Sea-Watch 3: Innenminister Salvini beleidigt Carola Rackete als „deutsche Zecke“

Kapitänin der „Sea-Watch 3“ : Italiens Innenminister Salvini beleidigt Carola Rackete als „deutsche Zecke“

Der italienische Innenminister Matteo Salvini nutzt die Kapitänin der „Sea-Watch 3“, Carola Rackete, um Werbung für seine Flüchtlingspolitik zu machen. Dabei schreckt er offenbar auch vor Beleidigungen nicht zurück.

Die drastische Senkung der Ankünfte von Migranten habe ihm so viele Anzeigen eingebracht, dass er sie nicht mehr zähle, sagte er der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ (online) vom Freitag zufolge bei einer Kundgebung. Auf einem Video von der Veranstaltung in Barzago in der Nähe von Mailand betont er unter Beifall des Publikums, auch die „deutsche Zecke“ habe Anzeige gegen ihn erstattet. „Man muss ihr doch nur ins Gesicht sehen, ausgerechnet hierher musste sie kommen.“

Auch wenn linke Kräfte ihn bedrohten, behinderten und anzeigten, werde er weitermachen wie bisher, betonte der stellvertretende Regierungschef. Selbst wenn Rackete Richter finde, die sie freiließen, würde er ihr Schiff blockieren und einen „schönen Haufen Geld“ von ihr verlangen. Damit werde er nicht „Illegalen“, sondern italienischen Erdbebenopfern helfen.

Salvini hatte Rackete während des Tauziehens um ihr Schiff und der Ermittlungen wiederholt als Kriminelle und Piratin bezeichnet. Rackete erstattete ihrerseits Anzeige wegen Verleumdung und Anstachelung zu Hass gegen den Innenminister.

Einer aktuellen Umfrage zufolge stieg die Zustimmung für Salvini in den vergangenen Wochen weiter auf knapp 37 Prozent an. Das Meinungsforschungsinstitut Piepoli führt den Anstieg auch auf den Fall der Kapitänin zurück.

Die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Agrigent ermittelt gegen Rackete im Zusammenhang mit dem Anlegen ihres Schiffs im Hafen von Lampedusa. Sie wirft Rackete Begünstigung illegaler Einwanderung sowie Widerstand und Ungehorsam gegenüber einem Kriegsschiff vor.

Lesen Sie hier unseren Faktencheck zum Thema.

Rackete hatte sich nach tagelangem Tauziehen mit den italienischen Behörden Ende Juni über das Verbot hinweggesetzt, mit der „Sea-Watch 3“ Lampedusa anzulaufen. Beim Anlegen im Hafen der italienischen Insel hatte sie ein Schiff der Finanzpolizei gerammt.

(mja/epd)
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