Könige nicht Terroristen: Schwierige Suche nach Ruhestätte für Arafat

Könige nicht Terroristen : Schwierige Suche nach Ruhestätte für Arafat

Jerusalem (rpo). Die Suche nach einer Grabstätte für Jassir Arafat spiegelt die ganze Tragik und Absurdität des Nahost-Konflikts wider: Israel werde die Bestattung im Gazastreifen billigen, sagte Justizminister Josef Lapid. Arafats Wunsch auf eine letzte Ruhestätte in Jerusalem werde jedoch in keinem Fall erfüllt: "Dort sind jüdische Könige begraben, keine arabischen Terroristen."

Nach islamischem Brauch sollten Tote am Tag ihres Ablebens oder am Folgetag begraben werden, was die palästinensischen Behörden vor schier unlösbare praktische Probleme stellt. Arafat befindet sich in einem Militärkrankenhaus bei Paris. Nicht nur die Überführung der Leiche, sondern auch für die Sicherheit der ausländischen Würdenträger bei einer Beerdigung müsste gesorgt werden.

Möglicherweise ist die unklare Nachrichtenlage über Arafats Zustand diesen Schwierigkeiten geschuldet. Am Freitagmittag hieß es aus palästinensischen Kreisen, Arafat sei an einem kritischen Punkt zwischen Leben und Tod angelangt. In Ramallah wurde beteuert, es hätten noch keine Planungen für eine Beerdigung begonnen und es gäbe noch keine Abstimmungen mit der israelischen Regierung.

Arafat selbst sagte seinen Vertrauten in den vergangenen Jahren mehrmals, er wolle nahe der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem bestattet werden. Die Moschee ist der drittheiligste Ort im Islam, wurde allerdings auf den Ruinen des biblischen jüdischen Tempels errichtet. Der Streit über die Kontrolle des Tempelberges hat wiederholt Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern zum Scheitern gebracht. Ein Grab Arafats in Jerusalem würde den palästinensischen Anspruch untermauern, den arabischen Teil zur Hauptstadt eines künftigen Staates zu machen.

Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, der einzig denkbare Ort für die letzte Ruhestätte des palästinensischen Präsidenten sei der Gazastreifen. Auch ein Grab im Westjordanland, etwa im Jerusalemer Vorort Abu Dis, sei ausgeschlossen. Seine letzten drei Lebensjahre verbrachte Arafat in seinem Amtssitz in Ramallah im Westjordanland. Die Mukata wurde durch die israelische Belagerung praktisch zu seinem Gefängnis.

Zu einer Beerdigung im Westjordanland nahm Justizminister Lapid nicht direkt Stellung. Im israelischen Sender Kanal Zwei sagte er: "Jetzt reden wir über Gaza. Wir haben keine Probleme mit Gaza."

Arafats Familie, die Al-Kidwas, stammen aus Gaza. Arafat selbst wurde allerdings in Kairo geboren und wuchs dort und in Jerusalem auf. Der Clan besitzt ein Stück Land in Chan Junis im Gazastreifen. Das Problem: Die Parzelle liegt inmitten eines Gemüsemarktes - keine würdige Ruhestätte für das Symbol des palästinensischen Freiheitskampfes. Angemessener erscheinen ein Grab am Meer nahe seines alten Hauptquartier in Gaza-Stadt oder auf dem "Märtyrer-Friedhof" nahe der israelischen Grenze.

Ein Begräbnis im Gazastreifen wäre in jedem Fall ein Albtraum für Trauergäste aus dem Ausland. Vor dem geplanten israelischen Abzug ist ein Machtkampf unter rivalisierenden palästinensischen Gruppierungen und Sicherheitsdiensten ausgebrochen. Verschiedene Fraktionen, darunter auch Vertreter der militanten Organisationen, wollten am Freitagnachmittag in Gaza zusammentreffen. Bei dem Treffen sollte über Maßnahmen beraten werden, um mögliche Ausschreitungen im Falle von Arafats Tod zu verhindern.

(ap)