüber dem Euro und dem Dollar deutlich an Wert.

(dpa)