Sea-Watch 3: Mehr als eine Million Euro Spenden für Carola Rackete

Solidarität mit „Sea-Watch“ : Mehr als eine Million Euro Spenden für Carola Rackete

Bei Spendenaktionen zugunsten der Flüchtlingsrettungsorganisation Sea-Watch und der in Italien festgenommenen Kapitänin Carola Rackete sind bereits mehr als eine Million Euro zusammengekommen.

Ein Spendenaufruf der TV-Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf auf der Internetseite leetchi.com brachte bis Montagmorgen mehr als 706.000 Euro. Mehr als 26.000 Menschen spendeten Geld. Eine in Italien gestartete Sammelaktion erbrachte bislang Spenden in Höhe von mehr als 410.000 Euro.

Der 31-jährigen Rackete drohen in Italien bis zu zehn Jahre Gefängnis. Die deutsche Kapitänin war in der Nacht zum Samstag festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff „Sea-Watch 3“ mit 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte.

Sie soll am Montagnachmittag vor einem italienischen Ermittlungsrichter vernommen werden. Sie sei dazu bereits mit einem Schiff der Finanzpolizei unterwegs von Lampedusa in die sizilianische Stadt Agrigent, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer am Montag.

Der 31-Jährigen werden Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Verletzung des Seerechts und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen, weil sie sich Anweisungen von Militärschiffen widersetzt haben soll.

Racketes Vater hofft auf den Einsatz der Bundesregierung. „Ich denke, der internationale Druck auf die italienische Regierung wird einiges bewirken“, sagte Ekkehart Rackete aus dem niedersächsischen Hambühren am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Er halte das südeuropäische Land aber „nach wie vor“ für einen souveränen Rechtsstaat und mache sich keine großen Sorgen um seine Tochter. Erst gestern habe er mit ihr telefoniert: „Sie ist lustig und guter Dinge und sieht der ganzen Sache eigentlich gelassen ins Auge.“

Racketes Festnahme rief in Deutschland Empörung hervor. So kritisierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Vorgehen der italienischen Behörden. Auf Kritik stießen auch Äußerungen von Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega, der unter anderem von einer „kriegerischen Handlung“ sprach.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte Außenminister Heiko Maas (SPD) auf, zugunsten der Kapitänin aktiv zu werden. Das gelte besonders „mit Blick auf die unverständliche Handhabung, dass Carola Rackete unter Hausarrest gestellt wurde und nur Kontakt zu ihren Anwälten haben darf“, sagte Baerbock der "Welt" vom Montag.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Nils Schmid, kritisierte die Äußerungen Salvinis als „erbärmlich“. Es gebe keinen Grund, das Verhalten von Kapitänin Rackete als „Kriegsakt“ zu bewerten, sagte Schmid im ZDF-“Morgenmagazin“. Sie habe es getan, weil Menschenleben auf dem Spiel gestanden hätten. Wenn jemand mit 180 Stundenkilometern gegen eine Leitplanke fahre, frage auch niemand, ob er die Verkehrsregeln verletzt habe - dann werde der Krankenwagen geschickt.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte die EU-Staaten auf, Druck auf die italienische Regierung zu machen. „Wenn mitten in Europa eine junge Frau verhaftet wird, weil sie Ertrinkende rettet, läuft gehörig etwas schief“, sagte Klingbeil den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Seenotrettung sei kein Verbrechen und dürfe nicht kriminalisiert werden.

Die französische Regierung warf Rom eine "Strategie der Hysterisierung" vor. Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye sagte im Sender LCI, der italienische Innenminister Salvini würde die Flüchtlingskrise "instrumentalisieren". Der Politiker der fremdenfeindlichen Lega werfe Frankreich und der EU mangelnde Solidarität vor, Dabei habe Italien im Zuge der Flüchtlingskrise rund eine Milliarde Euro Unterstützung der EU erhalten, sagte Ndiaye.

Nach Ansicht des CDU-Innenpolitikers Patrick Sensburg hätte die „Sea Watch“ statt Italien auch Tunesien, Algerien oder Ägypten ansteuern können. „Hier müsste Sea Watch die Geretteten eigentlich an Land bringen, sonst unterstützen sie im Kleinen die Arbeit der Schlepper“, sagte Sensburg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Menschen in Seenot zu retten, sei ein Gebot des Seerechts, des europäischen und internationalen Völkerrechts. „Die Frage, wo die Geretteten aber an Land gebracht werden, ist davon unabhängig“, sagte der CDU-Politiker.

(zim/AFP/dpa)
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